COLETTE MART

Die gute Nachricht anlässlich des Amtsantritts von Donald Trump ist, dass weltweit Millionen Frauen demonstrierten. Unter ihnen bekannte Persönlichkeiten wie Angela Davis und Gloria Steinem, die den amerikanischen Feminismus in den siebziger Jahren mitbegründeten und damit die Welt weiterbrachten. Jedenfalls sind die Bilder von Menschen, die in Washington, New York, Chicago, Denver, Phönix usw. demonstrierten, bewegend, sie setzen ein positives Zeichen in eine Welt, die Angst hat, und diese Angst ist berechtigt.

Blickt man auf Donald Trumps Äußerungen anlässlich seiner Antrittsrede zurück, so ist zu befürchten, dass sich die Welt zurückentwickelt, dass Fortschrittlichkeit, Diversität und auch internationale Solidarität und Zusammenarbeit untergraben werden, und dies im Namen eines Protektionismus, der engstirnig ist und auf Amerika zurückzuschlagen droht, was Trump eigentlich wissen müsste. Immerhin ist seit fast 100 Jahren bewiesen, dass Grenzen und Zölle, sowie protektionistische Barrieren den Lebensstandard aller Menschen herunterschrauben.

Wer als etablierte Industrienation seine eigenen Betriebe und Produkte schützen will, wer Zölle auf Importe aus anderen Ländern erheben will, der riskiert das gleiche, nämlich protektionistische Schlagabtausche, die das Bekenntnis Trumps zu Amerika und den amerikanischen Arbeitnehmern völlig untergraben könnten. Noch nie hat es derartige Proteste anlässlich der Vereidigung eines Präsidenten in Amerika gegeben, was bedeutet, dass die fortschrittlichen Kräfte, die Geschichte schrieben wachsam sind, sich wehren, und ihren Widerstand dokumentieren. Trump posierte bei der Lincoln-Statue, und dies symbolisiert den Rückschritt, hat doch Abraham Lincoln die Sklaverei abgeschafft und dabei ein positives Vermächtnis für die ganze Menschheit hinterlassen. Die Frage ist jetzt, ob Trump irgendwann in der Realpolitik ankommen wird, ob die Republikaner allgemein doch vernünftig und weitsichtig bleiben, oder ob sie ihrem Präsidenten bedenkenlos folgen werden.

Des Weiteren bleibt zu hoffen, dass die demokratischen Institutionen in Amerika, sowie die damit verbundene Trennung der Gewalten doch stark bleiben.

Was jetzt die Radikalität der Aussagen in Bezug auf illegale Einwanderer anbelangt, ist zu befürchten, dass hier eine sehr große menschliche Misere entsteht, dass Existenzen von Familien zerstört werden, dass jedoch auch US-Betriebe, die in den Südstaaten mit diesen Arbeitskräften funktionieren, nicht mehr weiterbestehen könnten. Hier können also ganze Wirtschaftsgefüge zerstört werden, die zwar arbeitsrechtlich nicht in Ordnung sind aber eingewanderten Arbeitern erlauben, Geld zu ihren Familien nach Mexiko zu schicken. Härte war noch nie ein guter politischer Ratgeber, und mit Schlagwörtern wurde noch nie die Komplexität der Politik und der internationalen Beziehungen erfasst. Die amerikanischen Frauen, und mit ihnen hunderttausende Europäerinnen hießen Donald Trump nicht willkommen. Sie sind in der heutigen Situation ein Hoffnungsschimmer, bringen Frauengenerationen zusammen und erinnern an die Opportunität des amerikanischen Feminismus für die ganze Welt.