LUXEMBURG
SVEN WOHL

Eine Einführung in die Welt der Retrospiele

Wenn es ums Sammeln geht, denken nur die wenigsten an Videospiele. Doch die alten Konsolen und Kassetten zu sammeln, macht Sinn, auch wenn viele alte Titel mittlerweile legal als Download zu haben sind. Viele, aber nicht alle - und wer sich für das Medium und seine Vergangenheit interessiert, der kommt nicht drum herum, zu recherchieren, zu suchen und zu restaurieren. Wir geben einige Tipps, wie und wo man anfangen kann.

Die Ursuppe

Eines vorab: Retro-Spiele sammeln ist keine billige Angelegenheit. Die Hardware kann, je nach Konsole, zwischen 40 und 80 Euro kosten. Wer zudem Wert auf Authentizität legt, sollte einen guten alten Röhrenfernseher sein Eigen nennen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man gerne Lightgun-Spiele ausprobieren möchte: Da diese Pistolen mit Lichtreflexen der Röhren arbeiten, funktionieren sie nicht auf modernen Flachbildschirmen. Wer auf diese Spiele verzichten kann, kann natürlich auch an einem modernen HD-Fernseher spielen.

Nun folgt die Frage: Wo soll man anfangen? Während dies sicherlich vom Geschmack abhängt, sollte man entweder mit den Atari-Konsolen oder mit dem Nintendo Entertainment System (NES) beginnen. Auch wenn Atari den Ursprung der Industrie darstellt, ist die NES-Konsole leichter zu sammeln, da sie in Luxemburg wesentlich weiter verbreitet ist. Somit ist es relativ leicht, in den Fachgeschäften (siehe Kasten) ein gebrauchtes Modell der robusten Konsole zu bekommen. Wer gebrauchte Spiele in Cartridge-Format sammelt, sollte wissen, dass man diese gelegentlich säubern muss, wenn sie nicht funktionieren. Einfach Wattestäbchen in Reinigungsalkohol tunken und damit die Kontakte säubern und anschließend trocknen lassen. Absolute Liebhaber der 8-Bit-Generation können natürlich auch einen Sega Master System suchen. Doch aufgepasst: Das Gerät ist selten und es gibt vergleichsweise wenige Spiele dafür.

Spielefluten

Bei den 16-Bit-Konsolen wird es etwas komplexer: Hier konkurrierten Super Nintendo und Mega Drive auf Augenhöhe miteinander. Beide Konsolen haben eine bemerkenswert große Bibliothek an Klassikern, die zu sammeln sich definitiv lohnt. Spiele für beide Systeme sind im Fachhandel relativ häufig zu finden, wobei Nintendos Gerät die Nase hier ein wenig vorne hat. Da beide Geräte außerdem zahlreiche Exklusivtitel haben, kommt man kaum an den Kontrahenten vorbei. Beim Mega Drive sind Hardware-Zusätze wie das Mega CD Laufwerk oder der 32x schwer zu finden: Auch die kleine Spielebibliothek hemmt das Interesse. Natürlich gibt es noch die ganz besonderen Raritäten, wie etwa das Neo Geo, das man tatsächlich sehr selten zu sehen bekommt und eine Preisklasse für sich darstellt. Dennoch sind die Arcade-Umsetzungen ihr Geld auf jeden Fall wert.

Die nächste Generation ist bereits wesentlich komplizierter: Hier koexistierten sowohl Nintendo 64 als auch Sega Saturn und PlayStation. Sowohl Nintendo 64 als auch die PlayStation sind leicht zu finden und relativ preiswert. Auch Spiele findet man zu genüge: Es handelte sich immerhin um die beliebtesten Konsolen ihrer Zeit. Doch bei den CD-basierten Spielen muss man stets darauf achten, dass diese auch in einem guten Zustand sind. Außerdem erschienen nun erste Erweiterungen wie Memory Card oder Rumble Paks: Hier sollte man versuchen, möglichst alles auf einen Schlag zu besorgen, damit man ein voll funktionsfähiges Set-Up hat. Wer keine Original-PlayStation findet, kann auch mit einer PlayStation 2 leben – sie ist abwärtskompatibel mit den Spielen des Erstlings. Der Sega Saturn ist üblicherweise wesentlich rarer gesät und auch die Spiele sind nicht in einer solchen Fülle zu finden.

Unter Sammlern besonders begehrt ist die Sega Dreamcast: Sie ist selten anzutreffen, da vergleichsweise wenige davon verkauft wurden. Doch die einzigartigen Spiele machen die Konsole dennoch interessant. Der Rest der Generation ist leicht zu finden: PlayStation 2, Gamecube und Xbox sind weit verbreitet, womit auch die Spiele relativ leicht zu finden sind. Komplett verkratzte DVDs trifft man ebenfalls seltener an als bei der vorigen Generation. Scheinbar hatten sich die Menschen zwischendurch daran gewöhnt, auf die Dinger aufzupassen, was das effiziente Sammeln natürlich einfacher macht.