LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Eine kurze filmische Reflexion über die Risiken der digitalen Datenspeicherung

Bibliothekare und Archivare streubten sich in den Kinderjahren der digitalen Datenspeicherung gegen das Horten von Dokumenten und Büchern als Nullen und Einsern. Zu hoch sei das Risiko eines Datenverlustes und außerdem: Wer kann garantieren, dass unsere Nachkommen in hundert Jahren noch über Geräte verfügen, mit denen sich die Daten auf unseren Datenträgern entschlüsseln lassen.

Der französische Filmemacher François Ferracci, selbst ein Kind des digitalen Zeitalters, geht im filmischen Kurzwerk „Lost Memories“ der Frage nach, in welches Stadium unsere Gesellschaft zurückversetzt wird, wenn durch ein Programmierfehler das gesamte digitale Gedächtnis der Menschheit ausgelöscht werden würde.

Polaroid-Kamera oder Smartphone

In „Lost Memories“ bettet Ferracci seine Reflexion in eine Rahmengeschichte ein, die von einem jungen Liebespaar handelt: Während der Haupt-Protagonist Eindrücke und Emotionen mit seinem Smartphone festhält, greift sein weibliches Pendant zu einer Polaroid-Kamera, um die Sekunde eines Momentes zu dokumentieren.

Ferracci, der seine Werke fast ausschließlich im Netz zeigt, sieht sich ständig der Gefahr des Datenverlustes ausgesetzt. „Ich bin geradezu davon besessen, meine Arbeiten zu speichern“, erklärt der Franzose dem „Journal“ gegenüber. Zu Beginn der 2000er Jahre bediente er sich der Diskette, diese wurde von den CDs und DVDs beerbt. Heute lagert er seine Arbeiten auf Festplatten oder in „Clouds“. Er sei, so Ferracci, ständig dabei, Sicherheitskopien anzufertigen. „Denn“, so Ferracci weiter, „was passiert, wenn ein Cloud-System zusammenbricht?“

Für den Filmemacher existieren Parallelen zwischen den Polaroid-Kameras und den intelligenten Taschentelefonen. Smartphones wie Polaroid-Kameras würden einem erlauben, ganz spontan Bilder zu schießen.

Mit dem Unterschied, dass die Polaroid-Kamera ihr Erzeugnis sofort ausspuckt und man es dann als greifbares Bild in der Hand halten kann. Wenige Hobbyfotografen drucken ihren digitalen Aufnahmen noch auf Fotopapier. Digitale- und analoge Fotografie stehen sich in Ferraccis Kurzfilm diametral gegenüber. Es obliegt jedem Zuschauer, für sich selbst herauszufinden, zu welchem Medium er sich eher hingezogen fühlt

Den Kurzfilm „Lost Memories“ finden Sie unter folgendem Link: vimeo.com/49425975