ECHTERNACH
CORDELIA CHATON

Rolf Mathias Alter hat Euro-Composites 1984 gegründet - und leitet den Konzern seither mit großem Erfolg

Rolf Mathias Alter ist CEO und Chairman der Euro-Composites (EC) Group, die er 1984 in Echternach gegründet hatte. Der 85-Jährige sitzt seit 35 Jahren am Steuer, ist aber auch froh, seinen Sohn Ortwin dabei zu haben. In diesem Jahr hat er Investitionen von 160 Millionen in den Industriebetrieb bekanntgegeben. Und auch, dass er noch zehn Jahre lang bleiben will. Wir haben mit dem außergewöhnlichen und medienscheuen Unternehmer gesprochen. Denn er hat den Grundstein für ein Familienunternehmen gelegt.

Lëtzebuerger Journal

Herr Alter, Ihr Vater war Volkswirt. Hat das bei Ihnen schon Lust auf Unternehmertum ausgelöst?

Rolf Mathias Alter Ich bin im Februar 1934 geboren, mein Vater war ab 1939 im Krieg; als ich fünf Jahre alt war. Er kehrte erst Ende 1948 aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück. Mein Interesse am Unternehmertum war damals schon vorhanden. Aber weniger aus „Lust“ als aus den bitteren Notwendigkeiten der Nachkriegszeit.

Welche praktische Ausbildung haben Sie?

Alter Nach der Grundschule bildete ich mich an der Abendschule weiter und machte eine Lehre. Danach ging ich auf die Fachhochschule. Dann bin ich auf die Wirtschaftsfachhochschule gegangen, weil ich in der Wirtschaft dadurch für mich die besten Chancen auf ein Weiterkommen gesehen habe.

War Englisch 1955 noch eine exotische Disziplin?

Alter Englisch hatte ich schon in der Schule und ich habe es in Kursen im Amerika-Haus weiter ausgebaut. Ich habe sogar eine Prüfung als Industrie-Dolmetscher abgelegt, weil mir früh klar wurde, dass Englisch die zukünftige Wirtschaftssprache sein würde. Ich empfand das Englische daher nie als „exotische Disziplin“.

Ihr erster Job hat Sie in die Finanzabteilung geführt. Wie hat es Ihnen dort gefallen?

Alter Es war eine offene Position und in dieser Zeit konnte man nicht wählerisch sein. Meine schnelle Beförderung habe ich als Chance empfunden, aber mir wurde sehr schnell klar, dass dieser Teil der kaufmännischen Praxis nicht mein bevorzugtes Gebiet werden würde.

Lëtzebuerger Journal

Als Sie in den 60er Jahren ein Betonwerk nach Indien verkauft haben, lief das über Handschlag. Würden Sie heute noch so Geschäfte abschließen?

Alter Es wäre schön, wenn das noch möglich wäre, aber die Geschäfte sind heute so komplex geworden und die rechtlichen Risiken oft so umfangreich, dass eine schriftliche Absicherung notwendig ist.

In den 70er Jahren haben Sie sich mit Kompositstoffen beschäftigt. Hat das die Grundlage für Euro-Composites gelegt?

Alter In den siebziger Jahren war ich maßgeblich bei den Schütz Werken an der Umstellung von metallischen Lagertanks auf solche aus Kunststoff beteiligt. Wir haben dort zwar sehr innovative Produkte entwickelt, aber mit der heutigen Technologie bei EC hatte dies noch nichts zu tun. Damals haben wir die Blas- und Injektionstechnik vorangetrieben.

Welches Verhältnis hatten Sie zu Herrn Schütz?

Alter Als Geschäftsführer mit Einzelvollmacht war ich mit Herrn Schütz als Eigentümer natürlich gut abgestimmt. Wir hatten ein gutes und professionelles Verhältnis zueinander.

Mit welcher Leistung haben Sie es in das Buch der Top-Manager geschafft?

