NIC. DICKEN

Das gesteigerte Selbstbewusstsein, das die FEDIL zum diesjährigen Neujahrsempfang als Auftakt zur Begehung des 100jährigen Bestehens an den Tag legte, hätte man noch vor 15 bis 20 Jahren in dieser Form nicht unbedingt erwartet. Ein schier unbegrenzt wachsender Finanzsektor mit zahlreichen Verästelungen und Geschäftsnischen schien dem klassischen Manufakturbereich, einst die einzige wirklich tragende Säule der nationalen Wirtschaft, immer mehr den Rang und die Bedeutung abzulaufen. Vor der Ertragsstärke der Dienstleistungsbranche drohte der klassische Industriesektor völlig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, umso mehr als Industrie zuletzt immer mehr gleichgestellt worden war mit unangenehmen - weil manuellen - Arbeitsweisen, mit Land- und Ressourcenverbrauch, mit Umweltbelastung und - vergleichsweise - weniger attraktiven Verdienstmöglichkeiten.

Auch wenn der Begriff „Identitätskrise“ bei der FEDIL in den 90er Jahren und noch bis ins neue Jahrtausend hinein vielleicht etwas überspitzt klingen mag, so kam es doch nicht von ganz ungefähr, dass aus der ehemaligen „Fédération des Industriels“ per statutarischer Namensänderung vor gerade mal zehn Jahren die „Business Federation Luxembourg“ wurde. Noch im gleichen Jahr dieser Umbenennung sollte die aufkeimende und später explodierende internationale Finanzkrise aufzeigen, dass auch in diesem Sektor die Bäume nicht in den Himmel wachsen, was zu einer gewissen Rückbesinnung über den Stellenwert der verschiedenen Wirtschaftsbereiche geführt hat. Zu ihrem 100-jährigen Jubiläum präsentiert sich die FEDIL selbstbewusst wie eh und je, zumal sie über ein halbes Jahrhundert hinweg den enormen Wandel einer ehemals vornehmlich auf Stahl basierenden nationalen Industrie in einen stark diversifizierten Aktivitätssektor mit zahllosen neuen Produktbereichen begleitet und tatkräftig unterstützt hat. Eine Vielzahl neuer Sparten hat das industrielle Spektrum des Landes in den letzten gut vierzig Jahren enorm bereichert und damit die Industrie insgesamt weniger anfällig gemacht für globale sektorielle Krisen, Symptome einer Weltwirtschaft in ständigem Wandel.

Neben dem makroökonomischen Wandel fand allerdings, wenn auch von vielen unbeachtet, eine starke Umstellung von Produktreihen und Herstellungsprozessen innerhalb der Betriebe statt, die sich damit an die neuen Anforderungen des Marktes und der Konkurrenz angepasst haben. Konkurrenz gibt es nämlich nicht nur bei der Vermarktung, sondern in zunehmendem Maße auch bei der Anwerbung von qualifizierten Arbeitskräften, wo die Industrie mit einem breit gefächerten Dienstleistungssektor und den öffentlichen Arbeitgebern mithalten muss, wenn die betriebliche Zukunft langfristig abgesichert werden soll.

Auch wenn hinsichtlich der wirtschaftlichen Diversifizierung in Luxemburg eine gewisse Selektivität berechtigt sein mag - Stichwort qualitatives Wachstum! -, so können dennoch Wachstum an sich, Erschließung von Gewerbegebieten und Ansiedlung neuer beziehungsweise Umsiedlung bestehender Unternehmen, nicht wirklich in Frage gestellt werden. Das geriete sehr schnell zur Gefährdung der wirtschaftlichen Grundlage des Landes.