LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Extrem-Sommer: Getreide topp - Mais und Heu zu klein, zu trocken und verbrannt

Das „Journal“ hat in diesen Tagen von den dramatischen Zuständen in den heimischen Weinbergen berichtet. Es wird dem 2019er Wein, genauer den Trauben, die es überlebt haben, nicht an Qualität fehlen, aber die Lesemenge dürfte weit unterhalb des langjährigen Mittels liegen.

Die Weinberge wurden gleich zweimal von Wetterkapriolen schwer getroffen. Von spätem Frost im Mai und von einer intensiven Hitzewelle im Juli - erfrorene Blüten und verbrannte Trauben waren die Folgen. Außerdem ist es immer noch zu trocken, was die Junglagen gefährdet.

...und die Bauern?

Es stellt sich natürlich automatisch die Frage: Wie kommt die klassische Landwirtschaft mit den harten äußeren Bedingungen des Jahres 2019 zurecht? Ein Rundruf bei wichtigen Vertretern der luxemburgischen Landwirtschaft erbrachte ein Bild von hell und düster. Wobei auch das düstere Bild um einige Grade changierte.

Gutes Getreide, vertrocknetes Gras

Hell, also positiv ist das Bild beim Getreide. In diesem Bereich sieht alles gut aus, wie uns die Direktorin der Bauernzentrale, Josiane Willems, versicherte. Menge und Qualität könnten leicht schwanken, doch die Ergebnisse geben keinen Anlass zur Klage.

Anders sieht es dagegen bei Weiden und beim Mais aus - nämlich düster. Das Gras verdorrt, die Weiden sind regelrecht verbrannt und es fehlt an Futter für die Rinderhaltung. Während die ersten und die zweite Mahd jeweils gut ausgefallen sind, führe jetzt an einer Beifütterung kein Weg mehr vorbei.

Massive Probleme beim Mais

Der Mais als weitere Futterpflanze wächst laut Willems schlecht, gewinnt nicht an Höhe oder bildet keine Kolben aus. Auf sandhaltigen Böden sei die Lage besonders dramatisch. Einige Bauern müssten den niedrigen Mais demnächst häckseln, um zu retten, was zu retten ist - als weniger nahrhaftes Futtermittel. Was für die Bauern bedeutet, dass sie gezwungen sind Heu und Mais zuzukaufen, wenn sie ihre eigenen Heureserven als Beifutter verbraucht haben. „Sie werden aber nicht auf importiertes Sojafutter zurückgreifen“ versicherte Willems.

Sommertrockenheit im Norden

Der nächste Gesprächspartner des „Journal“ war Marco Koeune, Vorstandsmitglied der Baueren-Allianz und Bio-Bauern im „hohen Norden“. In Sachen Getreide war er einer Meinung mit den konventionellen Wettbewerbern: „Eine ordentliche Qualität“. Die Ernte sei mengenmäßig zwar durchschnittlich, aber der Dinkel sei exzellent, ebenso die Sommergerste. Der Hafer hätte etwas mehr Wasser vertragen können.

In Sachen Mais müsse man es etwas differenziert betrachten, wer Mais früh ausgesät oder gesetzt habe, habe den kalt-trockenen Mai zu spüren bekommen. Das Kraut sei gewachsen, der Mais nicht. Wer später mit dem Mais „dran“ war, hatte die besseren Karten und erreichte etwas bessere Ergebnisse, obwohl auch nicht ideal.

Koeune betonte, dass die Bio-Sorten robuster seien als die konventionellen, daher auch Wetterabweichungen besser abgefangen werden könnten. Dies sie auch ein Verdienst des Forschungsinstituts IBLA für biologischen Landbau.

Die Milchbauern seien mit der ersten und zweiten Mahd „früh dran“ gewesen, die von guter Qualität war. Im Bereich zwischen der belgischen Grenze und dem Kiischpelt komme es immer öfter zu einer Sommertrockenheit. Was dazu führe, dass man schon länger beifüttert, was zu höheren Futterkosten führt.

Stress für die Kühe

Das außergewöhnliche an der Wetterlage sei gewesen, dass sich die hohen Temperaturen über 14 Tage gehalten haben. Das bedeute natürlich Stress für die Natur, nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für das Milchvieh, erläuterte der Bio-Bauer. Die Kühe hätten es vorgezogen tagsüber im Stall zu bleiben, sie wären höchstens nachts auf die Weide gegangen. Eine Kuh komme mit Temperaturen zwischen minus 20 Grad und plus 20 Grad gut zurecht, alles andere sei stressig für sie.