LUXEMBURG
ÄNDER SCHANCK

Seit Wochen beherrscht die Homöopathiedebatte die Presse. Quasi unisono urteilten Leitartikel, eine Kostenübernahme für homöopathische Medikamente durch die CNS sei weggeworfenes Geld, da ein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis fehle. Einzelne Gegenbeispiele einer heilenden Wirkung seien auf den bloßen Glauben des Behandelten an die Wirkung der Behandlung zurückzuführen: den Placebo-Effekt, führt Änder Schanck aus, Biopionier und Vorstandsvorsitzender OIKOPOLIS-Gruppe.

„Es stellt sich hier die Frage nach den Hintergründen der teils heftigen Abwehrreaktionen, die das Thema Homöopathie gerade bei aufgeklärten Zeitgenossen auslöst. Was mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht nachweisbar ist, halten sie per se für rückständig. Und wenn so viele Menschen – laut Tageblatt-Umfrage 26 Prozent  – Dinge glauben und praktizieren, die wissenschaftlich nicht haltbar sind, befinden wir uns nach Kritikermeinung in einem primitiven Zustand, in dem esoterische, also quasi-religiöse, Praktiken eine Rolle spielen, die nicht nur mit der modernen Medizin unvereinbar, sondern unseres ganzen Zeitalters unwürdig ist. Doch so weit wagt man sich bei der Gesellschaftskritik dann doch nicht vor – lieber wird der Geldhahn stillschweigend einfach zugedreht.

Dabei könnte eine zweite Frage weiterhelfen – die nach der Herstellung homöopathischer Produkte. Auch auf diesem Wege könnte man klären, ob tatsächlich nur der Glaube an das jeweilige Präparat heilende Wirkung hat, oder ob nicht doch etwas anderes in diesem wirkt, das nicht auf Anhieb verständlich ist. Tatsächlich setzt der Herstellungsprozess homöopathischer Produkte auf eine Potenzierung der Wirkstoffe, also die fortschreitende Verdünnung der wirksamen Ausgangs- in einer Trägersubstanz wie z.B. Wasser. Ab einer bestimmten Stufe ist das ursprüngliche Agens stofflich nicht mehr nachweisbar. Skeptiker leiten daraus ab, dass es auch nicht mehr wirken kann.

Dennoch werden homöopathische Mittel auch in der Veterinärmedizin erfolgreich eingesetzt – bei Haustieren ebenso wie auf dem Bauernhof. Psycho-Effekte beim Patienten werden Homöopathiekritiker hier wohl kaum unterstellen, denn der Katze oder Kuh ist die Wirksamkeit des ihr verabreichten Mittels vermutlich egal. Noch schwerer hat es das Placebo-Argument mit Blick auf Pflanzen, doch auch sie reagieren positiv auf hochpotenzierte Wirkstoffe wie z.B. Mineralien.

Zugegeben: auch für mich war der Einsatz biodynamischer Spritzpräparate dubioser Hokuspokus, als ich vor 40 Jahren mit meinem Bruder den elterlichen Hof auf eine biologische Bewirtschaftung umstellte – als ersten Betrieb in Luxemburg. Doch Pflanzenwachstum und -gesundheit bereits umgestellter Betriebe in Deutschland, Holland und der Schweiz waren unübersehbar. In Anlehnung an ihre Methoden stellte ich ein Experiment nach, über das die Biologin Lily Kolisko schon vor 100 Jahren berichtet hatte, und zog Weizenkeime in 30-fach verdünntem Kalk. Das Ergebnis sämtlicher Versuchsreihen war schlagend: egal, wie oft ich das Experiment wiederholte, Wurzellänge und Anzahl der Keimblätter entwickelten sich identisch wie in Koliskos Anordnung, und zwar ungleich besser als beim Keimen in reinem Wasser.

Mich haben diese Experimente überzeugt: in der lebendigen Natur gibt es Dinge, die nicht unbedingt einfach zu kapieren sind – und dennoch sind sie ein nicht wegzuleugnender Bestandteil dieser Welt. 40 Jahre Landbau ohne Pestizide sind der Beweis: Was gestern wissenschaftlich gesichert schien, kann heute schon überholt sein.“