WORMELDINGEN
PATRICK WELTER

Terroir, Digitales, Drohnen - Vielfältige Themenauswahl beim 11. „Lëtzebuerger Wäibautag“

Der „Lëtzebuerger Wënzerverband“ gehört zu den eher unauffälligen Mitspielern auf dem vielfältigen Feld der heimischen Landwirtschaft. Einmal im Jahr kommt er aber ganz groß raus - beim „Lëtzebuerger Wäibautag“. So auch gestern im Kulturzentrum von Wormeldingen, als sich nahezu alle bekannten Gesichter des luxemburgischen und grenznahen deutschen Weinbaus versammelt hatten. Kurz gesagt: der Festsaal war so gut wie bis auf den letzte Platz besetzt. Die Teilnehmer informierten sich ich einen ganzen Tag lang über Trends, zukünftige Herausforderungen und neue Lösungen im heimischen sowie im internationalen Weinbau. Die Themen reichten von der Exportförderung des Interreg-Projektes „Terroir Moselle“, über das Sorgenkind Peronospora, Digitalisierung im Weinbau und im Weinkeller im Besonderen bis hin zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau in Luxemburg.

Direkte Informationen

Eine der vielen Teilnehmerinnen an der Fachtagung war Hannah Meyer, Marketingchefin der Großkellerei „Vinsmoselle“. Sie formulierte ihren Antrieb beim „Lëtzebuerger Wäibautag“ dabei zu sein kurz und knapp: Es gehe um „First hand information“ etwa über das Interreg-Projekt „Terroir-Moselle“.

Aktiv seit 1911

Marc Weyer, der Präsident des „Lëtzebuerger Wënzerverband“, verwies dem „Journal“ gegenüber auf die lange Tradition seines Verbandes, der seit 1911 besteht. Er setzt sich aus den angeschlossenen Genossenschaften zusammen, sei es von der Spritzgenossenschaft, über Raiffeisengenossenschaften bis hin zu den Lokalvereinen. „Auf die ein oder andere Art ist jeder Winzer Mitglied bei uns“ stellte Marc Weyer fest.

Allerdings habe sich das Aufgabenfeld in den letzten hundert Jahren deutlich geändert. So gehörten am Anfang Information und Fortbildung der Winzer zu den zentralen Aufgaben. Die Vermittlung von neuen Techniken und Hilfestellung. Heute noch informiert man über die Auswirkungen europäischer Entscheidungen. Lange Zeit, bis in die 1980er, hat der „Lëtzebuerger Wënzerverband“ auch Weinversteigerungen durchgeführt.

Bei politischen Entscheidungen über den Weinbau wird auch die Stimme des „Lëtzebuerger Wënzerverband“ gehört. Seit 2003 gehört ebenfalls die Entwicklung des ländlichen Raums, via LEADER, zur zentralen Aufgabe des Winzerverbandes. Stichwort: „LAG Miselerland“. Weyer verwies darauf, dass auch die veränderte Bevölkerungsstruktur an der Mosel danach verlangt, eine gemeinsame Identität zu entwickeln. Gleichzeitig greifen in der Weinbauregion Wein und Tourismus Hand in Hand. Dem Weintourismus gehöre die Zukunft. Weyer geht fest davon aus, dass die Umbaupläne für das „Centre Mosellan“ bis 2021 abgeschlossen sein werden.

Mehr Beratung statt Kontrolle

Das Weinbauinstitut in Remich widmet sich stärker der Beratung der Winzer, da Zuständigkeiten auf Brüsseler Bitten hin klarer getrennt wurden. Die Weinkontrolle wurde zum Prüfdienst UniCo der technischen Landwirtschaftsverwaltung (ASTA) ausgelagert und die Zuständigkeit für Prämienzahlungen liegt beim landwirtschaftlichen Wirtschaftsdienst (SER), wie Dr. Robert Ley, der Direktor des Weinbauinstituts, dem „Journal“ erläuterte. Damit sind in Remich nun Kapazitäten für Beratung und Forschung frei. Unter anderem zu Fragen von Krankheiten und Schädlingen die mit dem Klimawandel nach Norden wandern und in hiesigen Breiten bisher nur theoretisch bekannt sind. Von Serge Fischer (Weinbauinstitut) wurde unter anderem das Heranrücken der „Goldgelben Vergilbung / flavescence dorée“ angesprochen.

Ziel: „Landwirtschaft plus“

Der neu-alte Fachminister Romain Schneider (LSAP) ist „froh, wieder beim Weinbau zu sein“. Für Schneider ist der „Lëtzebuerger Wäibautag“ eine perfekte Plattform für Winzer und alle anderen Akteure des Sektors, um neue Konzepte kennen zu lernen und einen offenen Austausch zu führen. Hier könne man erfahren, was Studien und Analysen für die Praxis bringen. Der Minister zählt in diesem Kontext auch eine Analyse der Stärken und Schwächen vor der nächsten Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf.

Grundsätzlich sieht der Landwirtschafts- und Weinbauminister es positiv, dass der gesamte landwirtschaftliche Sektor nicht mehr Brüsseler Ideen „Ein zu Eins“ umsetzen muss, sondern angepasste nationale Strategien angewendet werden können. So wird es durch den Brexit weniger Geld in der EU-Kasse geben, die Verluste für die Landwirtschaft werden laut Schneider mit nationalen Mitteln ausgeglichen werden.

Es sei für ihn auch besonders wichtig, so Minister Schneider, dass jetzt wieder die Entwicklung des ländlichen Raums zu den Aufgaben seines Ministeriums gehört. So gehörten Tourismus und Weinbau einfach zusammen.

Für ihn selbst sei eines der Ziele seiner Arbeit, eine noch engere Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Verbänden. Er wolle eine pro-aktive Landwirtschaft. Man könne nicht nur Biolandwirtschaft betreiben, daher sei sein Ziel eine „Landwirtschaft plus“ die das Prinzip der Nachhaltigkeit verfolgt, denn alle Akteure spielten beim Naturschutz eine Rolle.