LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„jugend an drogenhëllef“: Sucht im Alter zunehmend ein Thema

Um ihren Jahresbericht vorzustellen, aber auch um einen Spendenaufruf zu machen, hatte die Stiftung „jugend- an drogenhëllef“ (jdh) gestern zur Pressekonferenz eingeladen. Zwar bestehen Konventionen mit dem Gesundheitsministerium und der Stadt Luxemburg. Doch „ohne Spenden können wir nicht überleben“, erklärte Jean-Nico Pierre, der Direktor der Stiftung. Seit Jahren stellt die fdh einen Rückgang bei privaten Spenden fest. Um mit verschiedenen Vorurteilen aufzuräumen, aber auch Aktivitäten vorzustellen, die nach außen nicht so bekannt sind, stellten die Mitarbeiter sich und die verschiedenen Bereiche der Stiftung vor.

Zum Beispiel die Abteilung „Les Niches“, eine Form des betreuten Wohnens. Seit 15 Jahren vermittelt jdh gemietet Wohnungen, an Kunden weiter, erklärte der Verantwortliche Hervé Hick. Derzeit verwaltet das „Les Niches“-Programm 48 Wohnungen, in denen Ende 2014 64 Erwachsene und 20 Kinder lebten.

Kongress im Juni

Eine neue Herausforderung für das Team der „jugend- an drogenhëllef“ ist die Sucht im Alter. Jdh ist hier gewissermaßen Opfer des eigenen Erfolgs. Mit einer sinkenden Zahl von tödlichen Überdosen und einer besseren Risikoreduzierung entsteht eine ältere Bevölkerung. Deshalb hat jdh eine Wohngemeinschaft für Drogensüchtige ab 40 Jahren ins Leben gerufen, in der derzeit fünf Männer leben. „Sehr oft handelt es sich dabei um Personen, die schon länger in der Szene sind“, erklärte Pierre. Oft führe der langjährige Drogenkonsum dazu, dass ihr Zustand vergleichbar sei mit der von Menschen mit 65 Jahren oder älter, die keine Drogen nehmen. Hinzu kommen dann noch milieu-typische Probleme wie Isolierung, Prekarität oder psychiatrische Leiden. Wie man mit diesem Phänomen umgehen soll, ob man zum Beispiel spezielle Altersstrukturen aufbauen soll oder diese Bevölkerung in bestehende Einrichtungen integrieren kann, wird auch Thema des Europäischen Kongresses sein , der am 11. und 12. Juni in Luxemburg stattfindet.

Eine andere Facette der Arbeit der jdh ist der „Service Parentalité“. Seit zwölf Jahren unterstützen die Mitarbeiter werdende Mütter und Eltern, die Drogen nehmen oder in der Vergangenheit genommen haben. „Hier steht das Kind im Mittelpunkt“, erklärt der Leiter der Abteilung, Rob Lamborelle. Im vergangenen Jahr hatte es jdh mit 25 schwangeren Frauen zu tun.

Die medizinische Abteilung verfolgt indes das Ziel, auf eine Abstinenz hinzuarbeiten sowie eine Minderung des Risikoverhaltens. Der Psychiater Dr. Jean-Marc Cloos wies in diesem Kontext auf Schwierigkeiten hin, Abhängige in Krankenhäusern behandeln zu lassen. Außerdem würden sie, diplomatisch formuliert, vergleichsweise schnell wieder entlassen.

www.jdh.lu