LUXEMBURG
MARCO MENG

Luxair verzeichnet Passagier-Rekord - Verhandlungen zum Kollektivvertrag laufen weiter

Luxair Luxembourg Airlines hat zum 2. Dezember zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als eine Million Fluggäste innerhalb eines Jahres befördert. Das bewegt die Airline, auch für kommendes Jahr ambitionierte Ziele vorzugeben. Wie Adrien Ney, CEO der Luxair Group, gestern erklärte, hoffe man, 2015 die Marke von 1,2 Millionen Fluggästen zu knacken. Das wäre eine Passagiersteigerung um weitere 13 Prozent. Trotz des schwierigen und aggressiven Wettbewerbsumfelds wird für das laufende Jahr mit einer Steigerung der Fluggastzahlen um 19 Prozent gerechnet.

Zum künftigen Wachstum soll im Passagiergeschäft die Ausweitung des Streckennetzes beitragen sowie erhöhte Frequenzen auf bestehenden Flugrouten, wie die Airline gestern bekannt gab.

Neue Flugverbindungen hat Luxair nach Dublin, Lissabon und Stockholm eingerichtet, wie Sales & Marketing-Chef Alberto Kunkel erklärt. Bei anderen Verbindungen wie Mailand, Kopenhagen, Porto und London wurde die Frequenzen erhöht. Vor allem die Strecke nach London, sagte Geschäftsführer Ney, sei ein Profitbringer, wenn auch das Airlinegeschäft dieses und nächstes Jahr rote Zahlen schreiben dürfte. Es rechnet mit einem Minus in dieser Geschäftssparte in etwa der Höhe von letztem Jahr. Das waren rund acht Millionen Euro. Immerhin wäre dieses Ergebnis der Airline-Sparte des Konzerns positiver als es im Budget für dieses Jahr kalkuliert worden war.

Kunkel weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Luxair insbesondere in der Auslastung seiner Flugzeuge mit einer Steigerung von 67,1 auf 68,5 Prozent deutliche Fortschritte erzielt hat. Das seien sehr gute Zahlen für eine regionale Airline wie die Luxair, sagt der Manager. Nicht zuletzt deswegen werden die Flüge in die britische Hauptstadt um fünf zusätzliche pro Woche im kommenden Jahr erhöht. Starkes Potenzial sieht man auch in Flügen nach Berlin, die ab nächstes Jahr direkt absolviert werden, also ohne Zwischenstopp in Saarbrücken. Das könne zwar auf der einen Seite vielleicht einige Fluggäste, die dort zustiegen, kosten, doch wolle man das Marketing in der Großregion, zwischen Trier und Bitburg genauso wie in Frankreich, forcieren, um dort zusätzliche Fluggäste zu gewinnen.

Aggressive Preispolitik

Das Wachstum im Passagierverkehr will Luxair auch durch eine aggressive Preisstrategie erreichen, wie Ney bekräftigt, und das, ohne die gewohnte Servicequalität aufzugeben. Dabei setzt man auf Onlinebuchungen („Book early, buy lowest price“) genauso wie darauf, bestehende Buchungen leicht über das Internet ändern zu können. Die Zahlen zeigen übrigens, dass 58 Prozent der Neukunden von Luxair nicht nur online, sondern mobil buchen würden. 2015 werden deswegen auch zwei iOS- und Android-Apps gestartet, mit denen die Kunden jederzeit über ihre Mobilgeräte mit Luxair in Verbindung bleiben könne.

Unterwegs mit der Boeing 737

Die Luxairflotte wurde um eine neue Boeing 737 erweitert, so dass ab Sommer 2015 erweiterte Kapazitäten für Verbindungen auf verschiedenen Strecken bereit stehen, wie die Airline mitteilt. Allerdings gibt Ney auch zu, dass eine Flugzeugflotte, die auf drei verschiedenen Flugzeugmodellen besteht, nicht optimal sei. Man werde darum nächstes Jahr ausloten, wie man das ändern könne, denn weniger Modelle würden auch die Profitabilität steigern helfen. Ab 2015 hat die Luxair geplant, ihre Flotte zu erneuern. Vielleicht werde man 2016 eine neue Bombardier, die weniger Kerosin verbrauche, in Betrieb nehmen, so Ney. Nur ein einziger Flugzeugtyp sei allerdings nicht möglich.

Auf den Kollektivvertrag angesprochen, teilt Luxair mit, dass man nach wie vor mit den Personalvertretern in Verhandlungen sei, die „in positiver Atmosphäre“ abliefen. Ein neuer Kollektivvertrag sei dabei ungeheuer wichtig, erklärt Ney: „Wir hoffen auf eine Lösung bis Ende des Jahres“. Im September hatten die von der Luxair-Geschäftsleitung angedachte Sparmaßnahmen - unter anderem niedrigere Einstiegsgehälter und eine Beschränkung des 13. Monatsgehalts - für einen Abbruch der Verhandlungen gesorgt.

Am Freitag tritt der Luxair-Verwaltungsrat zusammen, um das Budget für 2015 zu beraten. Nach dem historischen Verlust von mehr als zehn Millionen Euro, welcher das Jahr 2012 prägte, war es der LuxairGroup letztes Jahr gelungen, den Trend umzukehren und mit einem wenn auch bescheidenen Gewinn von 1,9 Millionen abzuschließen. Geschmälert werden könnte das nächste Ergebnis aber immer noch durch Cargolux, an der Luxair beteiligt ist: Die braucht nämlich 2015 eine weitere Kapitalerhöhung. Dass es für die Luxair ohnedies nicht leichter wird, sonder sie sich auch in Zukunft mehr Wettbewerbern stellen muss, ist für Geschäftsführer Ney sicher: Der Findel sei sehr attraktiv, darum rechnet Ney auch mit mehr Low-Cost-Anbietern auf dem Flughafen. 65 Prozent des dortigen Passagieraufkommens werden derzeit von der Luxair-Group getragen.