VALLÉRYSTHAL
PATRICK WELTER

Das „Musée de la 2CV“ in Troisfontaines-Vallérysthal in den Nordvogesen gibt sich locker

Zu Beginn eine kleine Warnung: Wer von einem Automuseum erwartet, in Aufmachung und Ausstattung das Niveau eines Kunstmuseums zu erreichen, wie es den Werksmuseen von Mercedes und Porsche in Stuttgart oder dem Louwman-Museum in Den Haag gelungen ist, der ist hier falsch.

Hier bedeutet in diesem Fall Vallérysthal, einem Ortsteil von Troisfontaines in den nördlichen Vogesen. Die Gegend ist eigentlich für ihre Jahrhunderte alte Glasmachertradition bekannt, stattdessen warten in einer ehemaligen Halle der „Cristallerie de Vallérysthal“ ein halbes hundert seltsamer Vögel auf Besucher. Alles voller blechener Enten und deren Derivaten. Das „Musee de la 2CV“ macht deutlich, dass der bekannteste Spruch über den langjährigen Kleinwagen von Citroën „Das ist kein Auto, sondern eine Lebensart!“ auch auf das Museum und seine Macher zutrifft.

TPV - das ganz kleine Auto

Was hier zählt, ist die Leidenschaft für das „TPV“, das ganz kleine Auto, für zwei Bauern, einen Korb Eier und einen Sack Kartoffel, wie der Entwicklungsauftrag in den 1930ern lautete. 1948 auf den Markt gekommen, sollte der „2CV“, das Auto mit dem zwei Steuer-PS, bis 1991 gebaut werden. Seine Leistung hat sich in dieser Zeit verdreifacht, von anfangs neun PS auf später 28 PS oder sogar 34 PS. Außerdem überlebte die „Ente“ oder „Deusch“ alle geplanten Nachfolger, ob sie nun Dyane, Visa oder LN hießen. In den langen Produktionsjahren blieb der „2CV“ ein „Regenschirm mit vier Rädern“. Grundlegende Änderung am Design? Keine.

Wer den „2CV“ liebt, sieht die Welt entspannter, das gilt auch für das Museum in Vallérysthal. Einem alten Auto darf man ansehen, dass es alt ist, da stören weder Staub noch Spinnweben. Die „Fourgonette“, auf Deutsch „Kastenente“, der französischen Post hat ein paar kräftige Beulen - ja und? Das Autoleben bei der Post war hart. Bei einer anderen Kastenente ist gut zu sehen, wo sich der Rost durch Karosserie und Chassis nagt.

Praktisch und schräg

Wie das Auto ist auch das Museum, ein bisschen durcheinander aber unverwüstlich. Einerseits praktisch, andererseits schräg. Es gibt praktisch von jedem Typ und jedem Derivat (Ami, Dyane, Mehari) ein Exemplar zu sehen, gleichzeitig kann man den ganzen Wahnsinn der Entenszene kennen lernen: „2CV“ als Flugzeuge, „2CV“-Motorboote mit Zweizylinder-Eigenbau-Außenbordmotor, als Strandsegler ohne Motor oder als Gondel unter einem Gleitschirm oder einem Heißluftballon. Eine museale Werkstatt zeigt als Diorama im Maßstab 1:1 wie man in den 1950ern am Auto arbeitete.

Im hinteren Teil der Halle wird richtig renoviert, das ruht die ausgeräumte Karosserie einer Ente auf einem Anhänger mit dem man sonst nur Gartenabfälle fahren würde, das Chassis liegt auf zwei Sägeböcken, und der zerlegte Zweizylinder-Motor passt auf einen Campingtisch. Die - bis auf die geniale Federung - super-simple Konstruktion macht den „2CV“ zu einem beliebten Schrauberauto, hinzu kommt eine hervorragende Ersatzteilsituation. Bis auf die ganz frühen Baujahre ist alles lieferbar, eine Situation, die ungefähr der des Zeitgenossen und Marktrivalen „Käfer“ jenseits des Rheins entspricht. Wobei Rahmenbauweise und Luftkühlung die einzigen Gemeinsamkeiten sind.

Chile-Ente und Ducks for Great-Britain

Auch die weltweite Verbreitung haben Ente und Käfer gemeinsam, und manche ausländischen Töpfe brauchen besondere Deckel , wie die Ente aus Chile zeigt. Zweitürig, aber viersitzig, und entweder als Minipickup oder mit klassischem Kofferraum zu haben. Aus zollrechtlichen Gründen wurden unfertige „Fourgonette“ nach Chile exportiert, die dort zu einem ganz anderen Auto ergänzt wurden.

Ganz vorne in der Halle steht eine grau-grüner „2CV“, dessen Dach gute fünf Zentimeter höher sitzt als bei der restlichen Entenfamilie, außerdem kann man das hintere Fenster ebenfalls - ententypisch - nach oben öffnen. Der Blick auf das Lenkrad auf der falschen Seite liefert dann die Erklärung: Einst in England für den britischen Markt gebaut.

Was an diesem „2CV“-Museum am meisten fasziniert ist der menschliche Faktor: Das Museum wird von einem Club mit 80 Mitgliedern getragen, die mit Eigeninitiative und -Arbeit die Exponate zusammengestellt haben. Immerhin stellt die Gemeinde die Halle zur Verfügung.

Die aktiven Clubmitglieder betreuen noch eine kleine Clubboutique und sorgen dafür, dass das Museum jeden Samstag und in den Sommermonaten an allen Tagen geöffnet ist.