Als Verbraucher hat man es nicht leicht. Selbst die genügsamsten unter uns, die sich nur zur Deckung der Grundbedürfnisse ins Einkaufszentrum wagen, müssen entschlossen bleiben, um nicht doch den vielen Versuchungen zu erliegen, die uns tagein, tagaus angepriesen werden. Dass gerade die Preise für Technikprodukte, auf die man verzichten oder zumindest in bescheidenerem Format und Maße zurückgreifen könnte, immer weiter sinken, während die Preise für wichtigere Verbrauchsprodukte steigen, ist nur eine ironische Pointe in der Geschichte unseres Konsumsverhaltens. Wie gesagt, als Verbraucher hat man es eben nicht leicht.

Die Marktschreier von ehemals begegnen uns heute in allen möglichen Formen: Prospekte morgens im Briefkasten und Anzeigen in mehr oder weniger aufdringlicher Form beim ersten Streifzug durchs Netz; auf Anzeigetafeln, als Plakate und Schilder auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause oder beim Einkaufen in Form verlockender Schnäppchen und Sonderangebote. Die durchdesignten Läden, die im Idealfall eigens für sie kreierte Düfte versprühen und für das Wohlbefinden des Kunden sorgen sollen, übernehmen dort, wo die Werbung ihren Job, uns anzulocken, erledigt hat. Beim Fernsehen abends ist sie dann wieder da, nicht nur zwischen den Filmen, Serien und Shows, sondern auch innerhalb verschiedener Formate selbst, wo Bedürfnisse geweckt werden, von denen wir noch nichts wussten oder dem Zuschauer vor Augen geführt wird, wie sich Dritte an für Otto-Normal-Verbraucher unerreichbaren Dingen erfreuen. Sei’s ihnen gegönnt. Und selbst, wenn wir uns, von schönen Dingen träumend, zur Ruhe begeben, landen noch fleißig digitale Konsumliebesbriefe diskret im E-Mail-Postfach. Kann man die Werbeflut noch irgendwie eindämmen oder ihr aus dem Weg gehen, setzt sich der Trend zur Mehrwertleistung inzwischen immer weiter durch. Von der Flut an Kundenkarten, die man wahlweise nie dabei hat, wenn man sie braucht oder die man in einem Anflug von Resignation, weil man zur Einsicht gelangt ist, die noch zig Hundert Punkte für den nächsten, im Grunde schäbigen Rabbat ohnehin nicht erreichen zu können, irgendwann überhaupt nicht mehr zückt - vielleicht auch, weil man seine Daten dann doch nicht unbedingt immer und überall preisgeben will. Bis hin zu den Produkten, über deren recht banalen Nutzen ein höherer Wert gestülpt wird, um einen höheren Preis zu rechtfertigen; besonders beliebt bei Hygiene-Produkten: Duschgels, die viel mehr können als nur zu schäumen und gut zu riechen, auf Haartypen spezialisierte Pflegeprogramme mit Shampoos und Spülungen, ganz zu schweigen von eben jenen Cremes, mit denen die Verbraucher die unermüdlich sich weiter drehenden Zeiger der Zeit zumindest verlangsamen sollen können. Diese Mehrwertstrategie ist auch in der Ernährungsvermarktung bestens bekannt: Da wird unser Magen-Darm-Trakt geschont und gefördert, und werden wir mit Vitaminen, Mineralien und anderen nützlichen Wirkstoffen versorgt, die uns offenbar ständig fehlen. Ist das alles beunruhigend? Nicht wirklich, so lange man weiterhin kräftig aufklärt, dass es auch anders, einfacher geht, dass nicht am laufenden Band konsumiert werden muss und man lernt, sich kritisch mit den Tricks und Versprechungen jener Welt auseinanderzusetzen.