LUXEMBURG
SVEN WOHL

Junge Schriftsteller mussten sich der Isolation und dem Druck der Pandemie stellen

Die Corona-Krise setzt auch Künstler unter Druck. Ausgefallene Veranstaltungen sorgen für Löcher im Terminkalender. Auch wenn vieles ins Netz verlegt wird, so geht doch etwas verloren. Wir haben mit drei jungen Schriftstellern gesprochen, wie sie diese Zeit erleben.

Klischees bleiben unerfüllt

„Wer leidet, schreibt nicht - er leidet“, antwortet uns Jean Bürlesk auf die Frage, ob es ihm in der Isolation möglich war, zu schreiben. „Zum Schreiben braucht man mehr als nur Zeit. Was mir in dieser Krise fehlte, war die nötige Seelenruhe.“ Er könne also das Klischee vom leidenden Künstler so nicht unterschreiben. Für Luc François sah es da anders aus, er konnte in dieser Zeit neben einer Kurzgeschichte seine kreativen Säfte für die Band und einen Roman fließen lassen. Da er im Home Office arbeite, hatte er allerdings nur bedingt mehr Zeit zum Schreiben.

Doch kann die Krise selbst auch der Inspiration dienen? Da fallen die Antworten ziemlich unterschiedlich aus. „So schlimm die Situation auch ist, so erhält man doch Einblick darin, wie Menschen auf solche globalen Ereignisse reagieren und vieles davon lässt sich sicher gut in Büchern mit ähnlicher Ausgangslage integrieren“, meinte dazu Kiara Roth. Wichtiger sei für die junge Autorin gewesen, dass man durch die Krise gezwungen ist, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. „Ich habe gemerkt, dass Literatur mir wichtigen Halt gibt und ich neue Motivation erhalten habe, meine Ziele weiter zu verfolgen“, erklärte sie weiter. Jean Bürlesk pflichtet dem durchaus bei: „Teilweise hat es andere Dinge zum Vorschein gebracht, Dinge, über die einer sonst nicht so nachdenkt.“ Doch ob die Krise selbst als eine Inspirationsquelle dienen könne, darüber sei es noch zu früh, um zu urteilen. „Ich würde auch nicht sofort etwas darüber schreiben wollen, das letzte, das ich nach der Pandemie brauche, ist eine Welle an Corona-Romanen.“ Luc François hat indes keine direkte Inspiration durch die Krise verspürt.

Verschobene Starts

Durch die Krise sind natürlich auch zahlreiche Events ausgefallen. Das trifft Jean Bürlesk besonders schwer: Sein erstes Werk „The Pleasure of Drowning“ ist mitten in der Krise an den Start gegangen. Die Eastercon in Birmingham hätte der offizielle Startschuss sein sollen und auch die Ausfälle der „Luxcon“ und des Luxemburger Events im Café „Le Bovary“ seien schmerzhaft gewesen. Während er versucht, letzteres nachzuholen, sei alles andere verloren. „Natürlich hat das einen Einfluss auf die Verkaufszahlen, aber es ist vor allem die Erfahrung, die mir fehlt. ,The Pleasure of Drowning‘ ist mein erstes eigenständiges Werk und ich hätte das gerne korrekt gefeiert.“ Luc François zeigte sich genauso von der Krise getroffen. Eigentlich hatte er einen Trip nach Leipzig geplant, um die Veröffentlichung der Anthologie „Fast menschlich“ entsprechend zu unterstützen. Auch die „Luxcon“ sei ausgefallen, weshalb er neben dem verlorenen Geld auf den Hotel-Reservationen auch auf den zahlreichen unverkauften Büchern sitze. Schade findet Kiara Roth vor allem den Wegfall der Walfer Bicherdeeg, erscheint dieses Jahr schließlich ihr Debütroman. „Aber vielleicht finden sich noch virtuelle Alternativen“, meinte sie.

Virtuelle Alternativen sind überall gefragt gewesen in den vergangenen Monaten. Wie haben die Autoren sich dies zu Nutze gemacht? Jean Bürlesk habe bei einigen nationalen und internationalen Events teilgenommen. „Es ist gut, dass es diese Möglichkeit gibt und ich bewundere das Engagement der Menschen hinter diesen Initiativen - doch einen direkten Kontakt mit einem Publikum ist dadurch nicht zu ersetzen“, meinte er. An digitalen Lesungen hat auch Luc François sich beteiligt. So las er aus der Anthologie „Fast menschlich“ vor und vertonte auch ein Gedicht, das seinen Weg in die „Neue Zürcher Zeitung“ fand. Bei „Literaturliwwerer Online“ von Jérôme Jaminet beteiligte sich ebenfalls Kiara Roth, wo sie aus ihrem Debütwerk „Dem Horizont entgegen“ vorlas. „Das war gleichzeitig meine erste digitale Lesung und es war eine wirklich schöne Erfahrung, Teil eines Events zu sein.“ Die neue Erfahrung helfe ihr, über sich hinauszuwachsen.