LUXEMBURGNIC. DICKEN

KPMG mit positivem Ausblick zum Fondsstandort - wenn man nicht im Abwartemodus verharrt

Im Endeffekt wird eine Suppe nie so warm gegessen wird wie sie gekocht wurde. Diese Einsicht hat bei den Akteuren und Beratern der Fondsindustrie offensichtlich bislang eine wirkliche Katastrophenstimmung verhindert. Walter Koob, Partner bei KPMG, belichtete am Donnerstagabend die Situation auf einer Veranstaltung, zu der das Beratungsunternehmen KPMG in die Abtei Neumünster eingeladen hatte. Die aktuellen Entwicklungen und die Perspektiven der europäischen und der luxemburgischen Fondsbranche standen dabei im Mittelpunkt.

Spielräume werden enger

Während Georges Bock, Managing Partner von KPMG Luxembourg, feststellte, von der Regierungsneubildung seien keine größeren Veränderungen an Ausrichtung und Rahmenbedingungen des Finanzplatzes zu erwarten, betonte KPMG-Fondsspezialist Walter Koob, in früheren Zeiten habe Luxemburg damit gewonnen, selbst nichts zu tun und falsche Orientierungen der Nachbarn abzuwarten - doch jetzt sei man eher gut beraten, selber die Initiative zu ergreifen.

Das Vermögen der Fonds in Europa habe mit 9,5 Billionen Euro einen neuen Höchststand erreicht, doch gebe es zwischen den einzelnen Fondssparten sehr unterschiedliche Tendenzen. so Koob. Er warnte vor einer neu aufkommenden „Casino-Mentalität“, weil die Angst vor dem Risiko wieder abnehme. Andererseits kämen neue Belastungen auf die Branche zu, die man aus Wettbewerbsgründen global im Auge behalten müsse. Der anhaltende Druck auf die Margen, die Kostensteigerungen und Regulierungsvorschriften würden den Handlungsspielraum weiter einschränken, so Koob

Jean-Marc Goy von der CSSF hebt die Bedeutung der ESMA (European Securities and Markets Authority) heraus, die vor drei Jahren geschaffen wurde und in der die Aufsichtsbehörden von 28 Staaten vertreten sind: Neben der finanziellen Stabilität, dem Anlegerschutz sowie der Wahrung einer gewissen Aufsichtskonvergenz geht es ihr auch um die direkte Aufsicht über das Marktgeschehen. Die ESMA arbeite zur Zeit an einer Reihe von Leitlinien, um die Aktivitäten der Finanzbranche wirkungsvoller zu erfassen. Darunter fallen auch die für Luxemburg besonders wichtigen UCITS-Fonds, wobei für die hiesigen Akteure eigene Bemühungen für künftigen Erfolg äußerst wichtig seien.
Kapitalvorschriften sorgen für Druck
Die neuen ELTIF’s (European Long Term Investment Funds) sind nach Meinung von Ulrike Kohl vom deutschen Bundesverband Investment und Asste Management (BVI) in Brüssel wiederum besonders als langfristige Alternative für Kleinanleger nicht zu unterschätzen. Als echte Katastrophe bezeichnete sie die erwartete Vorschrift eines drei-prozentigen „Kapitalpuffers“ für die Geldmarktfonds, deren ohnehin geringe Rendite damit einen weiteren Schlag verkraften müsse.

Claude Kremer, früherer ALFI- und EFAMA-Präsident und heute Partner in der Kanzlei Arendt & Medernach, erinnert an die schwierige Entwicklung seit dem Beginn der Finanzkrise, aus der die Fondsbranche zwar relativ schnell und glimpflich wieder herausgekommen sei, aus der sich aber eine Fülle von Regulierungswut für alle Sparten der Finanzbranche ergeben habe. Ein Ende sei derzeit nicht abzusehen und man müsse vor allem auf Kohärenz achten, indem für alle Anbieter - Banken, Versicherungen und Fondsmanager - gleiche Konkurrenzbedingungen bleiben müssten. Unerlässlich sei die Rückgewinnung des Anlegervertrauens, weil derzeit immer noch große Vermögenswerte ohne wirklichen Ertrag gehortet würden. Von besonderer Bedeutung sind Claude Kremer zufolge die langfristigen Investitionsfonds, weil sie einerseits den Anlegern eine ordentliche Perspektive bieten, andererseits für die Zuführung der benötigten langfristigen Geldmittel an die produktive Wirtschaft sorgen könnten.