LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Die Osteopathie wird geregelt und als Gesundheitsberuf gesetzlich festgeschrieben

Sie zählt zur sogenannten Komplementärmedizin, ergänzt also die wissenschaftsbasierte Schulmedizin, und ist mittlerweile in verschiedenen Ländern wie Frankreich ein eigener Bachelor- und Master-Studiengang - die Osteopathie. Bei dieser Befund- und Therapietechnik, mit der funktionelle Störungen des Körpers verhindert oder vermindert werden, kommen lediglich die bloßen Hände zum Einsatz, deswegen wird sie auch als „Manualtherapie“, „Chirotherapie“ oder „Chiropraktik“ bezeichnet. Ungefähr 60 Osteopathen praktizieren in Luxemburg und werden auch gerne in Anspruch genommen. Nun soll die Osteopathie als Gesundheitsberuf im Gesetz festgeschrieben werden und ihre Ausübung in einer großherzoglichen Verordnung (RGD) geregelt werden.

Akzent liegt auf Aus- und Weiterbildung

„Schon im Regierungsprogramm ist die Osteopathie als Komplementärmedizin, die prioritär anerkannt werden sollte, namentlich erwähnt. Im Moment wird hier in einer nicht geregelten Grauzone praktiziert. „Wir wollen den Patienten Sicherheit bieten und ihnen garantieren, dass bei diesen Behandlungen die Qualität im Vordergrund steht“, erklärte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern. „Dass der Akzent auf der Aus- und Fortbildung liegt, ist im Interesse der Patienten, war aber auch ein Wunsch der Osteopathen selber.“

In der Verordnung wird nun unter anderem vorgeschrieben, dass die Berufsausübung einer Genehmigung unterliegt, dass als Ausbildung ein Master in Osteopathie oder Äquivalentes vorliegen muss, der vom Hochschulministerium anerkannt wurde, dass obligatorisch jährlich 40 Stunden Weiterbildung absolviert werden und in der auch die Techniken aufgezählt werden, die angewandt werden dürfen und die seit 2014 europäischen Standards entsprechen. „Es wird ein öffentlich zugängliches Register der Osteopathen erstellt, das garantiert, dass die Behandlung dort eine professionelle ist und ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird“, versprach Mutsch.

Geregelt wird auch die Zusammenarbeit zwischen Osteopathen und Ärzten. Grundsätzlich steht es Patienten weiterhin frei, einen Osteopathen, auch ohne ärztliche Überweisung, aufzusuchen. Es gelten aber Restriktionen: Für Behandlungen der Halswirbelsäule bei Kindern und Erwachsenen, der Wirbelsäule von Kleinkindern unter sechs Monaten und bei Interventionen an Kopf und Gesicht muss eine ärztliche Diagnose vorliegen. Und ein Osteopath muss an einen Arzt überweisen, wenn er eine Störung medizinischer Natur feststellt.

Für die Berufsgenehmigung gilt nun eine Übergangsfrist von sechs Monaten für Ärzte, Physiotherapeuten, Hebammen und Krankenpfleger ohne Osteopathen-Master, die aber eine zehn-jährige Berufsausübung nachweisen können. Unter bestimmten Bedingungen kann die Therapie auch von der CNS übernommen werden. Die entsprechenden Verhandlungen über eine Nomenklatur laufen an, sobald das Gesetz durch ist.