LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was machen eigentlich die „Amis des Musées“ in Luxemburg? Präsidentin Florence Reckinger über einen Verein mit 1.900 Mitgliedern, der immerhin sechs Museen unterstützt

Die „Amis des Musées“ sind eine honorige Einrichtung, die immerhin sechs Museen in Luxemburg-Stadt unterstützt und seit über 40 Jahren existiert. Honorig ist aber genau das, was sich die derzeitige Präsidentin Florence Reckinger gerade nicht wünscht. Mit viel Elan und Ideen setzt sie sich mit ihrem Team dafür ein, dass der Verein offen ist, bindet junge Leute ein und kooperiert über Grenzen hinweg. Nach Jahren bei einer Bank hat sie dort sogar ihren Posten verlassen und widmet sich nun ganz der Kunst. Uns erzählt sie, was die „Amis des Musées“ alles vorhaben.

Frau Reckinger, Sie waren vorher lange in einer Bank. Wie kommen Sie zur Kunst?

Florence Reckinger Mein Mann und ich haben uns schon immer für Kunst interessiert. Es ist eine gemeinsame Leidenschaft. Durch mein persönliches Engagement bei der Organisation und dem Verleih des „Prix Steichen“ wurde mir bewusst, was es alles gibt und wie grenzenlos Kunst ist. Dass ich meine Tätigkeit in der Bank aufgegeben habe, fiel eher zufällig mit der Übernahme der Aufgabe als Präsidentin des Vereins zusammen und erwies sich schlussendlich - angesichts des Zeitaufwandes meiner neuen Funktion - als sehr günstig.

Haben Sie ein Lieblingsmuseum?

Reckinger (lacht) Das ist wie mit Kindern! Es sind alles meine Lieblinge. Wir dürfen gar keine Lieblinge haben, schließlich wollen wir sie ja alle unterstützen. Und genau wie Kinder sind sie alle sehr unterschiedliche und haben ihren eigenen Charakter.

Sind die „Amis des Musées“ ein Seniorenclub für gut betuchte Männer? Die „Amis des Musées“ wurden schon 1926 gegründet und erst 1977 wurden Frauen im Verwaltungsrat zugelassen.

Reckinger Wir sind ganz offen und der Verein wurde von Menschen gegründet, die sich für Kunst interessieren und offen sein wollen. Unter unseren Mitgliedern sind viele Ärzte und Anwälte. Sie wollten ein Museum für Luxemburg und haben dafür gekämpft. Erst gab es nur eine Abteilung in einem Verwaltungsgebäude . Es war ein richtiger Akt, bis 1946 endlich das erste Museum eröffnen konnte. Wir sind aufgrund unserer Geschichte natürlich ein historischer Verein. Doch von Beginn an waren wir nicht elitär. Ich kenne andere Vereine, wo Mäzene sitzen und ganz anders auftreten. Hier geht es darum, Kultur zu allen zu bringen. Darüber hinaus haben wir uns bewusst für eine Öffnung entschieden. Unsere Mitgliedschaft kostet 70 beziehungsweise 90 Euro pro Jahr, dafür kann man neben den Aktivitäten und Reisen das ganze Jahr über gratis die sechs verschiedene Museen in der Stadt Luxemburg besichtigen. Wir haben rund 1.900 Mitglieder. 2017 sind zahlreiche neue Mitglieder hinzugekommen, insgesamt 420, weil wir unsere 40-Jahr-Feier hatten, die auch durch die Presse ging. Wir haben nie Werbung gemacht. Aber jetzt spielen die sozialen Netzwerke auch eine Rolle. Wir haben jetzt eine junge Gruppe, die sich um unsere Facebook-Seite und Instagram kümmert, dazu eine neue Internetseite.

Was machen Sie für Ihre Mitglieder?

Reckinger Wir besuchen alle Ausstellungen in den sechs Museen und versuchen, dies immer mit einem Künstler oder der Künstlerin und einem Experten oder einer Expertin zu machen. Es gibt zwei Ansätze: Die Ausstellung und dann der Austausch mit den Kreativen.

Warum ist das interessant?

Reckinger Es gibt Personen, die jemanden als Künstler kennen lernen wollen. Ich selbst finde das toll, wenn dieser persönliche Kontakt da ist. Selbst wenn einem das Werk nicht passt, führt es zu einer anderen Bewertung von Kunst.

Und was tun Sie für jüngere Mitglieder?

Reckinger 2017 haben wir die „Young friends of Museum“ gegründet. Wir waren beispielsweise einen Tag bei Dior in Paris und haben dort im Musée des Arts décoratifs an einem Workshop teilgenommen. Jetzt bieten wir Familienbesuche an. Das sind wohlgemerkt keine Kindertage. Denn wir haben Teenager, die wollen unter Gleichaltrigen sein. Bislang gab es zwei solcher Tage. Einmal waren wir in Clervaux in der Ausstellung „Family of Man“. Der Tag kam sehr gut an. Beim zweiten Besuch ging es nach Mons in die alten Minen, wo der Filmemacher und Innenarchitekt Lionel Jadot „objets uniques“ ausgestellt hat. Da waren mehr Teenager als Erwachsene mit und die Stimmung war sehr gut.

Videos über den Verein gibt es hier: tinyurl.com/amis-video - tinyurl.com/amis-video2 - tinyurl.com/amis-vieo3

Webseite: www.amisdesmusees.lu - Der Jahresbeitrag liegt bei 70 Euro.

Die sechs unterstützen Museen sind: Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, Musée de la Forteresse, Mudam, Lëtzebuerg City Museum, Musée national d’histoire et d’art, Villa Vauban