BERLIN
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Netflix-Serie „Wir sind die Welle“ behandelt aktuelle politische Themen

Wir stellen alles in Frage. Weil es höchste Zeit dafür ist. Und wenn wir euch damit Angst machen: umso besser. Ihr hattet alle genug Zeit - und habt sie verschwendet.“ Was wie eine Ansage der Protestbewegung „Extinction Rebellion“ klingt, ist der Anfangsmonolog der sechsteiligen Netflix-Serie „Wir sind die Welle“, die gestern erstmals zu sehen war. Schon in den ersten Minuten wird deutlich, wie aktuell sie ist.

Drastische Mittel

„Wir werden die Welt nicht verändern, indem wir uns an die Regeln halten. Aber die Welt muss sich ändern. Alles muss sich ändern.“ Schülerin Lea und vier Schulfreunde starten in einer fiktiven Kleinstadt in Deutschland „Die Welle“. Mit ihrer Bewegung protestieren sie gegen Plastikmüll, Gentrifizierung oder Waffenhandel - und werden bei ihren Mitteln immer drastischer. Die Gruppe, die immer mehr Nachahmer findet und in sozialen Netzwerken gefeiert wird, ähnelt an manchen Stellen realen Jugendbewegungen. „Wir waren auch überrascht, wie uns die Realität während des Drehs immer wieder eingeholt hat“, erklärte Produzent Dennis Gansel der Deutschen Presse-Agentur. „Aber man sieht daran, dass diese Themen schon vorher schlummerten. Und zwar in einer Jugend, die nach der Wahl Trumps zunehmend das Gefühl hatte: „Ihr Erwachsenen habt die Lage nicht mehr unter Kontrolle“.“

Gansel und sein Team hatten im Entstehungsprozess Schüler befragt, welche aktuellen Themen sie besonders umtreiben. Daraus sei dann das Drehbuch entstanden. In der Serie kämpfen die Teenager gegen eine Waffenfabrik, ein Autohaus, Immobilienhaie und den Bürgermeisterkandidaten einer fiktiven rechtspopulistischen Partei. Die Macher stellen in einigen Punkten - was zum Beispiel das Parteilogo angeht - Ähnlichkeiten zur AfD her.

Problematische Gruppendynamiken

„Wir sind die Welle“ widmet sich auch der Psychologie von Gruppendynamiken. Ein Thema, das die Serie mit dem Roman „Die Welle“ (1981) und dem daraus entstandenen Film von 2008 verbindet. Gansel schrieb das Drehbuch und führte Regie.

„Der Film und die Serie zeigen, wie schnell man in eine Gruppendynamik reinkommen kann und wie schwer es sein kann, da wieder rauszukommen“, erzählt Schauspielerin Luise Befort (23). Die von ihr gespielte Lea wird im Laufe der Serie skeptisch, in welche Richtung Anführer Tristan (Ludwig Simon) „Die Welle“ steuert. Befort, die durch die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ bekannt wurde, lebt selbst vegan und beschäftigt sich mit vielen der in der Serie aufgegriffenen Probleme. „Wir Künstler haben eine Verantwortung, welche Geschichten wir erzählen und dass wir Menschen für bestimmte Themen sensibilisieren.“ Die Serie könne eine Plattform für einen Austausch bieten. „Als Zuschauer ist man hier immer wieder eingeladen, sich die Frage zu stellen: Was ist meine Haltung dazu?“