LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Nationale Zeremonie zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Europa

Nicht nur in Paris und Berlin wurde heute des 8. Mai 1945, des Tages an dem in Europa endlich die Waffen schwiegen, gedacht. Mit einer nationalen Gedenkzeremonie würdigten Großherzog, Regierung und Parlament den Tag vor 70 Jahren, der für Luxemburg auch formal den Frieden brachte.

Premierminister Xavier Bettel ging auf die dramatischen Opferzahlen, allein 45 Millionen Zivilisten seien im Verlauf des Weltkrieges umgekommen. Luxemburg habe während des Krieges zwei Prozent seiner Bevölkerung verloren. Das Land habe nicht nur unter Besatzung und Nazi-Terror gelitten, sondern wurde auch in den letzten Monaten des Krieges Opfer der letzten deutschen Großoffensive. Auch in den Wochen und Monaten nach dem 8. Mai habe die Ungewissheit über den Verbleib von Angehörigen und Freunden angehalten.

Bettel erinnerte auch daran, dass der 2. Weltkrieg am 8. Mai 1945 nur in Europa zu Ende ging. Die japanische Kapitulation erfolgte erst am 2. September und im Monat zuvor sei die Menschheit durch die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki in ein neues „Zeitalter“ eingetreten. Der Friede habe keineswegs alle Wunden geheilt. Europa habe am Boden gelegen, sowohl materiell als auch moralisch. Wörtlich hieß es dann in Bettels Rede:

„Et huet e gespuert dat d’Erënnerung un déi däitsch Besatzung schwiereg géif ginn, well déi däischter Joere ware komplex. Do woren déi zivil a militäresch Affer. Do wor d’Shoah, d’Exterminatioun vun engem Drëttel vun der jiddescher Bevëlkerung, déi 1940 zu Lëtzebuerg wor. Do waren déi, déi resistéiert haten, déi déi sech an déi alliéiert Arméien engagéiert haten, déi vill Leit, déi an der Resistenz sech agesat haten an déi ongezielt anonym Lëtzebuerger, déi Solidaritéit bewisen haten. Do waren awer och déi, déi kollaboréiert haten. Déi sougenannt Gielemännercher koumen aus alle gesellschaftleche Milieuen. Nee, mir waren net all Helden! D’Historiker hun eist dëst jo an d’Gediechtnes geruff.“

Bettel verwies auch auf die Kriegsverbrecherprozesse von Nürnberg und Tokyo, die die menschlichen Grausamkeiten juristisch aufgearbeitet haben. Und er merkte an, dass die Verbrechen gegen die Menschheit, die nach 1945 damals definiert wurden, nicht aus der Welt verschwunden sind.