LUXEMBURGSVEN WOHL

Doch der Widerstand von SEW und Apess gegen die Reform des öffentlichen Dienstes geht weiter

Am Ende waren es 1.000 Unterschriften, die fehlten. Denn damit es bei den Lehrern zum Streik kommen konnte, wollte die „Association des Professeurs de l’Enseignement secondaire et supérieur du Grand-Duché de Luxembourg“ (Apess) zusammen mit dem „Syndicat Erzéihung a Wëssenschaft“ (SEW) mindestens 50% der Belegschaft hinter sich bringen. Doch die selbstgesetzte Hürde, eine Mehrheit, kam nicht zustande.

„Kein Scheitern“

3.057 Unterschriften sollten also nicht genügen. Zwar sind noch einige Listen im Moment im Umlauf, doch würden diese sich nicht mehr wesentlich auf das Ergebnis auswirken. Als einer der Gründe, weshalb nicht unterschrieben wurde, wurde auch genannt, dass die betroffenen Personen dabei Nachteile befürchten würden. In älteren Gymnasien sei, sowohl im „Secondaire“ wie im „Secondaire Technique“, die höchste Bereitschaft zu finden, während in jüngeren Lyzeen, mit jüngeren Lehrern, die Bereitschaft weniger vorhanden war. Klar ist für die Apess, dass zahlreiche Lehrer nicht einverstanden sind mit der Politik, aber dennoch nicht den schwierigen Entschluss treffen wollen, in den Streik zu treten. „Wir streiken nicht des Streikes wegen“, lautete die Devise, und somit kam es auch mit über 40% Zusagen nicht zum Streik, obwohl die Versuchung da war. Vor allem in der Hauptstadt und in Esch hätte es nicht an Unterstützung dafür gefehlt. Daniel Reding, Präsident der Apess, sieht somit die Aktion nicht als ein Scheitern an.

Mangel an Streikkultur

Als einer der möglichen Gründe wird von Daniel Reding die quasi inexistente Streikkultur angeführt, läge doch der letzte Streik der Lehrer bereits ein Vierteljahrhundert zurück. Einen großen Teil der Schuld trügen jedoch die Gewerkschaften „Fédération des universitaires au service de l’état“ (Feduse) und das „Syndicat National des Enseignants“ (SNE), die sich laut Reding selbst „das Etikett der Streikbrecher für lange Zeit auf die Stirn geklebt haben“.

Der Apess-Vorsitzende spricht weiter von Sabotageaktionen seitens dieser Gewerkschaften. So seien zwei Listen schlicht verschwunden. Auch sei seitens der Feduse bewusst Gegen- beziehungsweise Desinformationspropaganda betrieben worden. Guy Foetz vom SEW hält dagegen fest, dass die Regierung der eigentliche Gegner sei. Foetz meinte unter anderem, dass der ehemalige Minister François Biltgen bei den Verhandlungen mit der CGFP auch auf Drohungen zurückgegriffen habe. Dabei wollte er jedoch nicht darauf eingehen, wie diese ausgesehen haben sollen. Dabei herausgekommen sei etwas, das für die Staatsbeamten ein Rückschritt und für die Schule eine Katastrophe darstellt. Die beiden Gewerkschaften wollen den Kampf jedoch nicht aufgeben. Bildungsministerin Mady Delvaux-Stehres zeigte sich in einem DNR-Interview etwas erleichtert über die Absage des Streiks. Sie will weiterhin die Diskussionen mit den Gewerkschaftern fortführen. Das Prinzip der Reform könne jedoch nicht in Frage gestellt werden, so die Ministerin.