NIC. DICKEN

In den letzten Monaten steckt Luxemburg - man kann es nicht mehr anders nennen - in einer tiefen Krise: Es ist nicht etwa eine vorübergehende Verdauungskrise, sondern vielmehr eine echte und tiefe Bewusstseinskrise. Kann es sich ein Land, das in der Welt ernst genommen werden will, leisten, dass nichts mehr läuft wegen eines Gerichtsprozesses, bei dem es eben nicht um Hinz oder Kunz geht, sondern bei dem sich immer mehr herausstellt, dass verschiedene institutionelle Dinge doch ziemlich aus dem Ruder gelaufen sind?

Ist es für einen Rechtsstaat hinnehmbar, dass sich ein Geheimdienst wie ein Haufen wild gewordener und unkontrollierbarer Halbstarker gebärdet und damit dem hierarchischen Chef allenfalls ein müdes Grinsen abverlangt?

Wir sprechen über einen Ex-Polizeigeneraldirektor, der von Ministers Gnaden zwei oder drei Kollegen lässig „überspringt“, um zu eben jenem Posten zu gelangen, der eigentlich, im Respekt der Karrierelogik, anderen zugestanden hätte.

Der Mann hatte im Minister nicht nur einen Chef, sondern in der gleichen Person auch einen „copain“, der zugleich Justiz- und Polizeiminister war. In einem Rechtsstaat, der diesen Namen verdient, gehört sich solches nicht. Wie vieles andere auch. Wo liegen die Grenzen des Anstands?

Solange Europa nur im Nebenjob „erledigt“ wird, man also jene Priorität, die man immer wieder beschwört, nicht wirklich ernst nimmt, kann nichts wirklich zustande kommen. Weil Herr Barroso offenbar Probleme hat mit Geografiekenntnissen, weiß er nicht so recht, wo Lissabon liegt und was seinerzeit im Jahr 2000 des Herrn, dort beschlossen wurde: Dass Europa bis zum Jahr 2010 die wissenschaftlich und wirtschaftlich stärkste Region der Welt werden sollte.

Und danach hat man sich schlafen gelegt. Und jetzt glauben die Bürokraten, die das Vermächtnis von Lissabon zu verwalten vorgeben, sie müssten den noch verbliebenen europäischen Unternehmen ihren Handlungsspielraum weiter einschränken und ihnen all jene unverdaulichen Vorschriften hineinwürgen, über die man sich anderswo in der Welt immer noch ziemlich lustig macht.

Wer Ansprüche hat, muss sich auch die Mittel geben, diese zu erfüllen. A propos Mittel: Haben und nicht haben, das sind eigentlich die zwei Seiten einer gleichen Medaille: Wenn man Freunde hat und Freund sein will, ist man stets gerne bereit zu helfen.

Man tut was man kann, solange man kann. Irgendwann aber wird es selbst dem besten und stärksten Freund zuviel.

Jetzt haben wir schon über zwei Jahre hinweg unsere lieben Freunde aus Athen - Kali Mera! - und Lissabon - Bom Dia! - so wunderprächtig geküsst, und nun geben sie uns trotzdem zu verstehen, dass das mit der Besserung, für eben die wir sie so liebevoll geküsst haben, nun doch nicht so recht klappt.

Sie brauchen, was wir selbst so recht nicht mehr haben: Geld! Weil wir vergessen haben, Mammon, neben Johannes Paul II., selig zu sprechen. Aber vielleicht kommt das ja auch noch.