LUXEMBURG
PASCAL USELDINGER

An diesem Samstag heißt es in der „Schungfabrik“ in Tetingen „This is a human’s world“. Genauer erwartet die Besucher am 12. September zwischen 14.00 und 23.00 ein „Festival for gender equality, diversity and social justice“ mit Musik, Tanz, Theater, Kunst und Fashion. Welche Idee dahinter steckt, erklärt Pascal Useldinger, Kulturbeauftragter der Gemeinde Kayl/Tetingen und Programmverantwortlicher der „Schungfabrik“.

„Darf ich mich als noch nicht ganz so alter weißer Mann für die Rechte der Frauen einsetzen? Darf ich mich für die Rechte von Minderheiten und von Andersdenkenden einsetzen? Darf ich meine Stimme erheben, um auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen?

Kultur, als Spiegel unserer Gesellschaft soll Fragen stellen, auch unangenehme Fragen, Kultur soll auf Missstände aufmerksam machen, und Kultur soll Alternativen bieten. Es geht gar nicht so viel darum, wie wir zwischen Geschlechtern miteinander umgehen, sondern vielmehr, wie wir dies als Menschen gegenüber unseren Mitmenschen tun. Gerade in der heutigen Zeit, wo politische Unkorrektheit salonfähig geworden ist und man Frauen ,by the pussy graben‘ kann und das niemanden mehr schockiert, muss man doch ein Zeichen setzen! Vielleicht ein Fragezeichen? C’est Karma fragt in ihrem persönlichen Blog, wieso Frauen in der Musik unterrepräsentiert sind und tut ihre Meinung in ihrer Kunst unmissverständlich kund. Die Tanz-Performance der niederländischen Tanzkompanie Directie&Co ,Life is short, buy that dress‘, stellt die Art und Weise, wie wir Mode konsumieren, in Frage. Dieser Frage setzen wir die Upcycling Mode von Benu Couture entgegen und haben eine Alternative parat.  Dass ein vollendeter Künstler wie EDSUN mit seiner doch sehr weiblichen Ausdrucksform im Jahr 2020 noch immer zu schockieren vermag, unterstreicht nur die Wichtigkeit unseres Anliegens und wirft weitere Fragen auf. Darf der, die, das, wer, wie was, das überhaupt? Man(n) wird doch wohl noch fragen dürfen.

Die aktuelle Situation hat uns glasklar vor Augen geführt, was wir schon längst wussten: Wir sind selbstzentriert, und ein Teil der Gesellschaft ist nicht bereit, im Zweifelsfall auf seine ,schwächeren‘ Mitmenschen zu achten und sie zu schützen. Genau darum geht es bei ,This is a human’s world‘. Es geht nicht um uns selbst, sondern um die anderen, und wie viel wir bereit sind zu opfern, um für die anderen einzustehen.

In meiner Funktion als Kulturbeauftragter ist es mir eine besondere Ehre und Freude, nach monatelanger kultureller Funkstille, die Bühne frei zu machen und den Künstlern wieder das Wort zu überlassen, denn sie fungieren als Medium für die positive Botschaft, die wir zu verkünden haben: Wir stehen füreinander ein! Francis of Delirium, Aishinka, Céline Camara, Valérie Geoffrion, Simi Simoes, Lynn Theisen, Musik, Tanz, Fotografie, Theater. Die Künstler*innen und deren Ausdrucksweisen könnten unterschiedlicher nicht sein und doch vereint sie alle eine gewisse Haltung und die Intention, den Status quo nicht einfach so hinzunehmen, sondern ihn in Frage zu stellen.

,This is a human’s world‘ soll keine Veranstaltung von Experten, für Experten und Gleichgesinnte sein, im Gegenteil sogar, es ist erlaubt und erwünscht, Fragen zu stellen, es geht um den Lernprozess, es geht um Mitgefühl, um Empathie, es geht ums Zuhören, ums Dazugehören und um Zusammengehörigkeit. Viele Fragen und vielleicht auch ein paar Antworten.“

www.schungfabrik.lu