LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft für mutmaßlichen Kinderschänder

Vor der Kriminalkammer Luxemburg musste sich am Freitag ein 40-jähriger Mann wegen schwerer Vergewaltigungen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, in Düdelingen einen Jungen Ende 2005 und 2009 vergewaltigt zu haben. Er soll dem Jungen auch Pornos im Fernsehen und am Computer gezeigt haben. Am 19. März 2014 hatte die Mutter bei der Polizei Anzeige gegen den Mann erstattet.

Das Opfer ist mit fünf Jahren aus Brasilien nach Luxemburg gekommen. Der Angeklagte hätte der Mutter unter die Arme gegriffen und auf den Jungen aufgepasst. In seiner polizeilichen Vernehmung gab der Junge zu Protokoll, dass er mit R. in einem Bett geschlafen habe.

In der Nacht hätte er gemerkt, dass R. seinen Penis angefasst habe. Ein anderes Mal hätte der Angeklagte im Bad seinen Penis gegen seinen Hintern gerieben.

Doch der Angeklagte hätte dem Jungen verboten, darüber zu sprechen. Das Opfer hatte gesagt, dass das sexuelle Spiel ihm gefallen habe. Erst viel später sei dem Jungen bewusst geworden, was ihm da widerfahren sei.

Trotzdem wollte er nicht gegen den Angeklagten vorgehen. Erst seine Mutter habe ihn davon überzeugt, bei der Polizei auszusagen. Der Junge hatte sich außerdem 2013 einem Geistlichen anvertraut und diesem von der Vergewaltigung erzählt.

„Kein pädophiles Profil“ - Verteidigung fordert Freispruch

Doch der Angeklagte behauptet vor Gericht, den Jungen nicht angefasst zu haben. Er spricht von einem Racheakt. Weil die Aussagen des Angeklagten strafverschärfend wirken und der Angeklagte seine Schuld vehement bestreitet, stellte sein Verteidiger den Antrag, drei neue Zeugen zu hören. Doch daraus wurde nichts. Das Gericht schmetterte den Antrag ab.

Der Nebenkläger Arnaud Ranzenberger ist überzeugt, dass eine Vergewaltigung vorlag. Ranzenberger will ein Gutachten in Auftrag geben, um die Aussage des Opfers abzusichern und zu untermauern.

Verteidiger Maître Karim Sorel sagte gestern, es wäre eigenartig, dass der Junge nicht vor Gericht erscheinen würde, um zu den Vorwürfen befragt werden zu können. Seinem Mandanten würden schließlich abscheuliche Verbrechen vorgeworfen. Sein Mandant hätte laut Gutachten „kein pädophiles Profil“. Ferner wären viele Zeugen nicht gehört worden. Sorel sprach deshalb von einer löcherigen Indizienkette und beantragte Freispruch für seinen Mandanten.

Anklagevertreterin Anouk Bauer betonte in ihren Ausführungen, dass der Angeklagte ein Ersatzvater für den Jungen gewesen sei und dass er von der Schwäche des Jungen profitiert hätte. Sie hält die Aussagen des Jungen für glaubwürdig und spricht von extrem schlimmen Vorfällen. Das Opfer hätte enorme psychologische Schäden davon getragen.

Die Vorwürfe sind für die Staatsanwaltschaft erwiesen, daher beantragte sie zehn Jahre Haft. Da der Angeklagte keine Vorstrafen hat, war die Anklagevertreterin nicht abgeneigt, einen Teil der Strafe zur Bewährung auszusetzen.


Das Urteil wird voraussichtlich am 15. März gesprochen