LUC SPADA

Im neuen und aktuellen Buch „Durst“ von Jo Nesbø treffen sich zwei Leute. Eine Frau (Elise) und ein Mann (Geir), weil sie „getindert“ und tatsächlich auch „gematcht“ haben. Für Tinder-Laien: Tinder ist eine Online-App, wo man sich registrieren kann, um seinen zukünftige(n) „Amore“ kennenzulernen oder zumindest, um „Amore“ für eine Nacht zu machen.

Männerzeitschriften schwören auf die App, weil sie DIE Möglichkeit ist, um schnell zu Sex zu kommen. Frauenzeitschriften warnen vor den vielen Männern bei Tinder, die einfach nur Sex wollen. Jeder abgelutschten Pseudo-Lebensregel seine Zeitung. Hier bitte, noch eine: Es geht nicht immer nur um Sex. Oder: Es gibt auch Frauen, die nur Sex wollen. Oder: Auch Männer haben echte Gefühle. Egal. Wer hört schon auf Männer - oder Frauenzeitschriften?

Hört auf mich!

Weiter mit meiner Tinder-Einleitung für Dummies.

Der jeweilige Nutzer oder die jeweilige Nutzerin muss das Profilbild des potenziellen Flirt-Kandidaten oder der potenziellen Flirt-Kandidatin auf ihrem Touchscreen nach links (Nein, kein Interesse!) oder rechts (Ja, ich will!) wischen. Wenn dann, nehmen wir jetzt mal an, Du, lieber Leser, äh, Leserin, bei mir nach rechts wischen würdest, und ich auch bei Dir, ist es ein Treffer oder eben in Tindersprache ausgedrückt: ein Match. Und Tinder erlaubt uns, eine Konversation zu beginnen, um herausfinden, ob wir eventuell noch mehr „matchen“ könnten. Ich habe allerdings kein Tinder, Du darfst Dir aber gerne trotzdem ein Buch von mir kaufen. Zwinker.

Er, Geir, sagt zu ihr, dass sie viel besser in echt als auf dem Profilbild ausschaut. Das soll ein Kompliment sein, aber sie findet seinen Ausdruck von Interesse eher öde.

Es scheint selbstverständlich, dass, wenn der Mensch ein Foto von sich hochlädt, insbesondere das Profilfoto, er sich bestmöglich präsentieren möchte. Wenn man dann in der echten Welt, also live vor Ort, noch besser ausschaut, ohne Filter und vielleicht sogar ohne Schminke, als im virtuellen Pixel-Universum, ist man natürlich sehr geschmeichelt.

„Yeah, ich sehe in allen Welten fantastisch aus.“, könnte das Fazit sein.

Wenn man nur in einer Welt gut ausschaut, ist das natürlich auch schon was. Aber eigentlich kommt es doch auf die inneren Werte an (#gähn), wie wir alle wissen, aber komischerweise sind Filter und „Gesichtsverbesserungsapps“ so beliebt wie nie zuvor. So viele Menschen möchten immer anders, besser, lustiger, seriöser ausschauen als sie eben ausschauen. Aber alle sind schockiert, wenn auf irgendeinem Cover irgendeiner Illustrierten mit Photoshop retuschiert wurde.

Sonst wäre es womöglich kein Skandal gewesen, vor einigen Jahren, als Fotos von Promis wie zum Beispiel Britney Spears auftauchten, die sie ungeschminkt zeigten und schon stürzten sich die Boulevardblätter auf die Popsängerin, um ihren Lesern klarzumachen, dass auch reiche, beliebte, bekannte Promis „hässlich“ sein können, besonders morgens, nach dem Aufwachen. Ist das nicht ein Wunder? Und warum? Steile These: Auch Promis sind nur Menschen, die nicht immer so super-krass-gut aussehen wie auf der Bühne, auf ihren Profilfotos oder auf dem Cover eines Hochglanzmagazins (#gähn). Solche großartige geistige Errungenschaften des menschlichen Daseins können gut und gerne monatelang die Gossip-Gemüter beschäftigen. Gut, dass euch diese Themen in meiner Kolumne erspart bleiben.