LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die Verwendung von aufbereitetem Abwasser in der Landwirtschaft ist wünschenswert, verlangt aber nach technischer Aufrüstung der Kläranlagen

Wasser ist neben Luft die wichtigste Ressource für den Menschen. Angesichts des Klimawandels und immer öfter auftretenden Dürreperioden haben die Europäischen Institutionen empfohlen, Kriterien für die Nutzung von Ab- beziehungsweise Brauchwasser in der Landwirtschaft festzulegen. Die Staaten der EU sollen vermehrt auf eine Abwassernutzung bei der landwirtschaftlichen Bewässerung setzen. Noch vor wenigen Wochen hatte die Gärtnerföderation darüber geklagt, dass die Nutzung von teurem Trinkwasser für ihre Betriebe ein erheblicher Kostenfaktor ist.

Die Vorgaben aus Brüssel hat Gusty Graas, liberaler Abgeordneter und Schöffe von Bettemburg, dazu verlasst eine Reihe von Detailfragen an Umweltministerin Carole Dieschbourg und Landwirtschaftsminister Romain Schneider zu richten.

Viele Fragen

Benutzen luxemburgische Landwirte bereits Abwasser zur Bewässerung? Falls ja, wie viele Kubikmeter sind es und wie hoch ist der Anteil gegenüber den in die Flüsse geleiteten Abwässer? Wie hoch ist das luxemburgische Potenzial an wiederverwertbarem Abwasser? Falls noch kein Abwasser zur Bewässerung genutzt wird, wie stellen sich die Minister einen Anreiz für die Landwirte vor? Wie können technische Methoden zum besseren Einsatz von Abwasser genutzt werden? In welchen anderen Bereichen könnte Abwasser eingesetzt werden?

Nach Auskunft der beiden Minister kommt in Luxemburg eine Bewässerung der Anbauflächen nur bei Früchten, Gemüse und anderen Gärtnerei-Produkten zur Anwendung, auch beim Kartoffelanbau, der in Luxemburg aber keine große Rolle spielt. Das genutzte Wasser kommt entweder aus dem öffentlichen Netz, Brunnen oder aus Regenwassersammelbehältern. Von einer Nutzung von  aufbereitetem Abwasser ist nichts bekannt.

Die Sache ist nämlich nicht so einfach. In den europäischen Verordnungen werden Mindestanforderungen an die Wasserqualität bei Verwendung von aufbereitetem Wasser formuliert. Abhängig von seiner Qualität fällt das Wasser in eine von vier  Klassen, die je nach Kultur und Bewässerungssystem verwendet werden können.

Problem: Mangel an Aufbereitungstechnologie

Gegenwärtig wird das aus Kläranlagen abfließende Wasser nicht auf bakteriologische Parameter untersucht, und der Bedarf an Bewässerungswasser in der Landwirtschaft ist nicht bekannt. Es können keine Aussagen über die potenziell nutzbare Wassermenge gemacht werden. Zu beachten ist nach Aussage der Minister auch, dass nach dem Vorschlag des Europäischen Parlaments Filtration und Desinfektion für bestimmte Qualitätsklassen erforderlich wären. Aktuell verwendet keine Kläranlage in Luxemburg entsprechende Technologien.

Mit einer technischen Aufrüstung, dem Bau einer vierten Stufe zur Abwasserbehandlung in Großkläranlagen, könnten jedoch die chemischen und vor allem mikrobiologischen Eigenschaften des aufbereiteten Wassers verbessert werden, was es für eine landwirtschaftliche Nutzung interessant macht.

Es könnte nützlich sein

Dieschbourg und Schneider betonen, dass die Wiederverwendung von Abwasser zu Bewässerungszwecken ein Beitrag zur Förderung der Landwirtschaft sein könnte. Die Verwendung von wiederaufbereitetem Wasser in der Landwirtschaft könne zur Nahrungsmittelproduktion, nicht nur für den Gemüse- und Obstanbau, sondern auch in anderen Bereichen beitragen.

Es verstehe sich von selbst, dass die Gesundheitsnormen im Zusammenhang mit der Verwendung von aufbereitetem Abwasser eingehalten werden müssen. Es sei offensichtlich, dass die potenzielle Nutzung von Abwasser durch seine chemische und mikrobiologische Qualität begrenzt ist. Technische Verbesserungen könnten daher seine Verwendung fördern.  Die Technologie müsse aber an die Bedürfnisse angepasst werden. Die chemische und mikrobiologische Qualität muss den Gesundheitsstandards entsprechen, an die Kulturpflanzen angepasst sein und die Umweltrisiken begrenzen.

In Sachen „Trinkwassereinsparung“ sei eine Wiederverwendung von Grauwasser - leicht belastete Abwässer aus Duschen, Bädern, Waschbecken (im Unterscheid zu schwarzem Abwasser aus Toiletten) -  für Nutzungen außerhalb der Landwirtschaft, die keine Trinkwasserqualität erfordern, vorstellbar. •