BARTRINGEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Michael Moores Meinung über Donald Trump in „Fahrenheit 11/9“

Wenn es einen international bekannten amerikanischen Patrioten gibt, dann ist dies sicher der Filmemacher Michael Moore. Immer wieder dreht er brisante Dokumentationen, um auf die Missstände in seinem Heimatland aufmerksam zu machen, wie „Roger & Me“, „Fahrenheit 9/11“ oder „Where to Invade Next“. Nun hat er den Titel seines Films über die Ereignisse vom 11. September 2001 umgedreht. Sein neuer Film „Fahrenheit 11/9“ steht für das Datum der Wahl von Donald Trump zum 45. amerikanischen Präsident am 11. September 2016. Der Film lief am Donnerstagabend in luxemburgischer Erstaufführung im Kulturzentrum „ArcA“ in Bartringen. Erstmals wurde der Saal für die Siebte Kunst genutzt und war auch gleich gut besucht.

Ein Milliardär wird Präsident

Moore zeigt, wie alle Hoffnungen 2016 auf Hilary Clinton lagen, die nach den Umfragen 85 Prozent aller Stimmen hätte erhalten müssen. Nur sollte alles anders kommen: Milliardär Trump wurde gewählt. Es tauchen Namen wie James Comey oder Gwen Stefani auf, und natürlich werden die Russen genannt, die angeblich ihre Finger bei der Wahl im Spiel hatten. Es gibt Anspielungen auf eventuelle pädophile Akte von Trump gegenüber seiner eigenen Tochter Ivanka, und er wird als Rassist und Frauenfeind gezeigt.

Moore zeichnet die Demokraten als Weicheier, die immer nur Kompromisse gesucht haben, als dann Taten sprechen zu lassen. Sie tragen die Schuld an Trumps Sieg. Dann greift er den Gouverneur von Michigan an, Rick Snyder, ein Republikaner und steinreich wie Trump. In Moores Geburtsstadt Flint („Roger & Me“ handelte von der Autoindustrie in Flint) gab es sehr gutes Leitungswasser aus dem Huronsee, ehe Snyder die Einwohner mit Wasser aus dem Fluss Flint versorgen ließ, das extrem mit Blei verseucht ist. Viele Menschen erkrankten und starben sogar. Snyder scherte sich einen Dreck darum, und auch Barack Obama interessierte das Leid der Menschen nicht. In seinem Voice-Over-Kommentar bemerkt Moore, dass es noch keiner Terroristenorganisation gelungen sei, eine ganze Stadt zu vergiften, dafür aber einem Republikaner. Er zeigt außerdem, dass die Menschen, vor allem die farbige Bevölkerung durch Obamas lächerliche Haltung nicht mehr zu den Wahlurnen schritten oder aus Enttäuschung die Republikaner wählten.

Aufstand gegen die aktuelle Politik

Durch einige blutige Massaker an Schulen, wie jenes in Parkland, Florida, mobilisierten sich die Studenten gegen die Politik. So hält die Studentin Emma González eine emotionale Rede in Washington D.C., um an ihre ermordeten Kameraden zu erinnern. Das Lehrpersonal streikte in West Virginia und erreichte eine Erhöhung ihrer Gehälter. Einige Lehrende und Studierende sind in die Politik gewechselt und hoffen, eine Änderung herbeizuführen, während Trump und Co. nur an sich denken. Moore vergleicht die Politik von Trump mit jener der Nazis unter Adolf Hitler.

Bemerken muss man, dass der Film vor Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, fertiggestellt wurde. So fehlt ein Kommentar zu dieser Idee, wie auch zu anderen rezenten Ereignissen. Moores Film ist eine Bestandsaufnahme der politischen Situation in den USA, leider auf vielen Umwegen. Er steuert auf kein spezifisches Ziel hin, sondern zieht viele, nicht direkt eindeutige Schlussfolgerungen. Am Ende bleibt das traurige und mit Wut durchzogene Gesicht von Emma González und Moores Feststellung, dass es sich lohnt, für ein Land zu kämpfen, in dem Demokratie und soziale Gerechtigkeit herrschen. Aber dieses Land gibt es nicht. Die Hoffnung hat alles zerstört. „America first“ ist ein Witz, und übrigens nicht Trumps Erfindung als Wahlmotto.

Der Film „Fahrenheit 11/9“ läuft noch bis Dienstag 5. Februar im Kino „Waasserhaus“ in Mondorf. Unter www.caramba.lu kann man sich über weitere Vorstellungen über dieses Datum hinweg informieren. Hier findet man auch die Spielzeiten im „ArcA“.