LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Guy Arendt informierte über den Stand der Dinge der großen Dossiers im Kulturministerium

Langsam aber sicher kehrt überall im Land wieder Leben ein. „Nicht nur in den Schulgebäuden, sondern auch in unsere kulturellen Instituten. Zeit also, um über den Stand der Dinge der großen Dossiers zu informieren, die wir im Moment behandeln“, sagte Kulturstaatssekretär Guy Arendt gestern während einer Pressekonferenz. Wohl nannte er ein paar neue Details, echte Überraschungen blieben jedoch aus.

Etwas mehr Informationen gab es so etwa bezüglich der neuen Räumlichkeiten, die Luxemburg ab 2018 bei der Biennale in Venedig zur Verfügung stehen. Der 125 m² große Pavillon in der „Ca‘ del Duca“, der seit 1999 genutzt wird, wird gegen 240 m² in der viel zentral gelegeneren „Sale d’Armi“ auf dem Areal des Arsenale eingetauscht.

1,2 Millionen Euro für 20 Jahre

Der Mietvertrag wurde für einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschlossen, was den Staat 1,2 Millionen Euro kostet. „Demnach 60.000 Euro pro Jahr. So viel hat auch die Miete für das ,Ca‘ del Duca‘ gekostet“, rechnete Arendt vor. Auch das jährliche Budget für die Beteiligung Luxemburgs wird nach oben angepasst. Bislang waren es rund 240.000 Euro, ab nächstem Jahr sollen es über 300.000 sein, wobei Arendt aber noch keine genaue Zahl nennen wollte, da das Budget noch nicht gestimmt sei. „Ausschlaggebend für uns ist, dass wir die Visibilität mit diesem neuen Standort erhöhen können. Hier sind wir wirklich mittendrin“, sagte er. Zum ersten Mal wird der neue Pavillon 2018 anlässlich der Architekturbiennale genutzt. Seit 2004 kümmert sich das „Luxembourg Center for Architecture“ (LUCA) um die Organisation des Luxemburger Beitrags.

2018 wird die Architekturbiennale unter dem Thema „Free Space“ stehen. „Innerhalb kurzer Zeit müssen wir in ganz große Schuhe hineinwachsen und viel Verantwortung tragen“, sagte Andrea Rumpf vom LUCA. Für die anstehende Ausgabe wird deshalb auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet und stattdessen direkt ein Co-Organisator gewählt. Da es seit kurzem einen neuen Master in Architektur an der Uni Luxemburg gibt, war schnell ein geeigneter Partner gefunden. „Der Luxemburger Beitrag wird sich mit zwei Schlüsselthemen befassen, die derzeit international vehement diskutiert werden: erstens die nachhaltige Nutzung des städtischen und ländlichen Bodens, zweitens die funktionale Ausdifferenzierung der Wohnsphäre angesichts des gesellschaftlichen Wandels. Wichtig ist für uns, bei dieser Biennale auf die gestalterische Kraft von Architektur zu setzen“, erklärte Florian Hertweck von der Uni.

Subventionierungskatalog erweitert

Die Subventionspolitik wurde bekanntlich unter der früheren Kulturministerin Maggy Nagel stark kritisiert. Während der „Assises culturelles“ wurde die Forderung nach mehr Transparenz in diesem Kontext laut. Darauf wurde nun reagiert. „Seit letztem Freitag sind wir mit einer überarbeiteten und strukturierteren Version unserer Beihilfen online“ erklärte Arendt. Dies ist aber nicht die einzige Neuheit. „Da wir uns als Ministerium die Mission gegeben haben, die Luxemburger Kreation im In- und Ausland zu fördern, haben wir unseren Subventionierungskatalog um eine ,Aide à la mobilité‘ ergänzt. Diese finanzielle Unterstützung kann von Künstlern und Vereinigungen angefragt werden, die ihre Kreationen im Rahmen von Tourneen oder Veranstaltungen im Ausland verbreiten möchten. Im Buchsektor wurden die bereits bestehenden Beihilfen ebenfalls modernisiert und um eine zusätzliche Unterstützung ergänzt: die ,participation à la mobilité des éditeurs‘, die gezielt Werbung für die Luxemburger Literatur im Ausland anstreben“, präzisierte der Staatssekretär im Kulturministerium. Auch Gemeinden oder regionale Museen beispielsweise könnten künftig über den Weg eines spezifischen Antragsformulars einen Zuschuss für außergewöhnliche kulturelle Projekte mit größerem Umfang beantragen.

Neue Anlaufstelle„Guichet subside“

„Bei der Bewertung der Anfragen ist Objektivität unser höchstes Gebot. Je besser die Qualität der Anfrage und der Informationen, desto besser kann die interne Arbeit hier im Haus gemacht werden. Um diese Objektivität zu garantieren, haben wir einerseits unsere Formulare so angepasst, dass wir von den Antragsstellern relevantere und präzisere Informationen zu ihren Projekten bekommen. Andererseits haben wir Kriterien ausgearbeitet, anhand derer die Anfragen bewertet werden. Alle Informationen dazu findet man im Sinne der Transparenz unter der betreffenden Rubrik auf unserer Internetseite“, erklärte Arendt. Außerdem wurde mit dem „Guichet subside“ auch eine eigene Anlaufstelle geschaffen.

Neues Gesetz für die Musikschulen

In puncto Musikunterricht stehen ebenfalls ein paar Änderungen ins Haus. Das diesbezügliche Gesetz wird im nächsten Jahr bereits 20, weshalb es an der Zeit gewesen sei, gewisse Anpassungen vorzunehmen, die der Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte Rechnung tragen. „Im Dialog mit den Musikschulen werden wir in den nächsten Monaten herausfiltern, wie wir das Gesetz an die heutige Zeit anpassen können“, so der Kulturstaatssekretär. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass im Schuljahr 2016/2017 Änderungen auf Ebene der „chèques-services“ vorgenommen worden waren. „Die Erweiterung der Nutznießer hat bewirkt, dass die Zahl der zulässigen Anfragen von 961 im Jahr 2015/16 auf 1.149 im letzten Jahr gestiegen ist, dies bei einem Gesamtbudget von 185.000 Euro“, informierte Arendt. Die Anfragen können seit neuestem via guichet.lu abgewickelt werden. Da im Sommer 2016 drei regionale Musikschulen ihre Zulassung erhalten hätten - die Musikschule Westen (elf Gemeinden), die Musikschule Uelzechtdall (fünf Gemeinden) und die Musikschule Syrdall (vier Gemeinden) - müsse nun auch das Budget nach oben angepasst. Die Prozedur der Gesetzesänderung laufe.

In den Startlöchern

Der vierte Punkt auf der Tagesordnung drehte sich um die „Année européenne du Patrimoine culturel“ im nächsten Jahr. „Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Am 29. September laden wir zu einem Kick-off-Event in die Abtei Neumünster“, erzählte Arendt und wies auf eine große Ausstellung hin, die bereits fest eingeplant sei. Die verschiedenen Kulturinstitute werden dem Publikum ihre Schätze zugänglich machen. Ausgestellt werden zum Beispiel erstmals die Fresken, die auf dem Areal der römischen Villa in Schieren gefunden wurden. Die einzelnen Fragmente werden derzeit von Fachleuten im französischen Soissons analysiert und restauriert.