LUXEMBURG
MARCO MENG

Alcuilux in Eselborn ist Europas führender Produzent von Desoxidationsaluminium

Das Leichtmetall Aluminium erfreut sich als Rohstoff oder als Komponente vielfacher Anwendungen. Alcuilux Desox S.A. in Eselborn als ein Unternehmen der Gottschol-Gruppe ist der führende Hersteller von Desoxidationsaluminium in Europa. Wir sprachen mit dem Luxemburger Geschäftsführer Ralph Gottschol.

Wozu wird Desoxidationsaluminium gebraucht?

Ralph Gottschol Desoxaluminium wird in der Stahlproduktion gebraucht, um den flüssigen Stahl zu beruhigen. Bei der Stahlerzeugung werden große Mengen Sauerstoff dem Stahl zugefügt. Da nach den verschiedenen Verarbeitungsprozessen noch Sauerstoff im Flüssigstahl verbleibt, der beim Walzen beziehungsweise der Weiterverarbeitung des Stahls zu Lufteinschlüssen, zur Versprödung oder Rissanfälligkeit führen würde, wird im Stahlbad der Sauerstoffgehalt durch Einbringung von Desoxidationsmitteln gesenkt. Man kann davon ausgehen, dass man pro Tonne produziertem Stahl im Durchschnitt etwa 1,5 Kilogramm Aluminium benötigt. Desoxydationsaluminium besteht zu 97% aus Aluminium, der Rest sind Kupfer, Zink , Silicium und andere Elemente.

Stahlhersteller sind also ihre Kunden?

Gottschol Die europäische Stahlindustrie ist zu neunzig Prozent unser Kunde, teilweise auch Südamerika und Nordafrika. Wir exportieren beinahe 100%, da die in Luxemburg benötigten Mengen recht gering sind. Wir stellen das Desoxaluminium für Stahlwerke überwiegend als Schüttgut für die Lagerung in sogenannten Bunkern her. Aluminium generell wird als Leichtmetall hauptsächlich in der Bauindustrie, dem Automobilsektor und der Verpackungsindustrie eingesetzt. Nach der anfänglichen Euphorie für Karosserieteile und Fahrwerkskomponenten aus Aluminium haben High-Tech Stähle aufgrund der immer dünner werdenden Bleche bei gleicher Stabilität an Attraktivität hinzugewonnen.

Spüren Sie die schwächere Stahlkonjunktur?

Gottschol Eine stabile Stahlkonjunktur ist für uns natürlich generell gut. Wenn man Europa betrachtet, fällt schon auf, dass die Standorte für diese Stahlwerke auf dem Prüfstand stehen. Man verlagert Standorte zugunsten geringerer Energiebezugskosten bzw. besserer Infrastruktur (zum Beispiel Seehäfen) gerne in Richtung Südamerika, wo große Erzvorkommen sind, respektive an Standorte mit Seezugang. Die letzten drei Jahre verliefen in unserem Bereich also eher stagnierend. Generell sind wir als Kernlieferant der europäischen Stahlindustrie aber zufrieden mit unserem Geschäftsanteil.

Woher beziehen Sie das Aluminium?

Gottschol Wir verwenden beinahe nur Recycling-Aluminium, das wir bei großen Schrotthändlern aufkaufen. Dazu gehören Auto-Kennzeichen, Verkehrsschilder, LKW-Teile, Luftfahrtkomponenten, Profile, Blechschrott und so weiter. Regional beziehen wir hauptsächlich aus Mitteleuropa.

Aluminium herzustellen ist momentan wegen hoher Energiekosten ein Problem?

Gottschol Die Kosten der Aluminiumproduktion, also primäres Aluminium aus Bauxit durch Elektrolyse, sind natürlich stark von den Energiekosten abängig. Aluminium hat aber den Vorteil, dass es beliebig oft wiederverwendet bzw. wieder eingeschmolzen werden kann, ohne dadurch an Qualität zu verlieren. Die Recycling-Schmelzkosten sind deutlich geringer als die Kosten für die primäre Produktion.

Welchen Umsatz macht der Standort Eselborn?

Gottschol Wir generieren circa 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, wobei das nicht die ausschlaggebende Größe bei uns ist. Sollte der Kurs für Aluminium an der Börse fallen, dann können wir oft trotzdem die gleiche Marge erwirtschaften wie in Jahren mit hohen Verkaufspreisen. Es hängt von der Bruttomarge zwischen Einkauf und Verkauf ab, und diese wird meistens durch den Verkaufspreis nicht beeinflusst.

Wir können circa 60.000 bis 70.000 Tonnen an Desoxidationsaluminium produzieren.