LUXEMBURG
LJ

Ein Bild der Lage in den Kliniken nach rund zwei Monaten Covid-19-Aufstellung

Es musste schnell gehen, sehr schnell: Ende Februar, Anfang März haben die Kliniken sich auf die Aufnahme von Covid-19-Patienten vorbereitet. Ganze Abteilungen wurden in den jeweiligen Häusern abgeriegelt um Infektionen zu vermeiden. Mannschaften wurden schnell umorganisiert. Beim „Centre Hospitalier“ in der Hauptstadt entstand in Rekordzeit ein „Field Hospital“ mit zusätzlichen Betten, das von der „NATO Support and Procurement Agency“ aus Italien eingeflogen wurde – und mithilfe der Armee und Baufirmen errichtet wurde. Gesundheitsministerin Paulette Lenert soll der Einrichtung übrigens heute einen Besuch abstatten. Während bei der Installation der bestellten zusätzlichen CT-Scanner, die man braucht, um ein besseres Bild von Krankheitsverläufen zu bekommen, richtig Gas gegeben wurde, musste vor allem quasi über Nacht sehr viel Schutzmaterial beschafft werden in einem sehr angespannten Weltmarkt.

Ein „Trauma“ für jeden

Wie sieht die derzeitige Lage in den Kliniken aus? Wir haben die Runde gemacht, nachdem das „Centre Hospitalier du Nord“ vergangene Woche die Entlassung des ersten Covid-19. Zwar wurde der bisherige „Peak“ der Hospitalisierungen von Patienten mit Covid-19 oder Covid-19-Verdacht mit fast 230 Anfang April erreicht und fällt die durchschnittliche Zahl der Patienten seither – am Sonntag waren so 181 Menschen auf einer Covid19-Station, davon 32 in Intensivpflege –, während die Zahl der Entlassungen bislang insgesamt 627 erreicht hat: die Sonder-Aufstellung der Spitäler in Virus-Zeiten bleibt weiterhin bestehen. Dass diese Aufstellung sehr personalintensiv ist, verdeutlichen diese Zahlen aus dem „Centre Hospitalier“. Rund 400 Mitarbeiter im medizinischen und Pflegebereich seien für die Covid19-Patienten da, im Durchschnitt würrden in 24 Stunden rund 150 dieser Mitarbeiter in der Covid-19-Zone arbeiten. Ähnlich hoch ist der Aufwand in den anderen Häusern. Sämtliche Klinik-Direktionen unterstrichen im Gespräch das vorbildliche Engagement der Mitarbeiter. Die Fehlzeiten seien sehr niedrig, die Solidarität groß. Einige Mitarbeiter habe man allerdings aus der Organisation rausnehmen müssen. Zum einen, weil sie selbst Covid-19-Symptome hatten, oder aber weil sie zu den Risikogruppen gehören. Während manche Mitarbeiter auf den Covid-19-Stationen die Wahl getroffen haben, erstmal von ihren Angehörigen fern zu bleiben und in Hotels in der Nähe ihrer Arbeitsstelle zu übernachten, hätten Grenzgänger keine Probleme dabei gehabt, nach Luxemburg zu gelangen.

Entspannung an der Materialfront

Auf dem Personal lastet großer physischer aber auch psychischer Druck, wie uns auch durch Fachleute bestätigt wurde, die direkt mit Covid-19-Patienten arbeiten. Die stundenlange Arbeit in voller Schutzmontur bei striktem Respekt sämtlicher Sicherheitsprotokolle sei ermüdend. Hinzu kommt die Belastung durch die akuten Notlagen von Patienten mit Covid-19, der sehr schwere Lungenschäden hervorrufen kann. „Die ganze Situation ist ein Trauma, auch für die Pfleger“, sagt etwa der Pflegedienstleiter der HRS, Christian Kirwel, „wir befürchten ein wenig, dass das sich erst richtig niederschlägt, wenn der Stress abklingt“. In allen Spitälern können auch die Mitarbeiter auf psychologische Unterstützung zurück greifen. An der „Materialfront“ gibt es mittlerweile Entspannung. „Wir hatten etwa nicht genügend Schutzmasken am Anfang“, erzählt HRS-Generaldirektor Claude Schummer, „wenn wir uns zu diesem Zeitpunkt allein auf den Staat verlassen hätten, wäre das schief gegangen“. Die HRS haben etwa mit Amazon zusammengearbeitet, um die Masken und anderes Material herbei zu bekommen. „Heute stehen wir mittelfristig gut da“, sagt Schummer, die Regierung habe ihre Aufgabe insgesamt gut gemacht.

Kein Spital klagte über Mangel an erforderlichem Material für die Behandlung von Covid19-Patienten. „Derzeit hakt nichts“, sagt Dr. Serge Meyer, der die Krisenzelle im Escher CHEM leitet und von einem relativen Gleichgewicht zwischen Einlieferungen von Covid-19-Patienten und Entlassungen solcher Patienten berichtet, das es von Anfang an gegeben habe. Es gelte aber, „wachsam zu bleiben“, auch was das Material anbelangt, heißt es aus allen Kliniken. Etwas Sorgen bereitet derzeit die Medikamentenversorgung, besonders für Anästhesie. Covid19-Patienten müssen ja über mehr oder weniger lange Zeit in einem künstlichen Koma gehalten werden, das benötigt viele entsprechende Mittel. „Jeder braucht derzeit das Gleiche“, bringt Christian Kirwel die Spannung auf dem Medikamentenmarkt auf den Punkt.

Fragen zum Rückgang der Zahlen in den Notdiensten

Dann gibt es aber noch eine andere Sorge, und die hat mit den „herkömmlichen“ Patienten zu tun. Festgestellt wird ein klarer Rückgang der Zahl der Patienten in Notaufnahmen oder anderen Einheiten.

Man stellt sich die Frage ob und wo diese Leute behandelt werden und hofft, dass nicht aus Angst wegen dem Coronavirus Gebrechen ignoriert und notwendige Eingriffe aufgeschoben werden. Der Appell der Klinikdirektionen ist deshalb klar: Personen mit Gesundheitsproblemen sollen sich auf jeden Fall in Behandlung begeben und brauchen keine Angst zu haben, denn die Covid-19-Trakte sind komplett abgetrennt und die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen überall in den Kliniken besonders hoch.