Alter Es war nicht mein Ziel, in solch ein Buch aufgenommen zu werden. Unter anderem aufgrund meiner Arbeit wurden die Schütz-Werke sehr erfolgreich, schließlich hatte ich aus der Udo Schütz KG die Schütz-Werke gemacht und so hat es sich eben ergeben.

Wie kamen Sie 1979 nach Luxemburg? Zufall?

Alter Die Firma Schütz hatte ein Kunststofffass entwickelt, 120 Liter und größer. In Luxemburg gab es eine Firma IPE, die ein Patent auf einen Deckelverschluss hatte. Ich hatte für die Firma Schütz die Nutzungsrechte erwirkt, daher der Trip nach Luxemburg.

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Warum haben Sie 1984 Euro-Composites in Luxemburg gegründet?

Alter Durch die sportlichen Aktivitäten von Herrn Schütz lernte ich die Wabentechnologie kennen. Einer meiner Mitgründer und ich erkannten sofort das Potenzial, das darin steckte und wie schlecht der Markt von den damaligen Anbietern versorgt wurde, und so entstand die Idee zur Geschäftsgründung. Wir waren zu dritt: Ein Verfahrensingenieur, ein Chemiker und Kaufmann. So haben wir uns gegenseitig durch unser Fachwissen ergänzt. Auf Echternach kamen wir aufgrund eines Hinweises, dass die luxemburgische Regierung nach Unternehmen zur Wiederbelebung der Monsanto-Industriebrache suchte. Unsere Analyse hat dann schnell die anderen Vorteile eines Standortes in Luxemburg gezeigt: Hohes Ausbildungsniveau, Vielsprachigkeit, Internationalität und kurze Wege zu den Entscheidungsträgern in Regierung, Gemeinden und Finanzwelt.

Segeln Sie eigentlich oder nutzen Komposit-Produkte anderweitig sportlich?

Alter Nein, ich war nie ein Segler. In jüngeren Jahren habe ich geboxt, geschwommen und gerudert. Die Komposit-Produkte hatten damals aber im Rudersport noch keinen Einzug gehalten. Heute halte ich mich durch Radfahren und Krafttraining fit.

Was macht so Spaß an Ihrer Tätigkeit, dass Sie nicht an die Côte d´Azur ziehen?

Alter Die Weiterentwicklung von EC und der Umgang mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern halten mich jung. Ich habe gar kein Interesse an irgendwelchen Freizeitaktivitäten, was nicht bedeutet, dass ich nur die Arbeit kenne: Ich reise, ich gehe gerne in die Oper. Aber am wohlsten fühle ich mich nun mal bei der Arbeit.

Wie wichtig ist für Ihre Kunden der persönliche Kontakt?

Alter Der persönliche Kontakt ist für EC die Quelle unseres Erfolgs. Ich möchte, dass unser Vertrieb so oft wie möglich beim Kunden vor Ort ist. Nur dort erfährt man, was den Kunden bewegt, welche Entwicklungen und Probleme es gibt und wie EC zur Lösung beitragen.

Wie wichtig war es Ihnen, dass Ihr Sohn Ortwin in die Firma kommt?

Alter EC soll auch in Zukunft unabhängig und innovativ bleiben. Ein Verkauf der Firma kommt mir immer wie ein Verrat an all den Mitarbeitern vor, die all die Jahre zusammen mit mir die Firma aufgebaut haben. Die Firma soll deshalb ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Luxemburg bleiben. Es freut mich deshalb sehr, dass Ortwin an verantwortlicher Stelle mitarbeitet.

Sie haben noch zwei Kinder. Wollten sie nicht ins Unternehmen kommen?

Alter Beide Kinder haben im Unternehmen gearbeitet, aber Mary-Ann hat sich zwischenzeitlich selbständig gemacht. Das muss man akzeptieren.

Ihr Sohn Ortwin ist froh, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten und es nicht zu leiten?

