LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Green Book“ ist für fünf Oscars nominiert - Ein ernster Film, dem der Humor nicht fehlt

Peter Farrelly und sein Bruder Bobby haben unter anderem die Filmkomödien „There’s Something About Mary“ (1998) und „Dumb and Dumber“ (1994) gedreht. Ohne seinen Bruder drehte Peter den Film „Green Book“, ein ernster Film, dem der Humor aber nicht fehlt. Die Geschichte ist an wahren Ereignissen inspiriert, die sich im Jahr 1962 abspielten. Der Titel ist die Abkürzung von „The Negro Motorist Green Book“, ein Reiseführer für Afroamerikaner, der nach dem Herausgeber Victor Hugo Green benannt war und Auskunft gab, wo farbige Reisende übernachten oder essen konnten, da zu der Zeit noch vielerorts die Rassentrennung vorherrschte. Das Drehbuch schrieben Peter Farrelly, Brian Currie und Nick Vallelonga, der Sohn von Tony, dem Hauptprotagonisten des Films. Beim Schreiben basierten sie sich auf Interviews mit Donald Shirley und Tony, wie auf den Briefen, die Tony an seine Frau schrieb.

„Green Book“ gewann bereits drei Golden Globes: bester Film in der Kategorie Musical oder Komödie, bestes Drehbuch und bester Nebendarsteller Mahershala Ali. Er ist ebenfalls für fünf Oscars nominiert: bester Film, bester Schauspieler Viggo Mortensen, bester Nebendarsteller Ali, bestes Drehbuch und bester Schnitt.

Reise der Erkenntnis

Tony Vallelonga (Viggo Mortensen), genannt Tony Lip, ist Rausschmeißer in der noblen Bar „Copacabana“. Er ist eher ein Kerl, der Fäuste als Worte spielen lässt. Als die Bar wegen Umbauarbeiten schließt, ist er arbeitslos. Tony bekommt das Angebot, den farbigen Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) auf seiner Tour in den Süden von Amerika zu chauffieren. Die Reise soll acht Wochen dauern, was zu einer längeren Trennung von seiner Frau Dolores (Linda Cardellini) und seinen zwei Söhnen führt. Unterwegs kommen sich die unterschiedlichen Männer näher. Tony erlebt, wie sehr der Rassismus im Süden regiert, und Don entdeckt die Kehrseite seiner eigenen Welt, die für ihn in New York in Ordnung ist.

Auch wenn Don ein begnadeter Pianist ist und mit seinem Don Shirley Trio, dem noch Oleg (Dimiter D. Marinov) und George (Mike Hatton) angehören, vor sehr reichen Leuten spielt, bleibt er ein Farbiger, der in den Restaurants oder auf den Toiletten der Weißen nicht erwünscht ist, sich Prügel einhandelt und sieht, dass seine Rasse die niedrigsten Arbeiten erledigen muss. Die Reise in den Süden wird die zwei Männer zu Freunden werden lassen.

Lustig und ergreifend

Peter Farrelly erzählt diese Geschichte mit sehr viel Humor. Speziell die Unterhaltungen zwischen Tony und Don strotzen vor lustigen, aber stets intelligenten Einfällen. Viggo Mortensen nahm ein paar Kilos zu, um Tony zu spielen, der sicher nicht der allercleverste ist, aber über eine Art Bauernschläue verfügt, mit der er Don immer wieder überrascht. Er bringt den pingeligen Don oft in Verlegenheit. Dieser wird mit der Zeit etwas lockerer und isst sogar fettige Hähnchenfilets aus einem in Kentucky ansässigen Fastfood-Restaurant. Mahershala Ali, der durch den Film „Moonlight“ bekannt wurde, mimt diesen eitlen und vornehmen Pianisten mit viel Selbstsicherheit, die er in verschiedenen prekären Situationen verliert, um dann überrascht oder betroffen zu wirken.

Ausgezeichnet bringt es der Regisseur fertig, die lustigen Szenen zu unschönen Momenten werden zu lassen, die den Zuschauer betroffen machen. Es kommt nie zu einem Riss zwischen Humor und Dramatik, die stets ineinander übergehen. Auch wenn die Geschichte 1962 spielt und die Rassentrennung der Vergangenheit angehören müsste, ist „Green Book“ eine zeitlose Kritik an den Weißen und ihrer Verachtung der farbigen Bevölkerung gegenüber.