LUXEMBURG
PATRICK WELTER

UCVL: Luxemburg hat durch Erlebnis-Shopping Erfolg in der Großregion

Attraktiv sein und ein Erlebnis bieten - nur so kann sich der Einzelhandel in der Stadt Luxemburg gegen die Konkurrenz des Internets und den Preisdruck in der Großregion wehren. Dafür müssen Handel und Stadt, mit Unterstützung der nationalen Politik zusammenarbeiten. So kann man die Kernaussagen der Jahreshauptversammlung der „Union Commerciale de la Ville de Luxembourg“ (UCVL) am Mittwochabend in der Hauptverwaltung der BGL BNP Paribas zusammenfassen.

Der Präsident der UCVL, Guill Kaempff, strich bei seinem Statement zur Situation des Handels hervor, dass man auch als Einzelhändler einem starken Einfluss von äußeren Faktoren unterliegt, wie etwa Sicherheitsfragen, die asiatische Touristen verschrecken oder der allgemeine Siegeszug des eCommerce. Hausgemacht sei das Phänomen, dass Menschen, die in Luxemburg wohnen, hohe finanzielle Aufwendungen für Wohnen und Wohnungen haben und dadurch deutlich weniger für Konsumartikel wie Textil oder Accessoires ausgeben können.

Die großen Baustellen in der Stadt stellten ebenfalls auch ein Problem dar. Was augenblicklich natürlich die Parksituation verschlechtert und den Zugang erschwert. Die hohen Mieten seien für die Geschäftsinhaber ein weiteres Problem. Auch gegen organisiertes Betteln müsse weiterhin etwas getan werden. Gleichzeitig betonte Kaempff aber die gute Zusammenarbeit mit dem Schöffenrat.

Unter den Geschäften habe es im letzten Jahr einen starken Wandel, Kaempff sprach von „Turnover“, gegeben, der aber auch zu einer gesteigerten Attraktivität beigetragen hat.

In Luxemburg erhöhe sich die Einzelhandelsfläche um 25 Prozent. Nach eigenen Untersuchungen der UVCL betrachten immer mehr Bürger aus der Großregion die Stadt Luxemburg am Wochenende als lohnendes Ausflugs- und Shoppingziel. Vor allem in den Sommermonaten und zum Jahresende (Weihnachtsmarkt). Der Haupteinkaufstag ist mittlerweile der Samstag.

Kaempff bedauerte, dass die Sonntagsöffnungen, die im Jahr der EU-Präsidentschaft (2015) ein voller Erfolg gewesen seien, im September 2016 genehmigungsrechtlich ausgelaufen sind. Zusammen mit der Stadtverwaltung versuche man das Wirtschaftsministerium davon zu überzeugen, die Stadt Luxemburg als „Ville touristique“ einzustufen, was automatisch ein Recht auf Sonntagsöffnungen mit sich bringen würde.

Stadt im Umbruch

Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer lobte in ihrem Diskurs vor allem die offene und ehrliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und UCVL, in der alle Probleme angesprochen würden. Luxemburg sei aktuell eine Stadt im Umbruch. Leider gebe es noch keinen Zauberstab, der die Arbeiten am Royal Hamilius, den Ausbau der Knuedler-Tiefgarage oder den Bau der Tram über Nacht vollende. Die Stadt Luxemburg müsse sich aufgrund ihrer außergewöhnlichen Struktur mit 115.000 Einwohnern und über 200.000 Arbeitsplätzen diesen Umständen anpassen. Es müsse einfach viel getan werden. Es sei eine zentrale Aufgabe der Stadt, den Zugang für alle zu verbessern. So ständen nach Abschluss der Arbeiten mehr Parkplätze zur Verfügung als vorher. Polfer schloss sich der Forderung der UCVL an, die Hauptstadt als „Ville touristique“ einzustufen.

Attraktivität ist alles

Jean-Pierre Lehmann, Präsident des Verbandes der französischen Innenstädte „Les Vitrines de France“ mit 400 Mitgliedsorganisationen, hielt den Fachvortrag des Abends und referierte über Herausforderungen und Chancen zum Erhalt oder zur Wiederbelegung der Innenstädte. Klare Erkenntnis: Einkaufen muss zum Erlebnis werden.

Zwischenzeitlich hat die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. Francine Closener, die Genehmigung für Sonntagsöffnungen von April bis Anfang November gegeben.