COLETTE MART

An einem jener Strände, die wir in Luxemburg lediglich aus den Reisekatalogen kennen, nämlich in Sousse, wurden 37 Menschen in einem Hotel getötet. Die Orte unserer Sommerurlaube, und hiermit sind die tunesischen, aber auch die italienischen und sizilianischen gemeint, werden von den verheerenden Realitäten der armen Länder eingeholt. Traumstrände mutieren zu alptraumhaften Orten, in denen erschöpfte Flüchtlinge an Land gehen, oder an denen Leichen angeschwemmt werden.

Das Nordsüdgefälle, respektive die islamistische Radikalisierung, die ebenfalls eng mit der Armut, den demokratischen Defiziten und den kriegerischen Auseinandersetzungen in Afrika und im Nahen Osten verbunden ist, schlagen derart auf uns zurück, dass Europa definitiv kein ruhiger Ort mehr ist, der sich hinter seinen Werten, seinem Wohlstand und seinen moralischen Ansprüchen verschanzen kann. Europa ist mitten im Kreuzfeuer, und da unser kleines Land jetzt unmittelbar vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft steht, lastet auf unserer Regierung eine ungeheure Verantwortung.

Unter der luxemburgischen Präsidentschaft steht nämlich jetzt ein Durchbruch in der Flüchtlingsfrage an. Die Bekämpfung des Terrorismus steht ebenfalls ganz oben auf der europäischen Agenda, genauso wie die Griechenland-Krise, die die Kohäsion der Gemeinschaft untergraben kann. Unsere Regierung muss also auf europäischer Ebene buchstäblich an allen Fronten kämpfen. Wie immer, wenn die Politik vor schwierigsten Aufgaben steht, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Wie Premier Xavier Bettel anlässlich der offiziellen Feier zum Nationalfeiertag richtig unterstrich, waren wir im Zweiten Weltkrieg auch Flüchtlinge. Nach jenem Verteilungsschlüssel, der von der EU vorgesehen war, müsste Luxemburg um die 500 Flüchtlinge aufnehmen. Hier und jetzt, wo alle Blicke auf uns gerichtet sind, und wo wir durch LuxLeaks negative Schlagzeilen machten, sollten wir mit dem guten Beispiel voran gehen, dies umso mehr, da Länder wie Italien und Griechenland sich seit Jahren beispielhaft bemühen, den Flüchtlingen zu helfen. Ein positives Zeichen setzte in diesem Sinne unser Erzbischof, der zwei Flüchtlinge aufnimmt. Eine weitere historische Lektion in den aktuellen politischen Fragen, die die EU bewegen, wäre übrigens die Erinnerung daran, dass Deutschland nach den zwei Weltkriegen seine Schulden nicht bezahlt hat, und seine Wirtschaft nach dem Krieg rasant wieder aufbauen konnte; daran erinnert der Starökonom Thomas Piketty im Rahmen der griechischen Schuldenkrise.

Das Vorschreiten der Barbarei in Europa, die besonders den Terrorismus in Frankreich kennzeichnet, bei dem wir es mit kollektiven Hinrichtungen, respektive mit grausamen Akten der Verstümmelung zu tun haben, setzt uns alle unter Schock. Als Luxemburger sollten wir hier und jetzt solidarisch mit unserer Regierung sein, die jetzt in der Suche nach Lösungen in all diesen Fragen an vorderster Front steht. Wir sollten jetzt ein Bild des guten Willens und der Solidarität in Europa abgeben, und so unser doch etwas lädiertes internationales Image durch ehrlichen Einsatz in wichtigen Fragen aufpolieren.