BAUMHOLDER

Die „östlichste Stadt der USA“ Baumholder im Hunsrück leidet unter Einsparungen der US-Army

Wir haben schon vier Auslandseinsätze überlebt, wir werden auch den Abzug der Amerikaner irgendwie überleben“ sagt Siggi Zimmer, die auf dem Gelände der US Army Garrison den Rheinländer Club betreibt. Seit sieben Jahren bewirtschaftet und kocht die Hotelbesitzerin aus Baumholder in dem Club, der heute nicht mehr nur den Offizieren offen steht.

„Amiköchin“ ist ihr Spitzname und die Mittfünfzigerin erlebt die jüngste amerikanische Militärgeschichte in ihrer Familie. Ihr Schwiegersohn, stationiert in Baumholder, kam verwundet aus Afghanistan und Siggi Zimmer sagt: „Was der gesehen hat, kann sich niemand vorstellen.“

Seit 1951 sind Amerikaner in Baumholder stationiert. Erst waren die Nazis da, sie bauten den nahe gelegenen Truppenübungsplatz, den sich heute Bundeswehr, Nato und US-Amerikaner teilen. Dann kamen die Franzosen und seit 60 Jahren die Amerikaner. In den 60ziger Jahren lebten 20.000 Soldaten auf dem Stützpunkt, zuletzt waren es 13.000, 4.500 Soldaten inklusive ihrer Familien, dreimal so viele wie Baumholder Einwohner hat.

Doch die US-Regierung kündigte vor einem Jahr an sparen zu wollen, zwei der vier in Europa stationierten Kampfbrigaden der U.S. Army werden abgezogen. Eine davon ist die 170. US-Infanteriebrigade in Baumholder. Seit Oktober 2012 ist Baumholder kein Stützpunkt für Kampfbrigaden mehr.

Der amtierende Standortkommandant, LTC (Oberstleutnant) Michael D. Sullivan, meint, wir organisieren uns neu, „es sind spannende Zeiten“. In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren investiert die Army in den Standort Baumholder mit 1.500 Soldaten, die aus allen deutschen Standorten nach Baumholder umziehen werden. Die neuen Soldaten sollen Logistiker sein und den Nachschub organisieren.

Auf der Partymeile ist es ruhig geworden

Darauf hoffen auch die Baumholder Gastronomen, denn in der einstigen Partymeile am Fuß des Stützpunktes ist es ruhig geworden. In Nachtclubs und Tabledance Bars in Baumholder herrscht Ruhe. Alle Hoteliers und Wirte zehren von den guten Zeiten aus den achtziger und neunziger Jahren. In Dollars kann man immer noch überall bezahlen, aber die Kundschaft bleibt aus.

Die eintausend verbliebenen Soldaten auf dem US-Stützpunkt gehen auf dem Gelände aus, das Klein-Amerika ist. Dort gibt es vom Supermarkt bis McDonalds alles, was eine amerikanische Kleinstadt zu bieten hat.

Das Geschäft mit den Amerikanern, den „Amis“, wie man in Baumholder sagt, ist die Einkommensquelle seit den fünfziger Jahren. Damals hat fast jeder Bauer seine Scheune in eine Bar umgebaut. Peter Göttel, Inhaber des „ Stadtkrug“, beschreibt die Situation heute:“ Auf unserem Rücken haben sie den kalten Krieg ausgetragen, jetzt sind die Amerikaner weg, vor uns das Saarland, welche Zukunft sollen wir schon haben?“

Verbandsbürgermeister Peter Lang, Offizier bei der Bundeswehr bis er 2004 Bürgermeister wurde, sieht die Situation nicht ganz so schwarz. „Dass Veränderungen kommen war seit Anfang 2000 klar, dass jetzt 2013 immerhin 2.500 Soldaten mit Familien wieder in Baumholder sind, ist eine kleine Chance, dass der einst größte Garnisonsstandort der Amerikaner in Deutschland, auch weiter bestehen wird“.BK