LUXEMBURG
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„Lipödem Lëtzebuerg“ und „Patiente Vertriedung“ fordern Leistungsverbesserungen für Betroffene

Eine Anerkennung von Lipödem als chronisch fortschreitende Krankheit sowie weitere Leistungsverbesserungen bleiben Anliegen der „Patiente Vertriedung“ (PV) und „Lipödem Lëtzebuerg“. Obwohl Lipödem inzwischen in der internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD) anerkannt sei, gebe es in dieser Frage in Luxemburg bis heute noch kein Entgegenkommen, sagte etwa Michèle Wennmacher von der PV.

Lipödem ist laut Angaben der erst 2017 gegründeten Selbsthilfegruppe eine durch eine Fettverteilungsstörung gekennzeichnete Erkrankung bei Frauen. „Beim Lipödem sind die Fettzellen im Unterhautfettgewebe krankhaft vergrößert und verformt. Gleichzeitig kommt es zu einer Behinderung des Lymphabflusses. Es tritt verstärkt Flüssigkeit in die Zellzwischenräume. Dadurch bilden sich Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme. Die Folge sind starke Schmerzen.“ Ein paar Tausend Frauen sind Schätzungen zufolge davon in Luxemburg betroffen. Häufig werde Lipödem allerdings nicht oder falsch diagnostiziert.

24 Sitzungen pro Rezept reichen nicht

Da nicht alle Patientinnen operiert werden können, brauchen sie regelmäßige Lymphdrainagen. Seit dem 1. Januar kann ein Arzt 24 Sitzungen pro Rezept verschreiben. Ein Problem sei aber, dass Patientinnen häufig mehrmals pro Woche in Therapie gehen müssten. Ein Rezept sei so schnell aufgebraucht, was nicht nur für die dann erneut erforderliche ärztliche Konsultation Kosten verursache, sondern auch umständlich ist, da auch der kontrollärztliche Dienst der Sozialversicherung miteinbezogen werden muss. Würde Lipödem als schwere Krankheit anerkannt, hätten die Patienten mindestens 64 Sitzungen zugute, führte Wennmacher aus. Auch bei der Erstattung ist laut Ansicht der Organisationen noch Luft nach oben. Heute übernimmt die CNS 70 Prozent der Kosten.

Gleiches gilt für die individuell angefertigten Flachstrickstrümpfe, die mit 500 bis 700 Euro zu Buche schlagen. Die Gesundheitskasse übernimmt heute zwei Paar pro Jahr zu 80 Prozent. Zwei Strumpfhosen pro Jahr reichten allerdings nicht, meinte Géraldine Flammang von „Lipödem Lëtzebuerg“. Sie begrüßte, dass die CNS sich inzwischen ab Stadium 3 der Erkrankung an den Kosten einer Operation beteiligt, wünschte sich aber eine Zuzahlung ab Stufe 2. „Wir werden 2019 weiter für Aufklärung sorgen und hoffen, dass sich noch mehr Ärzte für die Krankheit interessieren“, so Flammang weiter.

Zur Pressekonferenz eingeladen hatte ebenfalls Fabio Secci, Generaldirektor der „Caisse Médico-Complémentaire Mutualiste“ (CMCM). Die Mutualitätskasse wird bei Operationen ab dem zweiten Stadium ab Januar 1.000 Euro zu den Kosten beisteuern, unabhängig davon, ob der Eingriff hierzulande oder im Ausland vorgenommen wird. Secci wies darauf hin, dass ein operativer Eingriff mit etwa 6.000 Euro zu Buche schlägt. Er plädierte ebenfalls für eine Anerkennung von Lipödem als Krankheit, da ein späterer Eingriff auch mehr Kosten bedeute. Bislang hat die CMCM auch bei Operationen im Ausland einen Teil der Kosten zurückerstattet, allerdings per Analogie, also nicht explizit für Lipödem.