LUXEMBURG
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Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Luxemburg reichen bis 1891 zurück

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Luxemburg und Russland reichen bis 1891 zurück, als das damals junge Großherzogtum und das Zarenreich ihre Kontakte formalisierten. Kontakte gab es allerdings bereits vorher, war Russland doch etwa eine der Großmächte, die den Londoner Vertrag von 1867 zur Neutralität Luxemburgs unterzeichnete. Nach der Russischen Revolution und dem Untergang des Zarenreichs dauerte es bis 1935, bis die Sowjetunion und das Großherzogtum erneut diplomatische Bande knüpften. Sie wurden durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und 1946 wieder aufgenommen.

Schmerzhafte Erinnerungen

Der Weltenbrand brachte tausende Luxemburger nach Russland: als Zwangsrekrutierte der Nazi-Wehrmacht mussten sie an der Ostfront für die imperialen Visionen Hitlers kämpfen. Über 1.000 gerieten in russische Gefangenschaft. Die meisten wurden im Gefangenenlager Tambow interniert, etwa 400 Kilometer südöstlich von Moskau. Von den rund 18.000 Kriegsgefangenen im Lager kam rund ein Drittel ums Leben. Vor allem die „Amicale des Anciens de Tambov“ hält die Erinnerung an die Zwangsrekrutierten aufrecht, die in diesem Gefangenenlager litten und starben. 1946 kamen die meisten Gefangenen nach langen diplomatischen Verhandlungen frei.

Seit Jahren vergeht kaum ein gegenseitiger Besuch zwischen Verantwortungsträgern beider Länder, ohne dass das Schicksal der „Tambower“ erwähnt wird. 2012 konnte eine Gedenkstätte in der Nähe des Lagers entstehen und die russischen Archive mit Angaben über die luxemburgischen Zwangsrekrutierten öffneten sich langsam. Im Oktober 2017 kam es bei einem Besuch von Premier Bettel und Vizepremier Etienne Schneider zur Unterzeichnung eines Abkommens mit dem russischen Militärarchiv zur Übermittlung von Kopien der persönlichen Dossiers der luxemburgischen Zwangsrekrutierten ins Großherzogtum. Ihr Schicksal wird nun näher erforscht, nachdem der Gouverneur der Region Tambow, Alexander Nikitin, die Akten im Mai 2018 persönlich nach Luxemburg gebracht hatte.

Aber der Zweite Weltkrieg forcierte auch rund 3.000 Bürger aus den ehemaligen Sowjetrepubliken nach Luxemburg, wo Deportierte und Kriegsgefangene in Stahlwerken oder in der Landwirtschaft für die Nazis schuften mussten. Viele bezahlten das mit ihrem Leben. Beim gestrigen Besuch des russischen Premiers in Luxemburg sei auch darüber diskutiert worden, wie man die Erinnerung an diese Opfer des Nazi-Regimes aufrechterhalten könne, hieß es bei einer Pressekonferenz, bei der die Rede von einem Monument oder einem Platz war.

Putin auf Staatsbesuch am 24. Mai 2007

Während des Kalten Krieges waren die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern ziemlich unterkühlt. Erst nach dem Ende der Sowjetunion kam da wieder neuer Wind rein und es entwickelten sich auch die wirtschaftlichen Beziehungen, die im Rahmen zahlreicher gegenseitiger Wirtschaftsmissionen kontinuierlich ausgebaut wurden. Der damalige Premier Jean-Claude Juncker reiste ab 1998 mehrmals nach Russland.

Der Höhepunkt der diplomatischen Beziehungen war bislang der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Luxemburg am 24. Mai 2007 auf Einladung des Großherzogs. Ein 2012 für das erste Halbjahr angekündigte Staatsbesuch des großherzoglichen Paares in Russland fand am Ende doch nicht statt.

Während der Staatschef 2005 auf Privatbesuch in Russland anlässlich der Goldenen Hochzeit des Komponisten Mstislav Rostropovich war, wurden die diplomatischen Beziehungen während der luxemburgischen Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2005 gefestigt.

2015 war es wieder im Rahmen einer luxemburgischen Ratspräsidentschaft - und einige Monate nach Ausbruch der Krimkrise -, dass Luxemburg besonders viel mit Russland zu tun hatte. Ratspräsident Xavier Bettel hatte Präsident Putin und Premier Medwedew im Oktober 2015 in Sotschi getroffen. Seine erste offizielle Arbeitsvisite nach Moskau als luxemburgischer Premier unternahm Bettel indes im Oktober 2017. Zum ersten Mal war vorgestern und gestern mit Dimitri Medwedew ein russischer Premier in Luxemburg.