LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die „Foire Agricole“ in der virtuellen Welt

Wie kam es zur Idee, eine Landwirtschaftsmesse in die virtuelle Welt zu verlegen? Die Macher der traditionsreichen Landwirtschaftsschau in Ettelbrück, der „Foire Agricole Ettelbruck“ (FAE), standen vor einer einfachen Frage: Es für 2020 sein lassen oder mal was Neues ausprobieren? 
Die FAE für 2020 ausfallen zu lassen wäre unsportlich gewesen, denn die Messe ist eine der seltenen Gelegenheiten wo auch Stadtkinder lernen, dass Kühe nicht lila sind. Die Foire Agricole zieht seit Jahrzehnten am ersten Juliwochenende hunderte Aussteller und tausende Besucher an. Eine bunte Mischung aus Leistungsschau der Landwirtschaft, einer Messe für technische Innovationen und Agrartechnik und eine beliebte Schau von Nutztieren aller Art. Also trat man die Flucht nach vorne an. 

Eine virtuelle Landwirtschaftsschau 

Flucht nach vorne bedeutete in diesem Fall eine virtuelle „Foire Agricole Ettelbruck“. Wie immer am ersten Juli-Wochenende, aber als Livestream im Internet.
Mit dem Mittel des „Webinar“, einer interaktiven Konferenz im Internet, die durch Corona einen ungeheuren Schub erlebt hat, brachten die Messe-Macher ihr ungewöhnliche Konzept den potenziellen Ausstellern nahe. Sie führten sie so an die Umsetzung ihrer Idee heran, nicht im „Frontalunterricht“, sondern durch interaktive Kommunikation.
Am Ende dieses Heranführens steht jetzt eine bunte Messe mit Liveübertragungen von „Fro de Bauer“ oder „Anne’s Kitchen“. Dazu gibt es verschiedensten Vorführungen von Arbeiten in der Landwirtschaft, von Rückearbeiten mit Ardennerpferden bis hin zu einer Leistungsschau der neuesten Manitou-Stapler, enthalten. 

Breite Vernetzung

Aber was wäre eine Messe im Netz ohne die sozialen Netzwerke?  An dieser Stelle muss das Stichwort „Cross-Media“ fallen, den die FAE 2020 findet heute auf vielen verschiedenen Plattformen und Medien statt. Es geht darum, dass die virtuelle Messe an diesem Wochenende so viele reale Zuschauer wie möglich erreicht. Dafür sorgt ein Zusammenspiel zwischen der Webseite www.fae.lu, der Post TV, Eltrona, RTL, und anderen Medien.
Das Konzept kommt wohl an, denn wer die Webseite der FAE (www.fae.lu) ansteuert, sieht schon auf der Startseite die lange Liste von realen Firmen die hier virtuell ausstellen. Die Mittel mit denen sich die Firmen und Verbände vorstellen sind vilefältig: Lifestream, Fotos, Videos, Newsticker, virtuelle Stände mit 360° Optik. Wer bedauert, dass man auf einer virtuellen Messe nichts kaufen kann, etwa regionale Spezialitäten, dem wird geholfen. Wozu gibt es die Verkaufsplattform Letzshop.lu? Auch sie ist ein Teil der „Foire Agricole Ettelbruck“. 
Der Ettelbrücker Bürgermeister Jean-Paul Schaaf bedauert natürlich, dass die Foire Agricole, die „schönste Ausstellung im Land“ nicht in der gewohnten Form stattfinden kann. Nach den vielfältigen Erfahrungen des Lockdowns mit digitalen Medien hätten sich die Macher aber dazu entschlossen einen „ganz anderen Modus“ anzuwenden. Die virtuelle „Foire Agricole“ sei ein spannender Weg, den die Stadt mit den Machern „zusammen gehe“.
Die Aufgabe der Foire Agricole sei es immer schon gewesen, die Landwirtschaft den Menschen näher zu bringen. Gerade jetzt, wo die globalisierte Landwirtschaft überdacht werde, richtet sich der Focus der Menschen auf regionale und lokale Produkte.
Aber auch die „Foire agricole“ im Netz sei dazu geeignet eine regionale Antwort zu geben. Er wünsche, so Jean-Paul Schaaf, allen Besuchern eine „flotte Tour“ über die virtuelle „Foire Agricole Ettelbrück“. Gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Romain Schneider startete er gestern Morgen kurz nach 10.00 mit einem beherzten Schlag auf einen roten „Buzzer“ die virtuelle Landwirtschaftsausstellung. Der LSAP-Minister sprach von „einer flotten digitalen Brücke“ zwischen zwei „Foires Agricoles“ und hoffte, dass die Landwirtschaftsausstellung im kommenden Jahr wieder wie gewohnt über die Bühne gehen könnte. Er zeigte sich ferner überzeugt, dass eine „ganzer Reihe flotter Elemente“ aus der diesjährigen Erfahrung auch in Zukunft übernommen werden. Die Covid-19-Krise habe außerdem die Bedeutung der lokalen und regionalen landwirtschaftlichen Produktion unterstrichen.
www.fae.lu