Alter Mein Sohn ist bereits seit Jahren Mitglied der Geschäftsleitung und hat vorher so gut wie alle Abteilungen durchlaufen, um sich in unser Geschäft einzuarbeiten. Es war aber auch wichtig, dass er so früh wie möglich in eine Führungsverantwortung kommt, um an allen Entscheidungen des Verwaltungsrates beteiligt zu sein.

Welche Lösung für die Nachfolge gibt es jetzt?

Alter Die Mehrheit der Stimmanteile geht auf meine Kinder über, aber parallel dazu wird es eine Stiftung geben, die meine Ideen in der Unternehmensführung bewahren soll, ohne meine Kinder in ihren unternehmerischen Ideen einzuengen.

Wie lange haben Sie die Nachfolgeregelung vorbereitet?

Alter EC hat sich mehrere Jahre mit der Regelung Zeit gelassen, weil wir eine Lösung wollten, die alle Beteiligten bestmöglich zufrieden stellt.

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Der Gründer

Rolf Mathias Alter

Rolf Mathias Alter kam 1934 in Koblenz zur Welt. Nach einer Lehre besuchte er die Wirtschaftsfachhochschule in Köln und Bonn und startete 1956 in der Rechnungsabteilung einer Maschinenfabrik. Über verschiedene Stationen landete der fließend Englisch sprechende Alter bald im Export und verkaufte ein komplettes Betonwerk nach Indien, sammelte aber auch Erfahrung im Marketing einer Bekleidungsfabrik. 1968 stieß er zum Apparate- und Behälterbau von Udo Schütz in Selters, für den er ein Jahr später Geschäftsführer in Montabaur wurde. In den 70er Jahren kümmerte er sich um Plastikbehälter und wurde zu einem der Topmanager. Unter anderem fertigte das Unternehmen auch Rennboote aus Komposit-Stoffen. Er verließ das Unternehmen Schütz 1984 als CEO, um Euro-Composites in Echternach zu gründen. Privat schätzt Alter Opernmusik, Reisen und Sport.
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Euro-Composites

Rolf Mathias Alter hat Euro-Composites 1984 nach einer bemerkenswerten Karriere in Deutschland und der Schweiz gegründet. Der Industriebetrieb stellt Wabenstrukturen verschiedener Größe her, die mit Harz verstärkt und zugeschnitten werden können und dann zumeist im Flugzeugbau eingesetzt werden, beispielsweise, um daraus Böden, Bordküchen, Flügelteile oder Flugtoilettenkabinen zu bauen. Sie sind gleichermaßen fest und leicht. Für Alstom, Siemens und andere Hersteller im Schienenbereich liefert Euro-Composites Wabenstrukturen aus Metall, meist Aluminium, die beispielsweise die Böden verstärken. Teilweise werden fertige Elemente direkt angeliefert. Darüber hinaus hat Euro-Composites einen speziellen elastischen Boden entwickelt, der zum Beispiel vermeidet, dass Panzerfahrer durch eine Granate sterben. Auch Bodenpaneele für Schiffe und Abwurfpaletten für Fallschirmsysteme fertigt der Hersteller. Es gibt Waben aus Kevlar, Nomex, Karbonfasern oder Titan, die ebenfalls mit Phenolharz versiegelt werden können. Für 2020 ist in Bitburg eine Produktionsanlage zur Herstellung von Aluminiumwaben aus Legierungen geplant. Bislang arbeiten 850 Mitarbeiter in Echternach, weitere 210 bei der Tochter in den USA und fast 40 bei der Tochter in Bitburg. In den nächsten zehn Jahren plant Alter bis zu 1.000 Mitarbeiter. „In den USA werden wir die Zahl verdoppeln, in Bitburg werden wir auf 80 bis 100 gehen und wir werden noch schneller wachsen“, versichert er. In Echternach sollen mindestens 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Möglich ist das Wachstum dank der starken Rendite von zehn Prozent. Der Umsatz für 2018 liegt bei 176 Millionen Euro, soll 2020 bei 190 Millionen Euro liegen und steigen.