NIC. DICKEN

In Luxemburg werden am 8. Oktober die neuen Gemeinderäte gewählt. Von echtem Werben um die Wähler kann im Moment noch nicht die Rede sein, höchstens mal, dass zur Eröffnung der „Schueberfouer“ das Eröffnungsbändchen diesmal etwas länger sein musste, damit möglichst viele Möchtegerns auch mal etwas näher an der Kameralinse dran sein konnten. Deutlich weniger emotionslos geht es da in Deutschland zu, wo bereits zwei Wochen früher das neue Parlament gewählt wird, das in den kommenden vier Jahren nicht nur über die Fortsetzung eines bislang - aus heutiger Sicht - eher zweifelhaften Wirtschaftsmodells, sondern eher über das künftige Gesellschaftsmodell der größten Volkswirtschaft der EU, wird entscheiden müssen.

Eine Rückbesinnung auf die Ursprünge der mit gerade mal 70 Jahren eher jungen Bundesrepublik kann Hilfestellung leisten. Gegen den „Alten“ christdemokratischen Konrad Adenauer hatte der Sozialdemokrat der ersten Stunde, Kurt Schumacher, keine Chance. Die Nachkriegszeit in Deutschland wollte mit Sozialismus, den man damals geradezu mörderisch auslegte, nichts zu tun haben. Dennoch schaffte der „Vater des Wirtschaftswunders“, Ludwig Erhard, in seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister, die Mammutaufgabe, unter dem Begriff „soziale Marktwirtschaft“ eben jenen Kraftakt zu stemmen, Investoren und Arbeitnehmern gleichermaßen Genugtuung zu verschaffen. Das 1945 am Boden liegende Deutschland wurde wieder „wer“, und die von außen aufgedrängte Verordnung, Produkte durch die Bezeichnung „Made in Germany“ zu diffamieren, geriet zu Bumerang für Briten und andere.

Nachfolgende Generationen von Politikern und „Managern“ müssten sich eigentlich schämen, was sie daraus gemacht haben, auch darüber, wie sie den geschaffenen Reichtum in einer arbeitswilligen und leistungsfähigen Bevölkerung verteilt haben. Dafür steht und stand nicht zuletzt Gerhard Schröder, der „Genosse der Bosse“. Schröder hatte wohl das Verdienst, der „ewigen“ Kanzlerschaft von Helmut Kohl ein Ende zu machen.

Kohl hatte den Mut, die alte DDR zu übernehmen, hatte sich selbst zu Lasten seiner Landsleute damit aber übernommen, weil er nicht genug Kosmopolit war, sondern Pfälzer geblieben ist. Schröder, der zeigen wollte, dass Sozialdemokraten auch „Wirtschaft können“, hatte den Genossen ein Kuckucksei ins Nest gelegt, an dem sich Martin Schulz, eher Verlegenheits- als Wunschkandidat, die Zähne ausbeißt. Schon die Römer wussten: „Sit modus in rebus“.

Die Bevölkerung generell, trotz aller in den vergangenen 15 Jahren zugemuteten sozialpolitischen „Opfer“, zugunsten fragwürdiger Managerkompetenzen - Hallo Diesel! - , weiterhin vom andauernden Wirtschaftsaufschwung ausschließen zu wollen, das grenzt an Frechheit. Das Wahlkampfthema 2017 in Deutschland heißt sehr wohl „Zukunft“, wie es die Liberalen propagieren, es heißt aber vor allem aber auch „Gerechtigkeit“. In Luxemburg gibt es keinen Manager, der 500 mal mehr verdient als der Kleinstverdiener. In Deutschland schon.