LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Sexuelle Übergriffe im Zug: Staatsanwaltschaft fordert zwölf Monate Haft

Am 1. November 2016 kam es während einer Zugfahrt auf der Bahnstrecke Luxemburg-Rodingen zu sexuellen Übergriffen auf junge Frauen durch einen 36-jährigen Mann aus Guinea Bissau. Der Mann war am Bahnhof Luxemburg in die Regionalbahn nach Rodingen gestiegen.

Während der Fahrt sprach er Mädchen an und setzte sich auf den gegenüberliegenden Platz. Plötzlich soll der mutmaßliche Täter nach dem Bein eines der Mädchen gegriffen haben. Ein anderes Mädchen soll er festgehalten und es oberhalb der Bekleidung unsittlich berührt haben. Den Mädchen gelang es, sich loszureißen. Dabei sei der Mann auf sie gefallen. Die drei Opfer beschrieben im Gerichtssaal, wie sie immer wieder und überall am Körper, vor allem zwischen den Beinen und den Brüsten, angefasst worden seien. Am Haltepunkt Rodingen soll der Mann dann aus dem Zug gerannt sein, die Polizei konnte ihn aber später festnehmen, da bei der Kripo Luxemburg Anzeige erstattet wurde.

Streitet die Tat ab

Die drei Mädchen sind einmal 18 und zweimal 17 Jahre alt. Nachdem der Mann vor ihnen getanzt, hatte seien sie nacheinander von ihm bedrängt und unsittlich berührt worden. Das Publikum im Gerichtssaal bezeichnete diese Art des Übergriffs als ein für Luxemburg „komplett neues Phänomen.“

Der Festgenommene streitet seinerseits die Tat ab. Er sei zwar alkoholisiert gewesen, „doch ich glaube nicht, dass ich die Mädchen berührt habe“, beteuerte er vor dem Vorsitzenden Richter. Die Mädchen hätten die Initiative ergriffen. Der Vorsitzende Richter bezeichnete den Angeklagten aber als wenig glaubwürdig und führte aus, dass es ziemlich unwahrscheinlich sei, dass drei identische Aussagen der Wahrheit nicht entsprechen würden.

Nach aktueller Rechtslage können besonders schutzwürdige Opfer Nebenklage erheben. Der Täter muss also ein bestimmtes Delikt begehen. Erfasst sind nach dem „Code pénal“ vor allem Straftaten wie Sexualdelikte, insbesondere Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Missbrauch. Weil zwei Mädchen noch minderjährig sind, konnten sie nicht selbst Nebenklage erheben, erforderlich war hier eine Vertretung durch die Eltern. Die beantragte moralische Entschädigung beträgt insgesamt 7.000 Euro. Der Anklagevertreter beantragt zwölf Monate Haft. Auf eine Geldstrafe verzichtet er. Das Urteil fällt am 9. Februar.