LUXEMBURG
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Ein Gespräch mit dem deutschen Botschafter in Luxemburg über den EU-Ratsvorsitz in Zeiten der Pandemie

„Alles was geplant war, musste über den Haufen geworfen werden“, erzählt Dr. Heinrich Kreft, der deutsche Botschafter in Luxemburg über die Organisation eines EU-Ratsvorsitzes in Covid-19-Zeiten.  Dass die Pandemie, deren Bewältigung und wirtschaftliche Folgen ganz zentral auf die Agenda der deutschen Ratspräsidentschaft rücken würde, hatte natürlich niemand voraussehen können, als die Vorbereitungen anliefen. Am 14. Juli wird Botschafter Kreft die Eckpunkte – wahrscheinlich per Webinar – im Europahaus vorstellen. Dabei wird auch sein kroatischer Kollege anwesend sein. Kroatien hatte bekanntlich im ersten Halbjahr den EU-Ratsvorsitz inne.
Ebenfalls zentral wird der nächste mehrjährige Finanzrahmen für die EU sein. Hier ist vor der Sommerpause ein Gipfel geplant, bei dem die Vertreter der Mitgliedsländer anwesend sein sollen. „Es ist schwierig, solche Gespräche nur per Videokonferenz zu führen“, erklärt Kreft, der weiss, dass bei solchen Verhandlungen mitunter auch viele Runden in Nebenzimmern gedreht werden müssen.
Schwierig sieht Heinrich Kreft auch die Verhandlungen mit Großbritannien um die künftigen Beziehungen zu EU. „Ich hoffe auf ein gutes Abkommen für beide Seiten, wir müssen allerdings auch auf ein „worst-case-scenario“ vorbereitet sein“, so die Einschätzung des Diplomaten, der unter den anderen Ratsvorsitzthemen auch die gemeinsamen Anstrengungen gegen den Klimawandel und für eine gemeinsame Digitalstrategie hervorhebt, ebenso wie die Stärkung der Beziehungen mit China und den afrikanischen Staaten.

Künstler portraitieren Europa

EU-Ratsvorsitze werden meist auch von Diskussions- und Kulturprogrammen begleitet. Allerdings ist es bis auf Weiteres viel schwieriger, große Events zu veranstalten. Viele werde wohl in der digitalen Sphäre stattfinden, sagt Botschafter Kreft, der auch in Luxemburg Debatten anregen will, im Zusammenspiel mit Partnern wie dem trilateralen Institut Pierre Werner. Letzten Samstag war der Fotograf Carsten Sander in Luxemburg, wo er Fotoportraits von prominenten Luxemburgern, aber auch weniger prominenten Einwohnern des Landes machte. Für das Kunstprojekt „Faces of Europe“ wird er 1.000 Gesichter aus der EU sammeln. Der isländische-dänische Künstler Ólafur Elíasson wurde indes von der deutschen Regierung mit der Umsetzung eines europaweiten Gesamtkunstwerks betraut.  Bei diesem Projekt geht es darum, sich die Zukunft vorzustellen und es richtet sich vorrangig an Kinder und Jugendliche und wird gemeinsam mit ihnen entwickelt und gestaltet.
Nach vier Jahren als Botschafter in Luxemburg wird Dr. Heinrich Kreft Luxemburg Mitte August verlassen, um in Budapest für zwei Jahre einen Lehrstuhl für Diplomatie an der Andrassy-Universität zu übernehmen, der einzigen deutschsprachigen Universität außerhalb der Bundesrepublik. Danach möchte er wieder für einen Botschafterposten kandidieren. Ihm in Luxemburg als diplomatischer Vertreter Deutschlands nachfolgen wird Ulrich Klöckner, derzeit noch Botschafter im Sudan.