PASCAL STEINWACHS

Gleich drei Regierungsmitglieder - Kooperationsminister Schneider, Umweltministerin Dieschbourg und Wirtschaftsstaatssekretärin Closener - begleiteten diese Woche Großherzog Henri bei dessen erster offiziellen Visite im Senegal, von der sich der Staatschef sichtlich begeistert zeigte, wie er am Rande des Besuchs gegenüber den mitreisenden Journalisten unterstrich, nachdem er während zwei Tagen eine ganze Reihe von entwicklungspolitischen Projekten besucht hatte, bei denen Luxemburg federführend ist. Der Großherzog zeigt sich dann auch zuversichtlich, was die Zukunft Senegals anbelangt.

Obwohl das westafrikanische Land mit seinem demokratisch gewählten Präsident und seinem funktionierenden Staat weiterhin als eine Art Musterland in Afrika gilt, in dem es, vom Konflikt in der Casamance einmal angesehen, keinen Krieg gibt und auch keiner richtig Hunger leidet, so sind die beruflichen Perspektiven im Senegal aber leider weiterhin sehr begrenzt, was bei einer stark anwachsenden Bevölkerung, die in ihrer großen Mehrheit aus jungen Leuten besteht, als Konsequenz hat, dass immer mehr Leute die Flucht nach Europa wagen, um hier als Illegale das Geld zu verdienen, das sie dann via Western Union an ihre Familien nach Hause schicken.

Wer sich am Rande der offiziellen Visite des Großherzogs in den Straßen von Dakar und Umgebung umsah, dem stachen zwar einige hübsche Glaspaläste ins Auge, die auf ein gewisses Wirtschaftswachstum schließen lassen, was aber nicht verhindert, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung weiterhin am Existenzminimum lebt, wobei die Landbevölkerung aber gemeinhin noch ärmer dran ist, so wie das auch in anderen afrikanischen Ländern der Fall ist.

Gehört der Senegal nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den Zielländern der luxemburgischen Kooperationshilfe, so will unser Land aber in Zukunft auf diesem Gebiet im Rahmen von neuen Partnerschaften mit Akteuren aus allen Bereichen verstärkt Synergien eingehen, was dann auch erklären dürfte, dass nach einer ersten Wirtschaftsmission im Jahre 2016 auch bei der offiziellen Visite des Großherzogs eine Wirtschaftsdelegation dabei war und, durch die Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ eine Vertiefung der - bislang eher bescheidenen - Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern angestrebt wird, wobei der Senegal von immer mehr Ländern als Sprungbrett nach Westafrika angesehen wird.

Geht es der dortigen Wirtschaft besser, dann besteht nämlich auch die Chance, dass es vielleicht auch der Bevölkerung - und nicht nur einer kleinen Elite - eines Tages besser geht, ist die klassische Entwicklungshilfe doch zumeist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, reicht es doch nicht aus, millionenteure Modellprojekte aufzubauen, die dann, nach Ausbleiben weiterer Spendengelder oder einem Regierungswechsel, dem Verfall preisgegeben werden.

So verhält sich Luxemburg dann auch schon seit Jahren gemäß dem chinesischen Sprichwort, demzufolge der Hungernde, dem man einen Fisch gibt, einmal satt wird, derweil, wenn man ihn Fischen lehrt, er nie wieder hungern wird...