Als am 9. September 2008 die Aktien der Investmentbank Lehman Brothers 45% in den Keller rasselten, nachdem die Südkoreanische Entwicklungsbank Übernahmegespräche erst einmal auf Eis gelegt hatte, hatte das Unheil längst seinen Lauf genommen. Sechs Tage wurde unter Hochdruck rund um die Uhr weltweit die Rettung von Lehman versucht. Die hätte auch noch gelingen können, hätten die britischen und US-amerikanischen Regierungen sich damals darauf geeinigt, das Rettungsangebot der Barclays Bank zu zu lassen. Anscheinend kam es allerdings zu Störungen in der Kommunikation zwischen Washington und London. Da war es plötzlich zu spät: Am frühen Morgen des 15. September „crashte“ Lehman, außerstande, den rapiden Wertverlust seiner hochriskanten Anlagen durch frisches Kapital auszugleichen. Die ungeordnete Insolvenz sandte Schockwellen rund um den Globus. Schockwellen, die heute noch zu spüren sind.

Man mag sich fragen, was geschehen wäre, wenn die „Lehmänner“, deren stets spektakulär angekündigten Erfolge zum größten Teil auf Sand gebaut waren, gerettet worden wären. Auswechslung der Führungsspitze, Aufsplitterung der Bank, ein paar Regulierungen mehr? Ansonsten: Weiter so mit einem von der Gier getriebenen faulen System? Hätte jemand damals bereits die gefährliche Blase gestoppt? Auch bei dezidiertem Einschreiten wäre sie womöglich noch über Jahre gewachsen. schließlich ist die Konsolidierung des globalen Finanzsystems auch nach der Lehman-Pleite längst nicht abgeschlossen. „Wenn es also morgen ein „Lehman 2.0“ geben würde, was ich nicht sehe, hätten wir die Instrumente, die wir konzeptionell entwickelt haben, noch nicht in den Händen, um Banken weltweit wirkungsvoll abzuwickeln“, lautete vergangene Woche die Diagnose von Andreas Dombret, dem Vorstand der Deutschen Bundesbank, im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Nach wie vor müssten Großbanken im Falle des Falles vom Staat, also vom Steuerzahler gerettet werden. Das kann nicht sein und daran haben nicht zuletzt die Banker selbst ein Interesse.

Nach dem Lehman-Crash musste bekanntlich auch die Luxemburger Regierung im Dezember 2008 eiligst einschreiten, um Fortis und Dexia unter die Arme zu greifen, um massive Entlassungen und einen schweren Schlag für den internationalen Finanzplatz zu vermeiden. Nicht nur für diesen, der über viele Jahre Beschäftigungsmotor und Steuerquelle Nummer Eins war, hat die Krise, die strukturelle Unzulänglichkeiten allenthalben in krudem Licht erscheinen, Sicherheiten zerplatzen ließ und das Vertrauen der Bürger schwer angeknackst hat, nachhaltig verändert, sondern die Wirtschaft insgesamt. Und natürlich die Politik. Denn niedrige Wachstumsraten und hohe Arbeitslosenzahlen, steigende Defizite und Schulden zwingen zum Sparen, respektive zum Umdenken und verbieten Pralinen für den Wähler, die in Luxemburg in der Vergangenheit regelmäßig und reichlich verteilt wurden. Das Land braucht heute Realpolitiker, die aufgrund einer ehrlichen Analyse der Situation die richtigen Weichen stellen, keine Machtpolitiker, die die Lage schönen um über die Legislatur-Runden zu kommen. Auch wenn es derzeit einige Lichtblicke am Konjunkturhorizont gibt: Die Krise ist noch längst nicht vorbei. Und sie ist noch lange nicht aus den Köpfen.