LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Jugend-Studie bestätigt: Klima und Umwelt stehen ganz oben auf der Agenda

Die Gletscher sind weit weg, ebenso die Feuer des Regenwalds. Doch was mit der Umwelt und dem Klima passiert, beschäftigt Jugendliche sehr; auch hier in Luxemburg. Das war nicht nur spürbar während der Schulstreiks von „Friday for future“, sondern auch während einer großen Demo Ende September oder Protestaktionen vor der Europäischen Investitionsbank auf Kirchberg.

Die Jugendlichen in Luxemburg sind damit nicht allein. Das zeigt die aktuelle Shell-Jugendstudie, die Anfang der Woche bekannt wurde. Laut ihr machen sich zwei Drittel der Jugendlichen Sorgen um Umweltverschmutzung und Klimawandel. Seit 18 Jahren befragt sie Jugendliche in Deutschland zu ihren Gedanken und Sorgen. 2.572 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zwölf und 25 Jahren wurden Anfang des Jahres von Interviewern auf Basis eines standardisierten Fragebogens befragt. Zudem wurden 20 vertiefende, leitfadengestützte Gespräche mit Jugendlichen geführt. Dabei ging es um Fragen wie:

„Machen dir persönlich die folgenden Dinge Angst oder keine Angst?“ - „Wie wichtige sind dir dann die folgenden Dinge für dich persönlich?“ - „Wie zufrieden oder unzufrieden bist du - alles in allem - mit der Demokratie, wie sie in Deutschland besteht?“ Zwar wurden nur Jugendliche in Deutschland befragt, doch ihre Sorgen ähneln denen der Jugendlichen hier. Das Ergebnis der Studie:

Jugendliche melden sich vermehrt zu Wort und artikulieren ihre Interessen und Ansprüche nicht nur untereinander, sondern zunehmend auch gegenüber Politik, Gesellschaft und Arbeitgebern. Dabei blickt die Mehrheit der Jugendlichen eher positiv in die Zukunft. Ihre Zufriedenheit mit der Demokratie nimmt zu. Die EU wird überwiegend positiv wahrgenommen. Jugendliche sind mehrheitlich tolerant und gesellschaftlich liberal. Am meisten Angst macht Jugendlichen die Umweltzerstörung.

„Bereits im Jahr 2015 hatten viele Jugendliche ein größeres Engagement für politische und gesellschaftliche Themen gezeigt. Dieses Engagement verstärken sie inzwischen durch ein zunehmendes Umwelt- und Klimabewusstsein. Obwohl die Jugendlichen optimistisch in ihre persönliche und die gesellschaftliche Zukunft blicken, sehen sie doch, dass es Zeit ist, zu handeln“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Mathias Albert von der Universität Bielefeld. Die Botschaft der Jugend an ältere Generationen ist: „Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns, und achtet jetzt auf unsere Zukunft!“

Das hat ganz praktische Auswirkungen. Es gibt Jugendliche, die sich entscheiden, bewusst vegetarisch oder vegan zu leben, auf Flugreisen verzichten oder kein Auto fahren wollen. Diese Entscheidungen hängen meist mit dem klimaschädlichen CO2 zusammen.

Andere wiederum protestieren regelmäßig oder engagieren sich in Umweltgruppen. Immer beliebter wird auch das häufig von Youtubern vorgemachte „cleanwalking“: Dabei wird während eines Spaziergangs Müll aufgesammelt - häufig zusammen mit Freunden. Die anschließend geposteten Fotos sollen Menschen dazu bewegen, beispielsweise keine Zigarettenkippen mehr wegzuwerfen. So sammelten 50 Freiwillige Ende September in Montmartre über 15.000 Kippen am „world cleanup day“, dem 21. September. Auch in Luxemburg wurde gesammelt: Die „Jeune Chambre Economique“ war mit 15 Freiwilligen am Bahnhof unterwegs, andere suchten in Berdorf Müll zusammen. Und der „Yacht Club Luxembourg“ organisierte zusammen mit Greenpeace einen „Cleanup Day“ in Esch. Auf Facebook haben sich schon lokale Gruppen in Cannes, Brüssel oder Tours gegründet. Über 3.000 Leute folgen der Facebook-Seite cleanwalk.org. Und manch einer wünscht sich, dass die Strafe von 49 Euro für Leute, die ihre Kippe einfach wegwerfen, auch appliziert wird.

Diese Aktionen vermitteln zum einen das Gefühl, mit seiner Einstellung nicht allein zu sein, zum anderen auch, etwas Sinnvolles für die Umwelt zu tun. Da die Gletscherschmelze ebenso weitergeht wie die Regenwaldbrände werden auch die Proteste der Jugendlichen bleiben und eher noch zunehmen - in Luxemburg und zahlreichen anderen Ländern weltweit.

www.shell.de/jugendstudie