LUXEMBURG
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Radartechnik im Großherzogtum: Messdaten sind zuverlässig

Um die Zuverlässigkeit von Messdaten der Radarfallen ging es in zwei parlamentarischen Anfragen. So urteilte das Amtsgericht Hoyerswerda in einem Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen einen Autofahrer: Es ist zurzeit nicht davon auszugehen, dass bei dem Messgerät Poliscan Speed ein standardisiertes Messverfahren zur Anwendung kommt. Es besteht zudem keine Möglichkeit, die Messwertbildung nachzuvollziehen und nachvollziehbar in einem Urteil darzustellen. Die Geschwindigkeitsmessungen durch das Messgerät sind daher unverwertbar.

Nach den Ausführungen eines Sachverständigen sei die Funktionsweise
des Messverfahrens komplex, so das Amtsgericht. Dem Sachverständigen sei zudem die konkrete Messwertbildung nicht bekannt. Das Gericht sah sich daher außerstande, die Messwertbildung nachzuvollziehen.

Ist das auch hier in Luxemburg möglich?

Kommt bei allen Radargeräten, die im Großherzogtum benutzt werden, eine standardisierte Messprozedur zum Einsatz, fragt der Piraten-Abgeordnete Marc Goergen beim zuständigen Minister François Bausch nach. Der verweist auf die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und die homologisierte Messprozedur durch die „Société Nationale de Certification et d’Homologation“. Bausch führt aus, dass die hier genutzten Apparate auf einem Laserscanner basieren.

Laserscanner sind mehrzielfähig, sie ermöglichen die Geschwindigkeitsmessung auf mehreren Fahrstreifen gleichzeitig. Das beispielsweise am Fahrbahnrand aufgestellte Geschwindigkeitsüberwachungsgerät taste hierzu den gesamten Fahrbahnbereich über mehrere Fahrstreifen hinweg horizontal ab und erfasst dabei die Bewegungen aller Fahrzeuge während der Vorbeifahrt, „Fahrzeuge auf einem Bereich von zehn bis 75 Metern können erfasst werden, der Messbereich liegt dabei bei 20 bis 50 Metern“, wie es offiziell heißt. Während der Abtastung sendet das Gerät ständig kurze Laserimpulse aus und empfängt den vom jeweiligen Fahrzeug reflektierten Anteil.

Für jeden dieser Impulse wird die Laufzeit bis zum Wiedereintreffen gemessen, um daraus unter Verwendung der bekannten Lichtgeschwindigkeit die zugehörige Entfernung zum Fahrzeug zu berechnen.

Die Entfernungsmessungen und der Abtastvorgang werden mit hoher Wiederholrate durchgeführt. Die Fahrzeuge werden dabei softwaretechnisch verfolgt (tracking).

Aus der Änderung der so gemessenen Entfernung sowie der Zeit eines getrackten Fahrzeugs wird schließlich der Geschwindigkeitsmesswert ermittelt, der sich diesem Fahrzeug so zweifelsfrei zuordnen lässt. Das beschreibt auch die PTB beim Vorgang.

Minister dementiert Tarnnetze für Blitzer

Ein zweites Blitzer-Thema sorgte für etwas Aufregung: „Perfekt getarnt stand die Radarfalle der Police Grand-Ducale an diesem Donnerstagmorgen an der N31 zwischen Petingen und Niederkerschen“, schrieben die Kollegen von „L’essentiel“ am 12. September und präsentierten Bilder eines Blitzers, der scheinbar in eine Art Tarnnetz gehüllt am Straßenrand Jagd auf Raser machte. Prompt sah sich auch hier der Piraten-Abgeordnete Marc Goergen in der Pflicht, sich mit einer parlamentarischen Anfrage an den zuständigen Minister Bausch zu wenden und diese mögliche neue Methode der Luxemburger Polizei zu hinterfragen.

Kurz und knapp bestätigte Bausch in seiner Antwort, dass in dem besagten Zeitraum ein Blitzer an der Strecke der N31 stand. Bausch präzisiert weiter, dass der Blickwinkel der veröffentlichten Bilder es erscheinen lasse, als wäre der Blitzer getarnt, „was aber nicht der Fall war.“ Die Kamera sei ganz normal aus dem Auto ausgelagert und am Straßenrand aufgestellt worden, „ohne getarnt worden zu sein oder dass sonstige Maßnahmen ergriffen wurden.“