LUXEMBURG
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Neue Schau „Stadtarchäologie“ zeigt luxemburgisches Leben in Mittelalter und Neuzeit

An der Festung am Bockfelsen spaziert man auf dem Weg zur Bushaltestelle vorbei und auf der „Place Guillaume II“ kauft man ab und an einige Nahrungsmittel ein, ganz beschäftigt mit dem Alltag von heute. Dabei haben sich hier schon vor hunderten von Jahren Alltagsszenen abgespielt. Wie diese ausgesehen haben könnten und welche Schätze unter Luxemburgs Pflaster, in den Kellern und dem Erdboden verborgen sind, zeigt nun eine neue Dauerausstellung im MNHA.

In den Kellern des Wiltheim-Flügels lassen sich in der Schau „Stadtarchäologie“ rund 250 Fundstücke aus dem Mittelalter und der Neuzeit entdecken, welche in den vergangenen Jahrzehnten bei rund 100 Ausgrabungen ausschließlich auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg geborgen wurden. Dazu gehören unter anderem Schmuck, Alltagsgegenstände, Waffen, Kunsthandwerk, Wappen, Skulpturen, Grabbeigaben und ein Skelett. Auch die Keller selbst mit ihren originalen Gewölben, Pfeilern und Treppen sind sehenswert.

Beliebte Kachelöfen und tiefe Brunnen

Die Schau führt in die vier gewölbten Keller der Häuser der Wiltheimstraße und des Binnenhofs. Sie stammen aus dem Mittelalter und aus dem 16. Jahrhundert und dienten damals hauptsächlich als Lagerort. Spannend wird es auch im dritten Keller, wo ein Brunnen erhalten geblieben ist, der bis zur Küche des Erdgeschosses des Hauses in der Wiltheimstraße Nummer 10 hinaufreicht. Die Bewohner schöpften hier ihr Wasser für den Hausgebrauch.

Ein Stück Leben im Luxemburg der Renaissancezeit lässt sich dann später entdecken: Der Kachelofen und sein Dasein als frühes Statusobjekt.

Ausgehend von den Burgen des elften Jahrhunderts setzte er sich nur langsam in den Stuben der Bürger durch. Aber um Wohlstand zu zeigen, wurde der Kachelofen bald mit anderen Statussymbolen dekoriert: Besonders die im 15. Jahrhundert aufkommende geschlossene Blattkachel diente zur Darstellung von Rittern und Wappen.

Zudem kann sich der Besucher in der Schau auf die Spur der Weinhändler in der Altstadt oder der Schmiede in der Rue de la Boucherie begeben. Aber in den vergangenen 500 Jahren wurde nicht nur hart gearbeitet oder mit Kachelöfen geprotzt, es wurde auch gespielt. Das zeigen Funde aus der Festung vom Bockfelsen. Die im 10. Jahrhundert entstandene Burg bildete bis zu ihrer Zerstörung im 16. Jahrhundert den Mittelpunkt der Herrschaft Luxemburg. Die im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts unternommenen Grabungen förderten unter anderem eine Schachspielfigur und einen verzierten Spielstein zutage.

Die Ausstellung wird heute Abend, 18.30, im Beisein von Premier- und Kulturminister Xavier Bettel, Kulturstaatssekretär Guy Arendt und MNHA-Direktor Michel Polfer eröffnet. Danach ist sie ab Donnerstag geöffnet. Weitere Informationen unter www.mnha.lu