NIC. DICKEN

Auch wenn man, bedingt durch die eben angelaufene Ferienperiode in Schulen und Arbeitswelt, für die nächsten Wochen mit einer Entspannung der Verkehrslage in Luxemburg rechnen kann, so bleibt doch das ungute Gefühl, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird und spätestens Mitte September wieder mit täglichen Staus, Behinderungen, Verzögerungen, dem üblichen Ärger halt, zu rechnen sein wird. Es ist müßig zu unterstreichen, dass man die Verantwortung für diese eigentlich unhaltbaren Zustände nicht unbedingt dem amtierenden Mobilitäts- beziehungsweise Transport- und Bautenminister François Bausch in die Schuhe schieben kann, der sich sogar eher durch ausgesprochenen Aktivismus hervortun konnte. Viel zu lange hatte es zuvor gedauert, ehe man der wachsenden Überforderung unserer Verkehrswege und -mittel endlich die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Sei’s drum, mit der resoluten Inangriffnahme der Realisierung des Tram-Projekts auf dem Gebiet der Hauptstadt wurde ein wesentlicher Impuls gegeben für eine Entkrampfung der öffentlichen Transportsituation im zentralen Ballungsraum. Dieser wird allerdings zumindest über die nächsten zwei bis drei Jahre hinweg im Würgegriff der Baustellen für die Schaffung des neuen Schienennetzes im Verkehrsgefüge der Stadt Luxemburg bleiben.

Man muss kein Gegner dieses Projekts sein, um sich an der Art und Weise zu stören, mit der die übrigen Bestandteile im flächendeckenden nationalen Verkehrswesen offensichtlich und fast schon sträflich vernachlässigt werden. Niemand könnte ernsthaft verlangen, dass das über Jahrzehnte hinweg vernachlässigte Infrastrukturnetz nun urplötzlich im Zeitraum von einigen Jahren wieder auf Vordermann gebracht und an den stark gewachsenen Bedarf angepasst werden kann. Nichtsdestotrotz muss man sich wundern über die stoische Gelassenheit, mit der an einer Fortführung der bestehenden Liniennetze festgehalten wird, die vielerorts keineswegs den im Laufe der Jahre stark veränderten Bedarfssituationen entsprechen.

Das betrifft - wen würde es wundern? - vor allem die ländlichen Regionen, für die das Angebot des öffentlichen Transportes immer weniger dazu angetan ist, als echte, zeitsparende und damit sinnvolle Alternative zum Individualverkehr wahrgenommen zu werden und gelten zu können. Wohl wurden in den letzten Jahren verschiedene Initiativen zur Verbesserung und Optimierung des bisher bestehenden Liniennetzes angekündigt und vorgestellt, doch ist in der Realität bislang erst sehr wenig passiert. Das beharrliche Schweigen der Ministeriumsstellen, von denen man seit der Einforderung kommunaler Anliegen im Hinblick auf die Erneuerung des „Plan sectoriel Transports“ kaum noch etwas gehört hat, gibt wenig Hoffnung auf kurzfristiges und wirksames Handeln.

Die Tatsache, dass einzelne Buslinien angesichts der Riesenbaustelle für den Tram auf dem Gebiet der Hauptstadt regelrecht untergebuttert werden, sorgt eher für Ärger und Verdruss denn für neue Hoffnung, die echten Nährboden nötig hätte.