Wie schwer es die griechischen Haushalte in den vergangenen Jahren hatten, zeigen etwa die Statistiken zu den Konsumausgaben, die vor zwei Tagen vom griechischen Statistikamt veröffentlicht wurden.
Zwischen 2008 und 2014 sind die monatlichen Durchschnittsausgaben von etwas über 2.100 Euro auf knapp 1.460 Euro gefallen - zum Vergleich: Die Haushalte in Luxemburg gaben letztes Jahr im Mittel 4.849 Euro monatlich aus, Tendenz steigend. Um mehr als die Hälfte sind in Griechenland im erwähnten Zeitraum die monatlichen Durchschnittsausgaben für nachhaltige Güter wie etwa Autos sowie für Kleider und Schuhe zurück gegangen, um fast 20 jene für Lebensmittel, um 26 Prozent jene für Bildung, um 30 Prozent jene für Gesundheit, um 37 Prozent Ausgaben für Freizeit und Kultur.
Im gleichen Zeitraum ist die Staatsverschuldung von knapp 113 auf 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch geschnellt und die Arbeitslosenquote von knapp acht auf 26 Prozent - bei den bis 25jährigen liegt sie bei über 53 Prozent! Während das Bruttoinlandsprodukt von 343 auf 250 Milliarden Dollar und die Staatseinnahmen von knapp 95 auf 80 Milliarden geschrumpft sind. Die Liste der dramatischen und deprimierenden Zahlen, die sich in der Zwischenzeit wohl noch verschlimmert haben, ließe sich leider beliebig fortführen. Es gab 2014 die Hoffnung, dass die Talsohle endlich erreicht war und die griechische Wirtschaft durch sehr entbehrungsreiche Einschnitte und mithilfe der hunderte Milliarden schweren Rettungspakete von EU und IWF wieder Fahrt aufnehmen würde, die Arbeitslosigkeit ging leicht zurück, für 2015 ging die EU-Kommission von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus. „Austeritätspolitik“ oder notwendiger Konsolidierungskurs, damit Griechenland endlich wieder auf die Beine kommt? Für die neue linke Regierung, die Ende Januar an die Macht kam, wurde den Griechen von ausländischen „neoliberalen“ Geldgebern angeblich ein „Diktat“ aufgezwungen, das es absolut abzuschütteln galt.
Klarer Konfrontationskurs stand an der Tagesordnung statt der Versuch, über Verhandlungen weitere Unterstützung für das Land zu garantieren und eine Grundlage zu schaffen, die eigene Politik umsetzen zu können. Mag sein, dass Tsipras, dem es mittlerweile gelang, auch die Opposition hinter sich zu versammeln, seine Position innenpolitisch stärken konnte. Aber das Gesamtresultat ist katastrophal: Sechs Monate Unsicherheit, geschlossene Banken, Wirtschaftsstillstand, das Vertrauen zwischen den Partnern auf dem Nullpunkt. Den Hellenen hat das alles nichts geholfen, ein Austritt aus der Eurozone würde ihre Situation noch weit schlimmer machen. Helfen wird ein gemeinsamer, glaubwürdiger, verantwortlicher Kurs der griechischen und der europäischen Regierungen, um das Land, ja, wieder aufzubauen und seinen Bürgern Zukunftsperspektiven zu verschaffen. Der aber hängt an einem hauchdünnen seidenen Faden. Sollte man sich am Wochenende auf einen Kompromiss auf Basis der endlich vorliegenden griechischen Vorschläge auf ein weiteres Hilfspaket oder gar eine Umschuldung einigen können, würde er ermutigenderweise ein wenig dicker. Es braucht dann aber noch eine wahren Herkulesarbeit, bis er wirklich belastbar ist.


