LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„Jupiter Ascending“ von Lana und Andy Wachowski

Für die Wachowski-Geschwister ist die Matrix eine Bürde: Das Regisseurduo, das in den Neunzigern sein epochales „Matrix“-Werk auf das Kinopublikum los ließ, muss sich mit jedem neuen Projekt am Welterfolg messen lassen, in dem Keanu Reeves den Softwarespezialisten Neo verkörperte.

Seit einer Woche läuft nun ihr jüngstes Werk „Jupiter Ascending“ in den luxemburgischen Kinos. Hauptprotagonistin des interstellaren Epos ist die junge Jupiter Jones (Mila Kunis), die ihren Lebensunterhalt als Putzhilfe verdient, aber sehr bald zum Spielball zwischen den drei Geschwistern der mächtigen außerirdischen Abrasax-Adelsfamilie wird, die mehrere Planeten, darunter auch die Erde, ihr eigen nennen.

Die bewohnten Himmelskörper lassen die Besitzer ernten, wenn die Bevölkerung ein gewisses Evolutionsstadium erreicht hat. Die Ernte ist Synonym für das Auslöschen einer ganzer Spezies, um mit deren Genen Produkte anzufertigen, die den Käufern in hoch entwickelten fremden Galaxien ewiges Leben garantieren. Jones soll vom ehemaligen Legionär Caine (Channing Tatum) zu Titus Abrasax (Douglas Booth) gebracht werden, der durch die Heirat mit Jones, die von den drei Geschwistern als Wiedergeburt der eigenen Mutter angesehen wird, seinem Bruder Balem (Eddie Redmayne) die Erde entreißen will.

Ähnlichkeiten

Mit „Jupiter Ascending“, der in Luxemburg in 3D läuft, gleitet der Zuschauer erneut mit hoher Reisegeschwindigkeit durch die Wachowski-Fantasieuniversen und -Parallelwelten, in denen, beim Anblick vereinzelter Charaktere, sich beim Kinobesucher ein Déjà-vu-Gefühl breit macht.

Die Regiegeschwister haben sich bei den Figuren der Marvel- und DC-Welten sowie bei Genre prägenden Sci-Fi-Produktionen bedient, um aus deren Charakterzügen und Physiognomien die „Jupiter Ascending“-Charaktere zusammen zu basteln. Caine ist eine Mischung aus Mr. Spock und Wolverine, Balems Schergen könnten aus der Feder von Zeichner Moebius stammen.

Die Wachowskis versuchen mit ihrem neuen Werk, die „Matrix“-Schiene zu fahren, indem sie den „Jupiter Ascending“-Plot ähnlich stricken wie die erste „Matrix“-Handlung. Im Mittelpunkt steht mit Jupiter auch diesmal eine Figur, die, wie Neo, über besondere Fähigkeiten verfügt, und die den Lauf der Menschheitsgeschichte verändern kann.

Die gesamte Menschheit fungiert diesmal nicht als Energielieferer für eine artifizielle Intelligenz, sondern als Lebensspender für hoch entwickelte Alien-Völker. Das Kino verlässt der Zuschauer diesmal aber ohne „Aha“-Erlebnis: Die Wachowskis schöpfen das gesamte Special Effect-Potenzial aus, das Hollywood ihnen zurzeit bieten kann, dennoch ist „Jupiter Ascending“ nur ein durchschnittlicher Science-Fiction-Film, der, anders als „Matrix“, beim Zuschauer keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.