CLAUDE KARGER

Jetzt wissen wir, dass sich der „Wort“-Leitartikler nicht nur der Europa-Kapitale Brüssel rumtreibt, sondern die Europäer auch mal im Landesnorden beobachtet. „Der Brexit führte dazu, dass an Diekircher Bartheken mittlerweile über das Londoner Parlament gelästert wird“, stellte er gestern fest. Richtig. Mittlerweile ist „Speaker of the House“ John Bercow noch bekannter als New Order und selbst die No-No-No-Boys von der Insel kennt jeder. Wie wir außerdem im „Wort“ erfahren, hat die französische Autorin Clémentine Beauvais sogar eine romantische Komödie über die tragischste Scheidung der Geschichte verfasst. Ausgelöst wurde sie nicht zuletzt durch allerlei „fake news“, wie das „Land“ in einem Beitrag erinnert in dem sich das Wochenblatt wundert: „Brüssel warnt dringend vor Manipulationen und Desinformation bei den Europawahlen am 26. Mai. Was machen die Volksparteien? Nichts!“ In der Tat gibt es diesmal kein Fairplay-Abkommen zwischen den Parteien, lediglich einen „Code of Practice“ gegen Lügen-Bots und paranoide Vielposter. Luxemburg mag toll grundsätzlich pro-europäisch sein, aber Bartheken und Stammtische lieben Verschwörungstheorien, am besten die emotionalen. Und dass große Gefühle Wahlen entscheiden können, ist nur zu gewusst.