LUXEMBURG
DANIEL OLY

Mit der Ausbildung zur Logistiktechnikerin zum Traumjob

Klick, bestellt – und binnen zwei bis drei Tagen da. Wie machen große Versandhändler wie der eine mit dem südamerikanischen Fluss-Namen das nur? Die haben doch bestimmt ein ausgeklügeltes Robotersystem, das alles automatisch abgeregelt. Kein Mensch könnte dabei den Überblick behalten. Oder?

Doch: Logistik-Facharbeiter planen den ganzen Ablauf, von der Einlagerung über den Transport, von der Verzollung und Verteilung bis zum Kunden. Gar nicht mal wenig Stress, und trotzdem ist es ein erfüllender Beruf – und einer, für den man sich mit einer Fachausbildung seit kurzem auch in Luxemburg ganz bewusst entscheiden kann.

Das hat auch Jennifer Klautsch gemacht. „Die Ausbildung war damals nagelneu, und es wurde reichlich dafür geworben – und weil ich mich schon immer für die internen Abläufe interessiert habe, hatte ich mich dann sofort gemeldet“, weiß sie noch. „Ich war stets fasziniert davon, wie diese Abläufe funktionieren, wenn man mit einem Mausklick etwas bestellen kann und es am nächsten Tag schon unterwegs ist.“

Drei Jahre berufsbegleitende Ausbildung

Eingeschrieben hat sie sich dann in einer der beiden Schulen, die die Ausbildung zusammen mit Privatunternehmen anbieten. „Ich habe meine Ausbildung im technischen Lyzeum in Lallingen gemacht, aber es geht auch im Lyzeum in Bonneweg“, erklärt sie. In jedem Fall fängt man in der zehnten Klasse mit den ersten Kursen an. „Es ist aber nicht nur theoretisch, denn ab dem zweiten Jahr arbeitet man in Teilzeit bei einem Logistikunternehmen, um auch die Praxiserfahrung zu sammeln“, meint Klautsch.

Insgesamt vier Jahre, drei davon berufsbegleitend, dauert die Ausbildung dann. „Das war alles sehr gut vorbereitet“, betont sie. „Das Programm war gut ausgearbeitet und das Unternehmen, das mich aufgenommen hatte, konnte mir wichtige Einblicke in den Logistik-Alltag geben.“ Sie kam bei „Kuehne + Nagel“ unter, einem großen internationalen Unternehmen. „Da war schon der Vorteil, dass ich viele verschiedene Aspekte sehen konnte; alle paar Monate konnte ich die Abteilung wechseln und so etwa auch mal in der Seefracht arbeiten.

Am meisten habe ihr aber die Landfracht zugesagt. „Lastwagen und die Versorgungskette zwischen den Ländern, das hat mich wirklich gereizt“, meint sie. Mit Recht: Inzwischen wurde sie übernommen und arbeitet fest angestellt bei „Kuehne + Nagel“ als „European Transport Planner“. „Da mache ich auch den ganzen Import aus Deutschland. Das ist eine Menge Verantwortung, aber das ist auch gut so, das ist genau das, worauf ich Lust hatte“, erklärt sie. „Der Kundenkontakt und die abwechslungsreiche Arbeit sagt mir richtig zu.“

So sei denn auch kein Tag wie der nächste: „Ich bin ständig unterwegs oder spreche mit Kunden oder Lagermitarbeitern“, erzählt sie. „Mal muss ich das Lager untersuchen, dann Schäden bei den Bestellungen sichten, mit den Fahrern sprechen… langweilig wird das nie.“ Probleme und Sorgen gebe es natürlich auch. „Wenn wir mal beschädigte oder sogar falsche Ware bekommen, ist es wichtig, schnell zu reagieren. Einerseits damit der Kunde bekommt, was er wollte. Aber andererseits auch, damit die Firma nicht auf dem Schaden sitzen bleibt“, berichtet Klautsch. „Herauszufinden, wo es in der Kette schief lief, ist dabei entscheidend.“

Viel zu staunen

Im Umkehrschluss gibt es auch reichlich atemberaubende Momente. „Als ich damals noch in der Ausbildung die erste größere Sendung auf den Weg gab, und ihr später an anderer Stelle in einer anderen Abteilung wieder über den Weg lief – das war sehr beeindruckend“, meint sie. „Die Warenwerte, Tonnen und Mengen, in denen wir uns hier bewegen, sind eine echte Hausnummer.“ So habe man zum Beispiel auch Apple als Kunden und deshalb etwa bei einer Landfracht neuer Smartphonemodelle nicht nur einen gesicherten Lastwagen, sondern auch eine Polizeieskorte organisieren müssen. „Das ist wie im Film, nur eben ganz echt. Sowas ist richtig spannend“, weiß sie.

Das klingt deshalb so, als habe Klautsch ihre Berufung gefunden. „Mich reizt einfach die Verantwortung und die Organisation, die nötig ist“, erklärt sie. Deshalb überlegt sie auch, möglicherweise irgendwann ein weiterführendes Studium zum „Supply Chain Management“ zu machen. „Das wäre eine Karrieremöglichkeit für mich“, sagt sie. Und mit Blick auf ihre Ausbildung ist sie sich sicher: Das war keine vergeudete Zeit. „Wir haben derzeit zwei neue Leute bei uns, die dieselbe Ausbildung machen. Es ist also gut nachgefragt, das Interesse ist groß.“

Aber was kann man denn so wirklich bewegen, als junge, neue Kraft in der Logistik? „Es gibt bei uns immer ein offenes Ohr für neue Ideen, aber es gibt eben auch viele feste Grundsätze, an denen nicht mehr viel zu rütteln ist“, meint Klautsch. Mehr digital – das sei natürlich eine Option. „Aber das setzt eine andere Aus- oder Weiterbildung voraus“, sagt sie weiter. Groß was verändern? Eher unwahrscheinlich. Groß was bewegen? In der Logistik? Klautsch ist sich sicher: „Auf jeden Fall!“