LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Fondation EME bietet Konzerte gegen die Einsamkeit – Viele Musiker folgten dem Aufruf

Not macht erfinderisch – das kann man in Corona-Zeiten nicht oft genug sagen. Online häufen sich die kulturellen Aktionen, die für die nötige Abwechslung sorgen, weil man eben gerade kein Konzert besuchen, nichts ins Theater gehen und sich nicht einmal die Zeit im Kino vertreiben kann. Das Angebot im Netz ist in der Tat kaum noch überschaubar, und es wird genutzt. Die Facebook-Initiative „Live aus der Stuff“ von Serge Tonnar jedenfalls ist ein voller Erfolg, wie zuletzt sogar anhand von Statistiken deutlich gemacht wurde. In den ersten 26 Tagen wurden die Videos über 370.000 angeschaut. Über 10.000 Follower zählt die Seite inzwischen.

Allerdings kann das Angebot an Wohnzimmerkonzerten im World Wide Web noch so groß, toll und abwechslungsreich sein, eine Bevölkerungsgruppe erreicht es kaum bis gar nicht: die Bewohner von Alters- und Pflegeheimen. Doch gerade sie leiden derzeit besonders unter der sozialen Distanz und damit der Isolierung, denn seit Wochen gilt in diesen Einrichtungen ein striktes Besuchsverbot. Auch ältere Menschen, die im Eigenheim leben, dürfen im Moment weder das Haus verlassen noch Besuch empfangen und drohen somit zu vereinsamen. Die schwächste Bevölkerungsschicht des Landes zu schützen, hat Priorität.

30 Konzertvideos zusammengestellt

Das stellt auch die Fondation EME vor neue Herausforderungen. Sie sorgt üblicherweise dafür, dass regelmäßig Live-Konzerte in Pflege- und Altersheimen genau wie in Krankenhäusern geboten werden, um eben jenen den Zugang zur Musik zu ermöglichen, die nicht mehr zu richtigen Auftritten gehen können. „Wir haben uns daher an die Musiker gewandt und sie gebeten, zuhause Videos aufzunehmen, um diese Konzerte dann in die Pflegeheime schicken zu können. Etwa 30 Aufnahmen konnten bisher zusammengetragen werden, die ihr Publikum auch über das Fernsehen erreichen sollen“, teilt die Fondation EME mit und setzt somit - gemäß ihrer Philosophie – auch während der Corona-Krise auf die universelle Sprache der Musik.

„Wir sind davon überzeugt, dass Musik über die Freude hinaus hilft, Barrieren aller Art abzubauen, indem sie das individuelle und kollektive Wohlbefinden, das Vertrauen in sich selbst und in andere fördert und die Hoffnung auf ein besseres Leben stärkt“, ist sich die Stiftung um Direktorin Dominique Hansen sicher. Auch in der momentanen Krisenzeit will man an diesem Ziel festhalten und allen den Zugang zur Musik ermöglichen. „Concerts contre la solitude“ nennt sich das Projekt, das über einen Aufruf gestartet wurde, dem Künstler wie Pol Belardi mit seinen „Crazy Quarantine Sessions“, Sabine Weyer, Léna und Louise Kollmeier, Annemie Osborne oder Hannah Ida gefolgt sind. Von Klassik bis Jazz und von Elektro bis Singer-Songwriter sind alle Stilrichtungen vertreten.

Isolierte Menschen erreichen

Die Konzertaufnahmen werden nun Pflegeeinrichtungen, aber auch Flüchtlingsunterkünften und Kinderheimen zur Verfügung gestellt. Eine Zusammenarbeit mit apart TV soll noch dazu ermöglichen, auch in ihrem privaten Zuhause isolierte Menschen zu erreichen. An jedem Montag, Mittwoch und Freitag um 15.00 kann somit die gesamte Bevölkerung Luxemburgs diese musikalischen Momente von zu Hause aus erleben. Darüber hinaus konnten Kooperationen mit Esch TV und radio 100,7 ins Leben gerufen werden. Die Senioren der Stadt Esch kommen jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag um 17.15 in den Genuss der Konzerte, während radio 100,7 mit einem neuen Programm für die Bevölkerung ab 65 Jahren der Fondation EME eine Plattform zur Präsentation der „Concerts contre la solitude“ bietet.