LUXEMBURGSVEN WOHL

Der Erste Weltkrieg drängt sich wieder ins Rampenlicht

Der Erste Weltkrieg steht eindeutig im Schatten seines jüngeren Bruders. So lässt sich die Situation kurz umschreiben, und doch kündigt sich an, dass in nächster Zeit dieser erste große und grausame Krieg breit besprochen werden wird. Denn mit dem 100. Jubiläum folgt auch eine Wiederaufbereitung des Themas.

Von „Gut“ und „Böse“

Doch wieso ist der Erste Weltkrieg so sehr in Vergessenheit geraten? Im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg wirkt sein Vorgänger etwas komplex. Dies meint auch Benoît Majerus, Historiker an der Universität Luxemburg, der auch klarstellt, dass es beim Ersten Weltkrieg nicht die Geschichte einer Resistenz gibt, wie das nachher bei der Besatzung durch die Nazis der Fall gewesen war. Die klare Trennung zwischen „Gut“ und „Böse“, wie sie dort möglich war, lässt sich beim Ersten Weltkrieg nicht bewerkstelligen.

Dazu kommt aber noch ein weiteres Problem, so Majerus: „Der Zweite Weltkrieg ist eher eine Erzählung der Zivilbevölkerung, der Erste eher eine der Soldaten.“ - Es mangelt also in gewisser Hinsicht an Identifikationspotenzial.

Dabei hält der Historiker allerdings auch fest, dass sich die Situation von Land zu Land unterscheidet. Während in Luxemburg und Deutschland das Thema kaum Präsenz zeigt, sieht dies in Großbritannien und Frankreich ganz anders aus. Doch ob der Krieg heute noch relevant ist, scheint schnell geklärt zu sein. Denn in gewisser Hinsicht sei der Jugoslawien-Krieg der 1990er Jahre eine Nachwehe eines Imperiums, das nicht richtig aufgelöst wurde.

Mediale Rückkehr

Doch das Thema kommt nun wieder groß raus. Obwohl üblicherweise der Zweite Weltkrieg regelmäßig in den Medien breitgetreten wurde, scheint nun der Erste Weltkrieg an der Reihe zu sein. Seine Präsenz in Film, Fernsehen, Comics und der Presse steigt nun kontinuierlich an und wird mit Beginn des nächsten Jahres einen neuen Höhepunkt erleben. Doch muss sich auch überlegt werden, wie man das Thema neu aufbereiten kann.

Hier ließen sich Benoît Majerus und seine Studenten etwas einfallen: So sollen diese eine Datenbank ausarbeiten und mit Hilfe von Twitter die Ereignisse des Ersten Weltkrieges zwitschern. Damit wird der erste Weltkrieg durch ein neues Medium erzählt, womit nicht nur die Studenten dieses Medium kennenlernen, sondern auch ein neues Publikum angesprochen wird. An der Universität werden Interessierte auch im nächsten Jahr eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg besichtigen können.


Das Twitter-Konto ist unter @RealTimeWW1 zu finden.